Knipsen und seine Folgewirkungen

28. Oktober 2007, 12:54
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Eine Digitalkamera zu bedienen ist längst keine Hexerei mehr - Aber die digitale Ordnung der Dinge ist erheblich komplexer

Es war einmal so einfach. Der Film aus der Kamera zur Ausarbeitung, das Sackerl mit den Bildern und Negativen in die Schublade. Wer ordentlich war, legte Alben an. Oder beschriftete zumindest die Sackerln. Auf jeden Fall standen die Aussichten gut, dass ein Gutteil der Bilder noch Jahre später erhalten war.

Aber viel rascher, als es vor wenigen Jahren selbst Experten glauben wollten, hat die Digitalisierungswelle simple Zeiten hinweggespült. Nicht dass es inzwischen noch kompliziert wäre, eine Digicam zu bedienen: Auf Automatik geschaltet abdrücken, das Bild ist im Kasten. Aber dann?

Motive

Hobbyfotografen haben nicht nur den Film, sondern ein ganzes System vom Motiv zum Bild gewechselt. Digitales Knipsen hat unerwartete Folgewirkungen - zumindest wenn man die mit fröhlich vorgehaltener Kamera oder Handy schnell gemachten Bilder länger als einen E-Mail-Moment lang behalten will.

Das beginnt mit Einstellungen für die Aufnahmequalität und setzt sich beim Archivieren der Dateien fort. Dann die Entscheidung, wie Bilder konsumiert werden: auf Papier, als Fotobuch, per Mail, als Onlinealbum?

Regeln

Je nachdem, was Sie für ein Fototyp sind, helfen ein paar Grundregeln beim digitalen Umstieg. Fangen wir bei den Kameraeinstellungen an: Bilder werden von allen Kameras im Fotoformat JPG gespeichert; teurere Modelle ermöglichen wahlweise auch RAW, eine Art unkomprimiertes digitales Negativ. JPG reicht in der Regel völlig, es lohnt sich, die beste Auflösung zu wählen - das gibt später "mehr Reserven" für größere Drucke oder zur Ausschnittwahl. Nur wer Bilder stark bearbeitet oder in großen Formaten ausdruckt, braucht RAW, das ein Speicherfresser ist.

Der Schubladenfotograf kann den alten Weg bedingt weitergehen: mit der Speicherkarte zum nächsten Elektro- oder Supermarkt, alle Bilder ausdrucken, die Dateien auf CD brennen lassen. Von guten Drucken kann man eine ähnliche Lebensdauer wie von Papierfotos erwarten, was man von den CDs nicht sagen kann: Diese können schon nach wenigen Jahren fehlerhaft oder unlesbar werden. Langlebigkeit verspricht Speicherung auf DVD-RAM, praktischer ist Speicherung auf Festplatte. Dem Crash, dem Einbruch oder dem Hochwasser wird durch ständiges Kopieren (Sichern) auf weitere Platten vorgebeugt.

Mut dazu

Über diese Basics hinaus bietet der digitale Systemwechsel viel Freude, wenn man sich darauf einlässt: Erstens sind Bilder leichter als je zuvor zu archivieren, mithilfe von Software wie Googles Picasa (gratis), Adobe Photoshop Album (vielen Kameras beigepackt) oder Apples iPhoto. Digitale Bilder haben immer einen Datumsstempel, was Identifikation Jahre später leichter macht. Schon ein paar Stichworte beim Aufspielen des aktuellen "Films" genügen, um Bilder leicht wiederzufinden.

Bearbeitung von Farbfotos in den Zeiten des Films war Amateuren, mit Ausnahme von Ausschneiden, praktisch unmöglich. Digital ist es hingegen leicht, nachzubelichten, rote Blitzaugen zu entfernen (wenn sie nicht schon die Kamera beseitigt hat) oder Ausschnitte zu wählen. Dazu kommt eine ganze Palette von Spezialeffekten, die selbst Anfänger durch Ausprobieren leicht erkunden können. Grundregel: Immer nur mit Kopien von Originaldateien arbeiten.

Online

Je mehr geknipst wird, desto weniger wird gedruckt. Das Bild auf Papier ist nur noch eine Möglichkeit zum Herzeigen, aus dem eigenen Fotodrucker, von Fotokiosken oder Ausarbeitern. Immer mehr drängen sich Onlinealben oder Fotosites wie Flickr in den Vordergrund. Aus gutem Grund: Die "Reichweite" (die Zahl der Menschen, denen man die Bilder zeigen kann) steigt, und das freut nicht nur Profis, sondern auch Amateure. E-Mail als Verteilermedium für die Bilder selbst ist unpraktisch (verstopft die Mailbox, lässt sich nicht gut ansehen), stattdessen verschickt man die Internetadressen, wo sich die Bilder vom Fest oder Urlaub befinden. (Helmut Spudich, DerStandard/Printausgabe vom 25.10.2005)

Links

Picasa

  • Digitale Fotoalben gibt es auch kostenlos im Netz. Hier beispielsweise Googles Picasa.
    google.com

    Digitale Fotoalben gibt es auch kostenlos im Netz. Hier beispielsweise Googles Picasa.

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