Ex-Aufseher rügt Grasser

26. Oktober 2007, 18:54
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Anton Stanzel, ehemaliger Bawag-Staatskommissär: "Ministerium hätte auf Bawag-Bericht 2001 reagieren müssen"

Wien - Am 42. Tag des Bawag-Prozesses konnte das Gericht zwei sehr unterschiedliche Ex-Bawag-Staatskommissäre (werden vom Finanzminister als Aufseher in Banken geschickt) erleben. Es traten auf: der Ex-Chef der Sektion Kredit (Bankenaufsicht) im Finanzministerium, Anton Stanzel, und sein Nachfolger als Bawag-Staatskommissär (1994 bis 2003), Herbert Sutter.

Zeuge Stanzel erzählte, dass er von den Vater-Sohn-Geschäften der beiden Flöttls ("Karibik I") nicht informiert war. Bis heute sei nicht geklärt, ob diese Geschäfte Großveranlagungen waren. Er selbst habe sie in der Financial Times 1994 als "hochriskant" bezeichnet. Das ist insofern von Bedeutung, als die Angeklagten beteuern, nichts vom Risikogehalt von Wolfgang Flöttls Geschäften geahnt zu haben.

Nach ihrer Wiederaufnahme 1995 waren die Karibikgeschäfte im Ministerium durchaus Thema, in einem Protokoll ist den "Missverständnissen von Generaldirektor H. Elsner" ein ganzes Kapitel gewidmet. Stanzel (1999 pensioniert) zum - folgenlos gebliebenen - Prüfbericht 2001: Es wäre ausschließlich die Aufgabe des Ministeriums (unter Karl-Heinz Grasser; Anm.) gewesen, darauf zu reagieren.

Ex-Staatskommissär Sutter sah sich nicht verpflichtet, Dokumentationen zu den Flöttl-Geschäften einzufordern, "solche Details fielen nicht in unsere Zuständigkeit". Den Beschluss zur Prüfung 2001 habe er "mitgetragen", den Bericht aber weder gesehen noch eingefordert. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.10.2007)

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