Molkereistraße, evaluiert

Redaktion, 24. Oktober 2007 16:31
  • Artikelbild
    Foto: derstandard.at/isee

    Das "Gästehaus der Wiener Universitäten" in der Molkereistraße im 2. Wiener Bezirk war zum Zeitpunkt seiner Inbetriebnahme das größte Passivhaus der Welt.

Seit zwei Jahren ist das weltweit erste Passiv­haus-Studentenheim in Wien in Betrieb - Wohnbaustadtrat Ludwig präsentierte nun eine Studie dazu

Seit mehr als zwei Jahren ist das weltweit erste Passivhaus-Studentenheim Molkereistraße im zweiten Wiener Gemeindebezirk in Betrieb. Geplant von den Architekten Baumschlager & Eberle und errichtet von der ARWAG, wird das siebengeschossige Gebäude seit September 2005 vom Österreichischen Austauschdienst (ÖAD) an internationale Studierende vermietet.

Nun liegt eine Studie über die Energieperformance des großvolumigen Passivhauses und die Zufriedenheit seiner NutzerInnen vor, die von MA 50-Wohnbauforschung und MIGRA beauftragt und von ExpertInnen der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) und der Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen (FGW) durchgeführt wurde. Konkret wurden dabei Fragen der Energieeffizienz, der Bewohnerzufriedenheit und der Objektfinanzierung umfassend erforscht.

Die ExpertInnen von Boku und FGW kamen zu dem Schluss, dass das Gebäude von den BewohnerInnen sehr geschätzt wird und dass es eine erfreuliche Energieperformance aufweist und damit einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet.

Vier Fünftel an Heizenergie gespart

Die Messungen der Universität für Bodenkultur ergaben, dass durch die Realisierung der Passivhaustechnik im Vergleich zu durchschnittlichen österreichischen Wohnbauten (Neubau) trotz noch vorhandener Restfeuchte in den Mauern etwa vier Fünftel der Heizenergie und damit auch der Treibhausgasemissionen eingespart werden konnten.

"Die praktische Funktionstüchtigkeit der Passivhaus-Technologie im geförderten Wohnbau Wiens wurde dadurch erstmals umfassend nachgewiesen. Die Ergebnisse der Forschungsstudie sprechen für sich: Durch das Passivhaus Molkereistraße können gegenüber einer vergleichbaren, konventionellen Wohnhausanlage in Österreich rund 700 Megawattstunden pro Jahr an Energie und damit rund 40.000 Euro an Heizbetriebskosten eingespart werden. Die CO2-Belastung wird dadurch jährlich um rund 100 Tonnen reduziert", berichtete Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) bei der Präsentation der Studie.

Weitere Einsparungen wären erreichbar, wenn Fenster weniger oft gekippt würden - ein Verhalten, das auf individuell unterschiedliches Temperaturempfinden und Informationsdefizite der Nutzer zurückzuführen ist, wie sich im Zuge von Bewohnerbefragungen herausstellte. "Die Studierenden haben unterschiedliche Gewohnheiten, zu lüften und zu heizen", berichtete Architekt Martin Treberspurg am Dienstag. Mit "Bedienungsanleitungen" in deutscher und englischer Sprache werden die BewohnerInnen darüber aufgeklärt, "dass es sich um ein ganz besonderes Gebäude handel".

80 Prozent zufrieden

Mehr als 80 Prozent der StudentInnen fühlen sich im Passivhaus wohl. Das Wohnheim in der Molkereistraße weist damit hinsichtlich Zufriedenheit mit der Unterbringung die zweitbeste Bewertung von insgesamt 26 analysierten Wiener Studentenheimen auf.

Die Studie stelle damit einen ersten, wichtigen Schritt für die Evaluierung von Passivhäusern dar, so Ludwig. "Weitere Forschungsarbeiten sollen beispielsweise auch die Nachhaltigkeit der Passivhäuser und den technischen und finanziellen Aufwand bei einer künftigen Sanierung ganz genau unter die Lupe nehmen."

Das Wohnheim Mokereistraße umfasst sieben Geschosse mit insgesamt 278 Einzelzimmern. Es wurde auf dem Gelände der ehemaligen Wiener Molkerei in 15 Monaten Bauzeit errichtet und war zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme (September 2005) das weltweit erste Studentenheim in Passivhausstandard sowie mit 10.527 m² Bruttogeschoßfläche gleichzeitig das größte Passivhaus der Welt.

Die Stadt Wien hatte die Errichtung des Vorzeigeprojekts mit insgesamt 3,87 Mio. Euro gefördert. Die Gesamtbaukosten betrugen rund 10,11 Mio. Euro. (red)

Ne Mo
25.10.2007 09:30
finde das noch immer eine FRECHHEIT ...

... dass dieses haus nur für gaststudenten zugängig ist. finde ich super, dass für leute, die 1, 2 semester in ö sind ein hypermodernes haus gebaut wird und gleichzeitig die österr. studenten in herunter gekommenen heimen mit bundesländernamen und wänden "aus papier" dahin "vegitieren" müssen.

Der auf der Nudelsuppen dahergschwommen is
 
05.11.2007 19:21

kann dir zumindest sagen, dass in den nächsten jahren weitere studentenheime in passivhausstandard in wien entstehen. auch salzburg darf sich über ein solches freuen.
hoffentlich stehen diese dann auch österreichern zur verfügung.

Stephan Rei
04.11.2007 07:27
Kalkulation

Nach wieviel Jahren machen sich die erhöhten Baukosten durch geringere Energiekosten bezahlt?
Wie sieht das bei einem Einfamilienhaus und wie bei einem Wohnhaus aus?
Ist diese Frage irgend wo beantwortet?

adaschauher
15.11.2007 08:07
erhoehte baukosten sind letztlich nix anderes als energieverschwendung, und zwar vorgezogene...

...aber fuer die errichter rechnet sichs natuerlich jedenfalls. und wien ist eine reiche stadt.

Irma la Douce
24.10.2007 17:49
Probieren sie doch mal, in Wien ein Passiv-EFH zu bauen ...

Cogito Ergo Dumm
24.10.2007 20:18
Nur eine Frage des Geldes

Vorteil und Nachteil gleichzeitig....

ruth geszti
25.10.2007 07:38

Guten Morgen; diese Kosten belaufen sich auf unter 10% der Gesamtbaukosten eines Gebäudes.
Der Anteil der Baukosten beträgt aber nur etwa 20% der Gesamtkosten eines Gebäudes (Heizung, Strom, Sanierung, etc.) auf Lebenszeit gesehen.
Diese max. 10% Mehrkosten reduzieren aber diese Nutzungskosten erheblich, s.o., ...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.