Seit zwei Jahren ist das weltweit erste Passivhaus-Studentenheim in Wien in Betrieb - Wohnbaustadtrat Ludwig präsentierte nun eine Studie dazu
Seit mehr als zwei Jahren ist das weltweit erste Passivhaus-Studentenheim Molkereistraße im zweiten Wiener Gemeindebezirk in Betrieb. Geplant von den Architekten Baumschlager & Eberle und errichtet von der ARWAG, wird das siebengeschossige Gebäude seit September 2005 vom Österreichischen Austauschdienst (ÖAD) an internationale Studierende vermietet.
Nun liegt eine Studie über die Energieperformance des großvolumigen Passivhauses und die Zufriedenheit seiner NutzerInnen vor, die von MA 50-Wohnbauforschung und MIGRA beauftragt und von ExpertInnen der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) und der Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen (FGW) durchgeführt wurde. Konkret wurden dabei Fragen der Energieeffizienz, der Bewohnerzufriedenheit und der Objektfinanzierung umfassend erforscht.
Die ExpertInnen von Boku und FGW kamen zu dem Schluss, dass das Gebäude von den BewohnerInnen sehr geschätzt wird und dass es eine erfreuliche Energieperformance aufweist und damit einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet.
Vier Fünftel an Heizenergie gespart
Die Messungen der Universität für Bodenkultur ergaben, dass durch die Realisierung der Passivhaustechnik im Vergleich zu durchschnittlichen österreichischen Wohnbauten (Neubau) trotz noch vorhandener Restfeuchte in den Mauern etwa vier Fünftel der Heizenergie und damit auch der Treibhausgasemissionen eingespart werden konnten.
"Die praktische Funktionstüchtigkeit der Passivhaus-Technologie im geförderten Wohnbau Wiens wurde dadurch erstmals umfassend nachgewiesen. Die Ergebnisse der Forschungsstudie sprechen für sich: Durch das Passivhaus Molkereistraße können gegenüber einer vergleichbaren, konventionellen Wohnhausanlage in Österreich rund 700 Megawattstunden pro Jahr an Energie und damit rund 40.000 Euro an Heizbetriebskosten eingespart werden. Die CO2-Belastung wird dadurch jährlich um rund 100 Tonnen reduziert", berichtete Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) bei der Präsentation der Studie.
Weitere Einsparungen wären erreichbar, wenn Fenster weniger oft gekippt würden - ein Verhalten, das auf individuell unterschiedliches Temperaturempfinden und Informationsdefizite der Nutzer zurückzuführen ist, wie sich im Zuge von Bewohnerbefragungen herausstellte. "Die Studierenden haben unterschiedliche Gewohnheiten, zu lüften und zu heizen", berichtete Architekt Martin Treberspurg am Dienstag. Mit "Bedienungsanleitungen" in deutscher und englischer Sprache werden die BewohnerInnen darüber aufgeklärt, "dass es sich um ein ganz besonderes Gebäude handel".
80 Prozent zufrieden
Mehr als 80 Prozent der StudentInnen fühlen sich im Passivhaus wohl. Das Wohnheim in der Molkereistraße weist damit hinsichtlich Zufriedenheit mit der Unterbringung die zweitbeste Bewertung von insgesamt 26 analysierten Wiener Studentenheimen auf.
Die Studie stelle damit einen ersten, wichtigen Schritt für die Evaluierung von Passivhäusern dar, so Ludwig. "Weitere Forschungsarbeiten sollen beispielsweise auch die Nachhaltigkeit der Passivhäuser und den technischen und finanziellen Aufwand bei einer künftigen Sanierung ganz genau unter die Lupe nehmen."
Das Wohnheim Mokereistraße umfasst sieben Geschosse mit insgesamt 278 Einzelzimmern. Es wurde auf dem Gelände der ehemaligen Wiener Molkerei in 15 Monaten Bauzeit errichtet und war zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme (September 2005) das weltweit erste Studentenheim in Passivhausstandard sowie mit 10.527 m² Bruttogeschoßfläche gleichzeitig das größte Passivhaus der Welt.
Die Stadt Wien hatte die Errichtung des Vorzeigeprojekts mit insgesamt 3,87 Mio. Euro gefördert. Die Gesamtbaukosten betrugen rund 10,11 Mio. Euro. (red)