Herbst im Goldrausch

27. Oktober 2007, 17:00
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Die Weinlese 2007 ist fast durch - Die Winzer sind zufrieden mit der Qualität und freudig überrascht ob der Menge

Bereits Anfang September, noch bevor die Flankerln im Most (vulgo "Trub" ) der gelesenen Trauben genug Zeit hatten, sich am Boden abzusetzen, werden gewohnheitsmäßig Super-Weinjahre beschworen. Es gibt keine schlechten Jahrgänge mehr, lautet die These, die von Weinwirtschaft und Medien gebetsmühlenartig verbreitet wird, obwohl das eingedenk der Rekordtemperaturen im Juli oder der Sintflut zur Zeit des Papstbesuchs Anfang September schwer vorstellbar sein mag.

Und dennoch ist sie nicht ganz von der Hand zu weisen und stimmt vor allem unter einem Blickwinkel: Jene Winzer, die Know-how, eine gute Hand und die richtige Intuition hatten, als sie auf die Wetter-Vorgaben des Jahrgangs reagieren mussten, werden mit Sicherheit qualitativ hochstehenden Wein machen, der, wie es sein soll, die Charakteristik des Wetter-Jahres widerspiegelt. Auch die Mengen bewegten sich 2007 nach zwei knappen Jahrgängen, in denen vor allem der Nationaltropfen Grüner Veltliner knapp wurde, wieder um die langjährige Durchschnittsmenge von 2,5 Millionen Hektoliter.

Intensität und Klarheit

Der Sonnenschein der vergangenen Wochen war nach dem Regen Anfang September buchstäblich Goldes wert, vor allem für jene Rebsorten, die länger am Stock hängen. Dazu gehören Veltliner, Blaufränkisch und allen voran Riesling, die einerseits von Grund auf länger brauchen oder für die qualitative Oberliga vorgesehen sind. Erkleckliche Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, wie man sie beispielsweise in der Steiermark hatte, befördern die Intensität und Klarheit der Fruchtaromen.

Im Burgenland, wo so gut wie alles geerntet ist, charakterisiert man den Weißwein-Jahrgang als sehr fruchtig und duftig, eher schlank, aber mit hoher Reife, "die elegantere Variante, deren weichere Säure recht gut passt". Bei den Rotweinen - vorausgesetzt, dass sie mit Maß und Ziel kultiviert wurden - hätten alle Sorten trotz der Trockenheit im Juli relativ problemlos gute Zuckergradationen erreicht. Sie schmecken sehr reif, mild und weich, sehr mollig, ohne den Druck und die Alkoholkraft zu erreichen, wie es 2006 der Fall war.

"Viel zu früh, fragts mich zu Weihnachten", meint F.X. Pichler, Wachauer Spitzenwinzer, lapidar angesichts der noch am Rebstock hängenden Trauben für seine Topweine, während bei anderen Kollegen der Vinea Wachau bereits zarte Zufriedenheit aufblitzt. In Niederösterreich generell ist die Lese weit fortgeschritten, aber noch nicht völlig abgeschlossen. In der Wachau und in den benachbarten Gebieten Kamptal und Kremstal wartet man mit den Trauben für die Topweine bis zuletzt zu, was bei feuchtem Wetter das Risiko von Fäulnis birgt. Dafür kann Sonnenschein in dieser Phase den später reifenden Sorten auf natürliche Weise zu mehr Konzentration verhelfen.

Viel Eleganz durch hohe Säure

Im Weinviertel rechnet man mit rassigen, fruchtbetonten und sehr würzigen Weinen, die in jedem Fall schlanker als im Vorjahr ausfallen werden. In Wien, wo man sich in den vergangenen zwei, drei Jahren wieder verstärkt in Richtung Spitzenqualität bewegt, sprechen manche Betriebe von einer sehr aufwändigen Lese, da einiges an Fäulnis entfernt werden musste. Dafür freut man sich über intensive und präzise Charakteristik bei allen Rebsorten und auch darüber, dass der Alkohol nach 2006 wieder dort ist, wo er hingehört.

Frische Frucht, hohe Aromaintensität, die durch die tiefen Nachttemperaturen seit Anfang September begünstigt wurde, erwartet man sich auch in der Steiermark, die heuer weniger Regen als der Norden abbekommen hat.

Überraschendes gab es bei Süßweinen im Seewinkel: "So früh wie nie und so rasch wie nie" habe man bei Kracher in Illmitz gelesen. Man erzählt von enormer Konzentration und viel Eleganz durch hohe Säure: "Die Ausgangslage ist sehr gut, aber Details gibt's in zwei Jahren." (Luzia Schrampf/Der Standard/ rondo/25/10/2007)

  • So etwas von golden wie dieser Oktober war - da kann der Wein gar nicht anders als fantastisch werden.
    foto: luzia schrampf

    So etwas von golden wie dieser Oktober war - da kann der Wein gar nicht anders als fantastisch werden.

  • Denkt sich der Laie.
    foto: luzia schrampf

    Denkt sich der Laie.

  • Dabei ist der Rest des Jahres für den Wein viel wichtiger.
    foto: luzia schrampf

    Dabei ist der Rest des Jahres für den Wein viel wichtiger.

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