Black magic Sessel

4. Februar 2008, 15:40
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Mit seinem neuesten Entwurf "Myto" wandelt Top-Gestalter Konstantin Grcic auf Verner Pantons Spuren - Von dem verwendeten Spezialkunststoff konnte Letzterer nur träumen

"Den Panton Chair kann man nicht kopieren, dazu ist er zu gut. Er ist eine Ikone, an der es nichts zu verbessern gibt", sagt Konstantin Grcic über den berühmten Stuhl. Verner Panton, Protagonist der Pop-Ära, hatte mit seinem wellenartigen, erstmals in einem Stück gefertigten Plastik-Möbel von 1960 den internationalen Durchbruch geschafft und wohl eines der berühmtesten Sitzobjekte der Welt kreiert.

Grcic, selbst längst im Design-Olymp angekommen, fügt dem weitläufigen Feld der Freischwinger nun ein neues Kapitel hinzu: Sein jüngster Entwurf "Myto" feiert vom 24. bis 31. Oktober auf der größten Messe der Plastikindustrie, der "K Messe" in Düsseldorf, seine Weltpremiere. Wie aus einem Stück gegossen, so wirkt "Myto" auf den Renderings, auf denen seine Silhouette aus dem Halbdunkel auftaucht. Und "Myto" ist tatsächlich ein Monoblock aus einem bis dato nur für Fahrzeuginnenräume verwendeten Kunststoff namens Ultradur® Highspeed oder PBT. Dieser fließt doppelt so schnell wie vergleichbare Typen und verfügt zudem über eine hohe Steifigkeit, eignet sich also für dreidimensionale, dick- oder dünnwandige Spritzgussmodelle. Form follows Fertigung, das könnte das Prinzip sein, dem Grcics jüngstes Design folgt: "Myto" wirkt dynamisch und seine Linien, als seien sie frisch im Windkanal getestet.

Neuer Freischwinger

Angefangen hat alles mit einem Workshop im Spätsommer 2006, zu dem die BASF namhafte Designer einlud. Die Aufgabe: ein neuer Verwendungszweck für das Material mit der einschlägigen Vergangenheit aus der Auto-Branche. Das Büro KGID - Konstantin Grcic Industrial Design - entschied sich also für einen neuen Freischwinger, ein Möbeltyp, der noch immer als eine der Königsdisziplinen gilt. "Obwohl man eigentlich nur allerlei Möglichkeiten damit aufzeigen wollte, hat mein Büro diese Idee zur Serienreife weiterentwickelt, die der italienische Hersteller Plank nun umsetzt", erzählt Grcic. "Der markante Monoblock, dessen Sitzfläche und Rückenlehne eine netzartige Struktur prägt, wurde in Rekordzeit von nur einem Jahr entwickelt. Normalerweise braucht es rund zwei oder drei Jahre für ein Sesselprojekt." Nach einer ersten Präsentation auf der "K Messe" reist das Stück zu seiner offiziellen Einführung in die Möbelbranche im Januar 2008 auf die IMM in Köln, um danach auf dem Mailänder Salone del Mobile zu swingen. Ob der Stuhl "Myto" seinen Namen zum Programm erheben und Karriere als Möbelikone macht, bleibt abzuwarten. Die DNA dazu hätte er. (Franziska Horn/Der Standard/rondo/25/10/2007)

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