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23. Oktober 2007, 20:18
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E-Tourismus als Forschungsschwerpunkt heimischer Zentren

Finnland hat in Sachen Informationstechnologie die Nase vorn. Die österreichische Forschung jubelt, dass die Skandinavier bei E-Tourismus dennoch auf Know-how aus Wien setzen. Denn den Auftrag für die Neuimplementierung des finnischen Tourismusportals bekam EC3 Networks, eine 100-Prozent-Tochter des Kompetenzzentrums EC3.

Das finnischen Tourismus-Portal soll alle Stückerln spielen: Mobile Services, Videodienste, Community-Technologien, integrierte Buchungssysteme, lokale, regionale, überregionale Vernetzung. "Wir waren Bestbieter", ist Hannes Werthner, E-Commerce-Pionier, hörbar stolz. Informatik-Professor Werthner, der das Entwicklungskonsortium inhaltlich leitet, beschäftigt sich seit 1994 mit der Bedeutung der Informationstechnologie für den Tourismus. "Das wollte damals keiner hören."

Die Ignoranz ist Schnee von gestern, heute sei die Webteilnahme "nicht mehr strategischer Vorteil, sondern ,daily business‘". Es gehe für die Anbieter nun darum, "sich durch differenzierte Angebote auf einem stark konsumentengetriebenen Markt zu positionieren". Transparent und vergleichbar müssten die Angebote für die Konsumenten sein. Denn wer reist, verlässt sich lieber auf Empfehlungen der Community als auf Werbung. Für Werthner ist das Web "ein Spiegel gesellschaftlich-ökonomischer Aktivitäten", wer sich als Mitspieler etablieren möchte, braucht entsprechendes Wissen.

Mathematisch-analytische Methoden wie Netzwerk-Analysen helfen beim Ergründen von Konsumentenwünschen. Bei der Entwicklung intelligenter, zielgruppenorientierter Angebote unterstützt die Online-Marktforschung über Wrapper – das sind "spezielle Programme, die Websites aufsuchen und Inhalte nach bestimmten Kriterien absaugen". So lassen sich Preisvergleiche tätigen. Bessere Nutzbarkeit und optimierter Datenaustausch sollen die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen ermöglichen. "Smart Business Networks" ist das Schlagwort für punktuelle Kooperationen auf Basis der IT-Infrastruktur.

So unentbehrlich wie Taschenmesser

Mobile Applikationen wie Smartphones sorgen für Orientierung und sollen für Outdoor-Freaks so unentbehrlich werden wie das Taschenmesser. Wer sich gerne durch die Gegend navigieren lässt, kann den digitalen Service künftig auch zu Fuß oder auf dem Rad haben. Salzburg Research mit seinem Forschungszentrum für E-Tourismus, Anet, entwickelte einen ersten "TourGuide". Das Wanderportal fürs Handy könnte bald die Karte ersetzen. "E-Mobility" ist einer der Forschungsschwerpunkte von "E-Motion", dem neuen Salzburger Kompetenzzentrum für Informations- und Kommunikationstechnologien in der Tourismus-, Sport- und Freizeitindustrie.

Leiter Markus Lassnig über das neue Wandern: "In Zukunft kann ich das System sogar automatisch nach meiner Gehrichtung ausrichten." Der smarte Wanderführer soll besser les- und verwendbar sein als Papierkarten. Weitere Forschungsschwerpunkte sind "E-Accessibilty", der barrierefreie Zugang zu Sport und Freizeit durch entsprechende Geräte und "E-Innovation", die kundenorientierte Entwicklung. (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2007)

  • So sieht Wanderers Zukunft aus.
    foto: der standard/e-motion

    So sieht Wanderers Zukunft aus.

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