Mut zur Bevormundung

23. Oktober 2007, 07:00
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Neue katholische Plattform "Mut zum Kind" hat subtile Ideen zur Fristenlösung- Einflussnahme - ein Kommentar

Am Montag äußerte sich erstmals die neu gegründete Plattform "Mut zum Kind" zur Regelung der Fristenlösung in Österreich. Die Forderungen der aus dem Katholischen Familienverband, der "Aktion Leben" und der Erzdiözese Wien gebildeten Interessensvertretung lesen sich nicht besonders radikal und zudem altbekannt: Eine Verpflichtung für ÄrztInnen, ihre Patientinnen auf das Beratungsangebot für Schwangere hinzuweisen, eine festgeschriebene "Bedenkzeit" zwischen Erst- und Abtreibungstermin von drei Tagen, die Einrichtung eines "öffentlichen Hilfsfonds für Schwangere in Not" sowie eine regelmäßige Erhebung der Motive, die schwangere Frauen zu einer Abtreibung bewegen.

Um den "einleuchtenden" Aspekt dieser Forderungen zu unterstreichen, hat die Plattform in einer Meinungsfrage eruiert, dass fast 70 Prozent der ÖsterreicherInnen ebenfalls der Überzeugung sind, Frauen sollten bei der ärztlichen Untersuchung auf Beratungsmöglichkeiten hingewiesen werden.

Aufwallung an den Rändern

In Österreich läuft die politische Diskussion über Abtreibung seit Jahren zwischen solchen für Außenstehende als "Nichtigkeiten" wahrgenommenen Polen. Die Nicht-Infragestellung der Fristenlösung ist politischer Konsens, jedoch an den Rändern sehen die KritikerInnen einen umso stärkeren Handlungsbedarf.

In diesem Fall geht es nun um die Hinweispflicht für ÄrztInnen und eine verbindliche Pause zwischen Erstgespräch und Abtreibungstermin. Darüberhinaus fordert die Plattform flächende Beratung, denn "Frauen und Paare haben ein Recht auf umfassende - auch sozialrechtliche und finanzielle - Information sowie professionelle, psychosoziale Beratung." Derzeit werde es "Frauen oft einfacher gemacht abzutreiben, als sich für das Kind zu entscheiden," lautet der schon etwas weniger serviceorientiert anmutende Zusatz der Gruppe. Unterstellt wird betroffenen Frauen damit, dass ihre Entscheidung gegen eine Schwangerschaft nicht fundiert genug ist.

Ein flächendeckendes, bundesweites Konzept in der Beratung wünschen sich seit vielen Jahren auch andere politische AkteurInnen. Diese sehen Frauen jedoch aus ganz anderen Gründen "alleingelassen". Frauengesundheitszentren und auch ÄrztInnen kritisieren im Namen der Frauengesundheit, dass es in Österreich kaum breite, niederschwellige und objektive Informationen über Möglichkeiten der Abtreibung gibt. Die Konsequenz sei mangelnde Qualitätssicherung in der österreichischen Abtreibungspraxis und überhöhte Preise mangels Selbstregulierung.

Überzeugungswille

Die Forderungen nach einem flächendeckenden, gesteuerten Ansatz sind offensichtlich nur der Methodik nach vergleichbar. Während nämlich zweitere Frauen als mündige Subjekte ernst nehmen und ihnen eine Infrastruktur bieten wollen, die diese Überzeugung unterstützt, kann sich die Initiative von "Mut zum Kind" dem Anschein des Überzeugungswillen nicht erwehren. So klingt es vielleicht im ersten Moment übertrieben, wenn SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Bettina Stadlbauer in den Forderungen der Plattform den Versuch sieht, "Schwangerschaftsabbruch unmöglich zu machen", doch bei genauerer Betrachtung hat sie damit einen wichtigen Punkt angesprochen: Das zur freien Entscheidung befähigte Subjekt war und ist die Grundlage der Fristenlösung in Österreich. (Ina Freudenschuß)

  • Die Plattform "Mut zum Kind" fordert mehr "flankierende Maßnahmen" bei der Durchführung der Fristenlösung.
    foto: kathbild
    Die Plattform "Mut zum Kind" fordert mehr "flankierende Maßnahmen" bei der Durchführung der Fristenlösung.
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