Umfahrungs-Streit in Wieselburg: Pröll greift durch

24. Oktober 2007, 20:39
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Nach zehn Jahren Diskussion soll es für das Verkehrsnadelöhr durch die Messestadt nun eine Umfahrung geben: Landeshauptmann Pröll will die Planung "umgehend in Angriff nehmen"

Wieselburg/St. Pölten - Es ist das Gesprächsthema Nummer eins in der betroffenen Region: Wieselburg, rot regierte Messe- und Braustadt im Mostviertel, soll endlich seine Ortsumfahrung bekommen. Damit soll nicht nur das Stadtgebiet entlastet werden: Die Bundesstraße 25 ist eine vielbefahrene Route in Richtung der Skigebiete Hochkar und Ötscher (siehe Grafik), durch das Nadelöhr Wieselburg staut es sich regelmäßig. 15.000 Fahrzeuge rollen täglich durch den Ortskern, ergab eine Verkehrszählung.

Diskutiert wird über die Umfahrung seit 15 Jahren, vergangene Woche - wohl nicht ganz zufällig ein halbes Jahr vor den Landtagswahlen in Niederösterreich - schaltete sich Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) höchstpersönlich ein: "Wir werden die Planungen für den Bau der Umfahrung Wieselburg umgehend in Angriff nehmen. Es kann nicht sein, dass eine Gemeinde, die sich bei diesem für die Region so wichtigen Vorhaben querlegt, alle anderen Kommunen in Geiselhaft nimmt."

Damit meinte Pröll Petzenkirchen, die kleine Nachbargemeinde Wieselburgs, durch die ein Teil der Umfahrungstrasse führt. In der Gemeinde herrscht helle Aufregung: "Unsere Lebensqualität ist Landeshauptmann Pröll wurscht", steht seit dem Wochenende auf Transparenten zu lesen.

Offener Brief

SPÖ-Bürgermeisterin Lisbeth Kern und ihre Gemeinderatsfraktion greifen in einem offenen Brief den Landeshauptmann an: "Jetzt spüren wir, wie der Hase läuft in Niederösterreich. Uns wird vor Augen geführt, dass auch Worte eines Landeshauptmannes nur leere Worte sind", erinnert die lokale SPÖ den Landeshauptmann an seine früheren Aussagen: "Wir werden sicher niemanden zwangsbeglücken", hatte Pröll noch vor einem Jahr erklärt.

Seit Jahren läuft auch eine überparteiliche Bürgerinitiative Sturm gegen die Umfahrungspläne. Sprecher Hans Wurzer will nun sicherstellen, dass "transparent gemacht wird, welches Spiel da gespielt wird", und den Landesplanern bei ihrem weiteren Vorgehen "ganz genau auf die Finger schauen".

Schwarzes "Zuckerl" Wurzer sieht in der Pröll-Entscheidung ein "Zuckerl" für die ÖVP-Gemeinden in der Region: "Dort hat man in den letzten Jahren Gendarmerieposten und Postämter zugesperrt. Jetzt hat die ÖVP herausgefunden, dass das bei den Landtagswahlen ungemütlich werden könnte", sagte Wurzer zum Standard.

Die Vermarktung der Entscheidung hat bereits begonnen: "Danke Erwin, danke Toni (Anm.: Toni Erber, VP-Landtagsabgeordneter)", plakatiert die ÖVP in Wieselburg. Und: "Die SPÖ streitet, Pröll entscheidet." Etwas pragmatischer sind hingegen die Transparente des SP-Bürgermeisters und Landtagsabgeordneten Günther Leichtfried: "Die Argumente finden Gehör: Die Umfahrung kommt!"

Ende vergangener Woche wurde die Umweltverträglichkeitsprüfung eingeleitet, im Zuge derer in den nächsten Monaten die genaue Trasse festgelegt werden soll. Läuft alles nach Plan, soll Ende 2009 oder Anfang 2010 der Spatenstich erfolgen. Die Kosten für die fast neun Kilometer lange Umfahrung betragen rund 46 Millionen Euro. (Andrea Heigl/DER STANDARD – Printausgabe, 23.10.2007)

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