
Extra Golden.
Neben diesem etwas trocken staubenden Themenbereich – "Rules of Music" benannt – hat man sich aber auch darauf geeinigt, dass "Music rules" gilt. Sprich: Man darf sich auch ohne Taschenrechner oder Diskursregelhandbuch beim Stop.Spot!-Festival sehen lassen. Bestes Argument dafür sind Extra Golden, eine US-kenianische Formation, die mit Hera Ma Nono (Thrill Jockey) eben ihr zweites Album veröffentlicht hat.
Rarer Glücksfall
Die Musik von Extra Golden ist ein rarer Glücksfall: Ian Eagleson aus Washington D.C., Gitarrist der Band Golden, besuchte im Rahmen der Recherchen für seine Doktorarbeit Kenia und lernte dort Otieno Jagwasi kennen, den 2005 verstorbenen Gitarristen des Orchestra Extra Solar Africa. Aus dieser Begegnung resultierte noch unter Mitwirkung von Jagwasi das erste Extra-Golden-Album Ok-Oyot System.
Der gitarrenlastige Benga Groove, dessen leichtfüßiger, zart polyrhythmischer Charakter zum wesentlichen Erkennungsmerkmal der Musik von Extra Golden wurde, trifft dabei auf US-amerikanischen Independent-Rock, den das insgesamt sechsköpfige Ensemble, ohne die Wesensmerkmale beider Musiken zu vernachlässigen, kongenial verbindet.
Trotz dieser Versatzstücke entsteht daraus keine liebliche, die Kulturen umarmende "Weltmusik", sondern eine originäre Neuschöpfung, wie sie davor etwa auch David Byrne (Talking Heads) in seinen besten Versuchen zum selben Thema geglückt ist: Neben den kenianisch-feingliedrigen Gitarrenlicks darf auch die US-Fraktion des Projekts ihre Gitarren hochfahren und ordentlich Druck erzeugen. Der bei aller Trauerarbeit, mit der manche der Songs beschäftigt sind, dabei durchschimmernde Positivismus bleibt davon jedoch ungestört.
Davon, dass realpolitische Zustände Extra Golden beinahe verhindert hätten, erzählt das funkige Obama, ein Dankeschön-Ständchen für den demokratischen Anwärter auf die US-Präsidentschaftskandidatur Barack Obama, auf dessen Intervention hin die kenianische Hälfte der Band erst in das Land der Tapferen einreisen durfte ...
Neben Extra Golden ist beim Stop.Spot!-Festival noch ein gutes Dutzend weiterer nationaler und internationaler Bands vertreten, etwa die grandiosen britischen Gitarrenwand-Arrangeure Shit & Shine oder der elektronische Platzhirsch Fadi Dorninger. (Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 23.10.2007)
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