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20. Oktober 2007, 12:41
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Valeria Bruni-Tedeschi führt wieder Regie

Eine Schauspielerin schreibt und inszeniert einen Film, in dessen Zentrum eine Schauspielerin steht. Eine Frau Anfang vierzig, für die es zwischen Berufsleben und privatem Umfeld, konfrontiert mit alternativen Lebenswegen von Gleichaltrigen, darum geht, vielleicht noch einmal ganz entscheidende Weichenstellungen und Veränderungen vorzunehmen.

Valeria Bruni-Tedeschi italienisch-französische Schauspielerin Anfang vierzig stellt mit Actrices nun auch bei der Viennale ihre zweite Regiearbeit vor. Bereits ihr erster eigener Film, Il est plus facile pour un chameau (2003), wurde inhaltlich in die Nähe von Bruni-Tedeschis eigener Biografie gerückt - aber der aktuelle, in dem sie neuerlich selbst mitwirkt, legt dies noch viel deutlicher nahe. Grund genug, den beruflichen Werdegang dieses Antistars des europäischen Autorenfilms nochmalig in Erinnerung zu rufen:

Bruni-Tedeschi - deren Schwester Carla übrigens zuletzt als Interpretin eigener Chansons reüssierte - studierte in den 80er-Jahren an der Schule des Théâtre des Amandiers im Pariser Vorort Nanterre unter der Leitung von Patrice Chéreau und Pierre Romans Schauspiel. Zu ihren Mitschülern zählten unter anderem Vincent Pérez und Laura Benson, Marianne Denicourt und Bruno Todeschini. Mit Letzterem wird sie beispielsweise noch 2005 in François Ozons strenger Beziehungsstudie Cinq fois deux (2005) vor der Kamera stehen. Zunächst wirkt Bruni-Tedeschi 1987 mit ihren Kollegen aber an Chéreaus Film- und Bühnenfassung von Hôtel de France mit, dem ersten offiziellen Eintrag in ihrer Filmografie.

Und bereits 1993 erhält sie den César als beste weibliche Nachwuchsschauspielerin und den Spezialpreis des Filmfestivals von Locarno für ihre Rolle in Laurence Ferreira-Barbosas Spielfilmdebüt Les gens normaux n'ont rien d'exceptionnel. In der Folge avanciert sie zu einer der markantesten Darstellerinnen ihrer Generation - selbst wenn sie in manchen Filmen nur kleine Auftritte absolviert wie etwa in Claire Denis' Nénette et Boni (1996).

Valeria Bruni-Tedeschi arbeitet mit Sarunas Bartas und Noémie Lvovsky , mit Philippe Garrel und Marion Vernoux, mit Pascal Bonitzer, Claude Chabrol oder eben Ozon. Und bereits 1994 hat mit dem Drama La seconda volta auch eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem italienischen Regisseur Mimmo Calopresti begonnen, die schließlich zu einer privaten Verbindung der beiden führt.

Nicht zuletzt in der Arbeit mit Calopresti (und seiner Drehbuchautorin Heidrun Schleef) hat Bruni-Tedeschi begonnen, auf die Gestaltung ihrer Figuren bereits im Vorfeld Anteil zu nehmen. Insofern erscheint es nur konsequent, dass sie nun erneut die Seiten wechselt. (Isabella Reicher, DER STANDARD/Printausgabe, 20.10.2007)

20. 10. Urania 16.00; Wh: 22. 10. Gartenbau 13.00
  • Darstellerin, Koautorin, Regisseurin: Valeria Bruni-Tedeschi in ihrem zweiten Spielfilm "Actrices".
    foto: viennale

    Darstellerin, Koautorin, Regisseurin: Valeria Bruni-Tedeschi in ihrem zweiten Spielfilm "Actrices".

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