Zuckerl für die Zukunft

21. Oktober 2007, 18:34
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Die Wiener Stadtregierung tut, als habe sie die Zukunft fest im Griff - Bei ihrer Klausur zeigte sich die rote Regierungsspitze vor allem zufrieden

Semmering/Wien – Mit Neuschnee leicht angezuckert, präsentierte sich der Skiort Semmering, wo die Wiener Stadtregierung am Donnerstag und Freitag eine interne Klausur abhielt. Bürgermeister Michael Häupl (SP) präsentierte, ohne Zuckerguss, die Ergebnisse der eher theorielastigen Tagung, deren Thema Häupl mit "Wien wächst, Wien wird immer älter", zusammenfasste.

Der positive Geburtenüberschuss spiele eine geringfügige Rolle. Wien wachse aufgrund des Zuzuges. Häupls selbstbewusster Befund: "Wien ist für das langsame Wachstum – 2020 werden 140.000 Menschen mehr in der Stadt leben – gerüstet." Doch erwartet die Stadt nicht, wie bis vor einigen Jahren, Zuwanderung aus der Türkei oder aus den Ländern Ex-Jugoslawiens, sondern aus Deutschland und Frankreich.

Jung und Alt im Plan

Vorbereitet sei Wien vor allem in Hinblick auf Abwasserund Müllentsorgung – ansonsten gebe es noch einiges zu tun. Derzeit hat die Stadt 5700 geförderte Wohnungen zur Verfügung, jährlich will man 7400 neue Wohnungen bauen, um in drei Jahren 20.000 zur Verfügung zu haben. Der Platz sei, in Form von aufgelassenen Kasernen und in den nördlichen und südlichen Stadtteilen, vorhanden. Die Grünen rümpfen darüber die Nase: "Speed kills" sagte Planungssprecherin Sabine Gretner zu diesen Plänen. Die Stadt müsse qualitätsvoll bauen und nicht auf Quantität setzen.

Finanzstadträtin Renate Brauner zeigte sich über den Finanzausgleich zufrieden, welcher der Stadt zusätzliche Mittel beschere. Die investierte Brauner schon mal in ein besonderes Zuckerl: Ab heuer beträgt der Heizkostenzuschuss für sozial Schwache wieder 100 Euro. Weitere zusätzliche Mittel will die Finanzstadträtin in den Bildungs-, Gesundheits- und Pflegebereich investieren. Ihr "Zukunftsplan" soll sich sowohl an die ältere, als auch an die junge Generation richten. Bis 2011 wird es in Wien fünf neue Geriatriezentren geben, zudem will Brauner die Wiener Wirtschaft davon überzeugen, auch ältere Arbeitnehmer einzustellen. Hier gebe es "hohes Potential", sagte Brauner.

In Wien gebe es die niedrigste Erwerbsquote der über 60-Jährigen. Dem Fachkräftemangel werde die Maßnahme aber nicht entgegenwirken können, warnte Häupl. Aufholbedarf hätten vor allem die Jungen. Deswegen werde er die verpflichtende Vorschule und die Gesamtschule in den nächsten Jahren durchsetzen, sagte der Bürgermeister.

Das war dann auch wieder ein Zuckerl – zumindest für die rote Wählerklientel. (Marijana Miljković/ DER STANDARD; Printausgabe, 20.10.2007)

  • Die Jungen sollen das neue Schulmodell kennenlernen,
die Alten wieder arbeiten dürfen: Die Wiener Stadtregierung hat Zukunftsfragen beantwortet.
    foto: der standard/ newald

    Die Jungen sollen das neue Schulmodell kennenlernen, die Alten wieder arbeiten dürfen: Die Wiener Stadtregierung hat Zukunftsfragen beantwortet.

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