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Die künstliche Sandsteinhöhle im Hügel Milenka eignete sich für den Bildhauer Stanislav Rolínek perfekt, den Rittern des Blanik eine Gestalt zu geben.
Der Große Blanik, etwa 60 Kilometer südöstlich von Prag, ist so etwas wie der heilige Berg der Tschechen. Die Sage, nach der in seinem Innern der Rest der hussitischen Armee schlummert, kennt hier jeder. Sie besagt, dass ebendiese Ritter dann ans Tageslicht kommen werden, wenn das tschechische Volk in Gefahr ist. Smetana hat diesem besonderen Berg ein Musikstück gewidmet, und ein Stein vom Blanik bildet den symbolischen Grundstein des Prager Nationaltheaters.
Allzu steil ist der Aufstieg nicht, nur kleine Kinder wollten die letzten Meter getragen werden. Bis dahin hatte sie der neu gestaltete Erlebnispfad mit seinen interaktiven Mitmach-Möglichkeiten bei Laune gehalten. Auf dem Gipfel lässt sich ein Imbiss nehmen und der hölzerne Aussichtsturm besteigen, von wo aus man eine herrliche Aussicht in die sanfte mittelböhmische Hügellandschaft hat. Orte, die man in der Ferne erblickt, sind mit Pfeilen markiert.
Die fruchtbare, wald- und wasserreiche Gegend bot sich schon immer zum Siedeln an. Entsprechende Ausgrabungen belegen das. So befinden sich hier oben auf dem Gipfel des Großen Blanik Reste eines keltischen Oppidiums, dessen Geschichte bis in das 5. Jahrhundert v. Chr. zurückreicht. Im Mittelalter soll hier auch eine Burg gestanden haben. Auf dem Kleinen Blanik, er bildet mit dem Großen einen Doppelgipfel, finden sich noch die Reste einer Maria Magdalena geweihten Barockkapelle. Inmitten der Ruine wächst die größte Fichte der Region, der "Mönch".
Schutz vorm Verlaufen
Mit den angrenzenden Bergen und Feuchtgebieten misst das Blanik-Naturschutzgebiet nur etwa 40 Quadratkilometer. Es ist damit das kleinste Schutzgebiet Tschechiens. Trotzdem sollte man die neu gekennzeichneten Wege nicht verlassen, denn groß genug, um sich zu verlaufen, ist es allemal. An besonderen Pflanzen und Tieren hat die Gegend um den Blanik einiges zu bieten, so sind hier Orchideen zu Hause, Fischotter und seltene Schnepfenvögel.
Ein neu markierter Radweg mit einer Gesamtlänge von 27 Kilometern verbindet die sehenswerten Orte um den Berg herum. Immer wieder bieten sich weite Ausblicke hinüber zum Großen und Kleinen Blanik. Alte Bildstöcke und geschmiedete Kreuze säumen den Weg. In Lounovice, dessen wehrhaftes Schloss sich lange Zeit im Besitz des Erzbistums Prag befunden hatte, kann man sich im angrenzenden Restaurant stärken.
Die kleine, weiß getünchte Libouner Rotunde stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und ist ein gutes Beispiel für klare romanische Formensprache. Viele der ortsansässigen Kirchen und Klöster sind im 15. Jahrhundert durch die Hussiten von innen zerstört worden. Stichwort: Bildersturm! Die zweitürmige Dorfkirche von Kondrac mit Kanzel, Altar und Wandmalerei blieb nur deshalb verschont, weil der damalige Pfarrer zu den Hussiten übergelaufen war. Wenn man dem heutigen Pfarrer gut zuredet, dann schließt er die Tür zur Kirche auf. Es lohnt sich, denn Teile der Fresken sind wieder freigelegt. Wer in Kondrac übernachten möchte, findet hier eine modern eingerichtete und sehr gut ausgestattete Herberge, auch Fahrräder lassen sich hier ausleihen.
Vlasims Löwenanteil
Dem Lauf des Flusses Blanice nach Norden folgend, erreicht man nach wenigen Kilometern die Stadt Vlasim, die allerdings schon nicht mehr im Schutzgebiet liegt. Hier lockt das 2005 rekonstruierte Schloss, an dessen Eingangstoren zwei riesige in Stein gehauene böhmische Löwen den Besucher in Empfang nehmen.
An die Schlossanlage grenzt ein großer verwunschener Landschaftspark. Im 19. Jahrhundert war er durch die Fürsten von Auersperg errichtet worden. Dieser Park mit seinen alten Bäumen, den Türmchen, Brücken und Skulpturen gilt als einer der schönsten in ganz Böhmen. Bemerkenswert ist auch ein ringsum mit farbigen Ornamenten bemalter chinesischer Teepavillon. Restauratoren waren gerade dabei, die erhaltene Bausubstanz zu sichern. Die EU hat das touristische Projekt "Ritter des Blanik" umfassend unterstützt. Dafür war es auch höchste Zeit, denn in den Jahren bis zur Wende lag alles hier im Dornröschenschlaf. Heute schlafen im Blanik-Gebiet nur noch die Ritter. (Karen Schröder/Der Standard/Printausgabe/20./21.10.2007)
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