Sex- und Beziehungs-Revolution durch Roboter

20. Oktober 2007, 12:00
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Doktorarbeit stellt These auf, dass Partnerschaft mit künstlicher Intelligenz ab 2050 technisch und juristisch möglich sein wird - Kritiker konstatiert Effekthascherei

Maastricht - Der britische Wissenschaftler David Levy hat in der vergangenen Woche seine Doktorarbeit "Intime Beziehungen mit künstlichen Partnern" an der Universität Maastricht vorgestellt. Die zentrale These der Arbeit: Trends in der Roboterforschung und anderen Gebieten der künstlichen Intelligenz zeigen, dass Roboter in Erscheinung, Funktionalität, Persönlichkeit und emotionalem Ausdruck bereits in einigen Jahrzehnten sehr menschenähnlich sein werden. Dies würde laut den Ansichten Levys soweit führen, dass ab dem Jahr 2050 Sex und sogar Hochzeiten mit Robotern zwar nicht auf der Tagesordnung stehen, aber in technischer und juristischer Hinsicht problemlos möglich sein würden.

Aus Gründen der Akzeptanz vermenschlicht

Cyriacus Schultze, Mitbegründer des ersten deutschen Roboter-Fachgeschäfts Robotstore, sieht in solchen provokanten Prognosen nur reine Effekthascherei. "Ich kann mir zwar vorstellen, dass aufgrund der derzeitigen Entwicklung Roboter in etwa zwanzig Jahren zu Kompagnons des Menschen werden", räumt er ein, jedoch sei damit nicht gemeint, dass Roboter auch als Sexpartner zum Einsatz kommen könnten. "Robotersysteme werden aus Gründen der Akzeptanz in dem Moment vermenschlicht, wo eine Interaktion mit dem Menschen stattfindet", erläutert Schultze.

Als Haustierersatz oder Pflegepersonal vorstellbar

Jedoch gehe der aktuelle Trend eher in Richtung der autonomen Erledigung von Routinearbeiten und in die Entwicklung von Überwachungs- und Sicherheitsrobotern. "Im Bereich der humanoiden Roboter gibt es viele unterschiedliche Vorstellungen und Anforderungen", so der Roboterspezialist weiter. So habe man in eineinhalbjähriger Arbeit einen eigenen Messeroboter entwickelt, der sich völlig autonom fortbewegen und mit Menschen interagieren und kommunizieren kann. Die von Levy präsentierte Prognose für das Jahr 2050 kann der Roboterhändler nicht bestätigen. Der Einsatz von Robotern zum Beispiel als Haustierersatz oder als Pflegepersonal für einsame, ältere Menschen sei bis dahin aber durchaus vorstellbar.

Rechtliche Grundlage fehlt - noch

Für Levy hingegen ist alles nur eine Frage der Zeit. Während Sex mit Robotern in technischer Hinsicht wohl schon bald möglich sein wird, fehlt doch zumindest noch eine rechtliche Grundlage. Ist diese erst einmal geschaffen, so der Forscher, wäre mit einer weiten Verbreitung solcher Phänomene zu rechnen. In seinen künftigen Arbeiten will sich Levy auch verstärkt mit ethischen Fragen beschäftigen, die durch den Umgang mit Robotern für den Menschen entstehen. (pte)

  • In Japan sehen Service- bzw. Pflegeroboter schon jetzt sehr menschlich aus (rechts die Robo-Helferin).
    foto: apa/epa/franck robichon

    In Japan sehen Service- bzw. Pflegeroboter schon jetzt sehr menschlich aus (rechts die Robo-Helferin).

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