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Fragen über Fragen

8. April 2008, 18:47

Die Reihe Malerei und Affekt präsentierte im Dezember Elke Krystufek und Glenn Ligon. Jetzt als Video zu sehen

Der so genannte „Affekt” wird ja gerne als Ausrede dafür herangezogen, aus einer plötzlichen Stimmungsschwankung heraus, den gepflegt zivilisierten Umgang miteinander gröblich unterbrochen zu haben.Wir plädieren dann auf „im Affekt gehandelt” und erbitten „mildernde Umstände”. Es ist eben so: Auch Erregung leitet Verhalten, und Personen zeichnet eine hohe affektive Variabilität aus – das macht sie zu Menschen, ausgestattet mit dem vollen Programm von Lust, Unlust, Begierde, Angst und Wut. Ohne das Ventil „Affekt” jedenfalls würde sich der Verstand rasch um sich selbst bringen. Kaum jemand, der in der Lage ist, akutem oder auch nur dämmerndem Scheitern ausschließlich vernunftgesteuert zu begegnen. Manche sind eben ein bisschen affektlabiler als andere, und dann kann es schon mehr als einmal zu Eruptionen kommen, die für Dritte nicht vorhersehbar waren. Da hilft dann nur noch ducken, oder eben Zahn mit Zahn und Auge mit Auge zu vergelten. Aber Achtung: Der Notwehrexzess kann teuer werden. Und jetzt zu einer Gruppe, der man traditionell ein recht hohes Potenzial an emotionaler Erregbarkeit unterstellt, die zumindest als anfällig für „Stimmungen “gilt: die Künstler. Sie schneiden sich schon einmal ein Ohr ab, nehmen Drogen, die versetzen sich in die komischsten Zustände, umdann ein ganz „unmittelbares” Bild zu machen vom Aufgerieben-Sein in der Großstadt, von den Verheerungen, die Liebe anzurichten im Stande ist, vom Tod. Aber sind die auch wirklich so? Fließen da ungebändigt die Emotionen in Öl auf die Leinwand, reagieren sich die Bildhauer wütend am Granit ab, dichten die Dichter mit offenen Wunden oder setzen die Songwriter ihre Noten direkt aus dem Notstand heraus? Oder ist es nicht etwa so, dass die Künstler völlig affektkontinent sind, ihre Werke kühl kalkulierte Anschläge auf der Betrachter schwache Nerven, oder – aktuell – auf das am Kunstmarkt locker sitzende große Geld? Im MUMOK werden diese stets offenen Fragen mit einer Serie von Künstlergesprächen zwischen Oktober und kommenden Jänner einer Antwort näher gebracht. Den inführungsvortrag zu Malerei, Glaube und Moral hält Gregg Bordowitz. „Besitzt ein Gemälde einen eigenen Willen? Diese Frage scheint absurd, ist aber dennoch berechtigt. Jedes Kunstwerk bringt in gewisser Weise eine eigene Intention zur Geltung, es verführt, es enthält sich, es belohnt und bestraft. Es handelt. Wie ist das möglich? Um diesen Fragen näher zu kommen, werden verschiedene Zugänge betrachtet, wie Malerei den/die Betrachter/in emotional berührt.Weiters soll überlegt werden, wie Gemälde in einer digitalisierten Lebenswelt wahrgenommen werden: Sie werden digital archiviert und sind im Internet verfügbar. In Galerien verwenden wir i-pods, um uns mit eigenen Soundtracks auszustatten. In Museen machen wir mit unseren Handys Schnappschüsse von Gemälden und senden sie an unsere Freunde. Was teilen wir hier mit unseren Freunden? Inwiefern beeinflusst unsere Musikauswahl das, was wir da sehen?“ Man sieht: Fragen

DISKUSSIONSREIHE
Malerei und Affekt Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern jeweils dienstags 19.00 Uhr, 16.10.–11.12.2007
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