Mutmaßlicher kanadischer Missbrauchstäter weist Vorwürfe zurück

22. Oktober 2007, 15:56
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Christopher N. werden zahlreiche sexuelle Missbrauchstaten vorgeworfen - Gesicht aus verzerrten Internet-Bildern rekonstruiert

Die weltweite Suche nach dem mutmaßlichen Kinderschänder Christopher Paul N. aus Kanada ist beendet. Der Mann mit dem Spitznamen "Vico" wurde nach mehr als 350 Hinweisen aus der ganzen Welt am Freitag in Nakhon Ratchasima im Nordosten Thailands festgenommen, wie die thailändische Polizei und Interpol mitteilten.

Christopher N. hat der Polizei zufolge bestritten, Kinder in dem südostasiatischen Land sexuell missbraucht zu haben. Darüber hinaus habe sich der 32-jährige Kanadier bislang nicht weiter geäußert, sagte Polizeivertreter Wimol Powin am Samstag vor Reportern. Ein thailändisches Gericht ordnete derweil an, dass der Mann für weitere Befragungen zunächst für weitere zwölf Tage in Gewahrsam bleibt.

Nach seiner Verhaftung war N. nach Bangkok gebracht worden, wo er in Handschellen der Presse präsentiert wurde. Der Verdächtige versuchte, sein Gesicht hinter einem blauen Hemd zu verbergen, bevor er sich etwa fünf Minuten lang mit einer Sonnenbrille im Gesicht den Fotografen und Kameraleuten zeigte. Nach Angaben des stellvertretenden thailändischen Polizeichefs Wongkot Maneerin drohen dem Kanadier im Falle einer Verurteilung bis zu 20 Jahre Haft.

Fotos veröffentlicht

Am Donnerstag hatte Interpol Fotos des Gesuchten und eine Kopie seines kanadischen Passes auf ihre Website gestellt sowie eine Kopie seiner bei der Ankunft in Thailand am 11. Oktober ausgefüllten Einreisekarte. "Die Tatsache, dass wir an die Öffentlichkeit gegangen sind, brachte den Durchbruch", sagte der Interpol-Beamte Mick Moran am Freitag. Interpol hatte den Mann Anfang der Woche identifiziert und zur Fahndung ausgeschrieben. Grundlage dafür waren rund 200 im Internet entdeckte Bilder des Mannes mit Buben aus Vietnam und Kambodscha ab einem Alter von etwa sechs Jahren.

Der internationalen Polizeibehörde zufolge war der Kanadier als Englischlehrer in Asien tätig gewesen. Er soll mehrere Minderjährige sexuell missbraucht haben. Die thailändische Justiz hatte am Donnerstag aufgrund von Aussagen eines neunjährigen mutmaßlichen Missbrauchsopfers Haftbefehl gegen N. erlassen. Ein 18-Jähriger gab zudem an, vor zwei Jahren von dem Kanadier missbraucht worden zu sein.

Die deutsche Kinderrechtsorganisation ECPAT lobte das Vorgehen der Behörden. Die Polizei habe durch die Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit den richtigen Weg eingeschlagen, sagte Geschäftsführerin Mechthild Maurer am Freitag. In südostasiatischen Ländern wie Kambodscha oder Vietnam habe im Umgang mit pädophilen Tätern ein Umdenken eingesetzt. Lange Haftstrafen zeigten das Interesse der Länder, gegen Kindesmissbrauch vorzugehen. Die Armut in Südostasien bleibt laut ECPAT die größte Hürde für den Kampf gegen das Problem: "Pädosexuelle wissen ganz genau, wo sie Kinder bekommen und wie sie sie ansprechen müssen", sagte Maurer. "Nicht umsonst heißen sie in einigen Gebieten 'Sugar Daddys'." (APA)

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