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22. Oktober 2007, 12:34
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Der Grüne Stadtrat Ellensohn hat eine geförderte Wohnung beantragt - und fühlt sich ungerecht behandelt

Wien - Das macht keinen schlanken Fuß: David Ellensohn (Grüne), nichtamtsführender Stadtrat in Wien und selbsternannter Aufdecker, hat um eine geförderte Wohnung angesucht; bei einem Monatsgehalt von 8000 Euro brutto. Das berichtete die Gratis-Zeitung Heute in ihrer Donnerstags-Ausgabe. Er habe lediglich demonstrieren wollen, wie leicht Reiche in Wien an geförderte Wohnungen kommen können, verteidigt sich Ellensohn. Der Grüne Klub ist ob solcher "Aufdeckeraktivitäten" not amused; zumal sie parteiintern nicht abgesprochen waren. Unmut regt sich allerdings nur hinter vorgehaltener Hand, zitieren lassen will sich in dieser Causa nicht einmal der Grüne Pressesprecher.

Ellensohn selbst fühlt sich ungerecht behandelt. Noch nie in seinem ganzen Leben habe er um Wohnbeihilfe angesucht. Er habe sich lediglich darüber informieren wollen, ob er trotz seines hohen Gehaltes Chancen auf eine geförderte Wohnung in Wien-Hernals habe. "Eine Bekannte hat mir erzählt, dass in ihrem Haus eine geförderte Wohnung frei wird und mir geraten, sie mir doch einmal anzuschauen", sagt der Grüne dreifache Familienvater.

Und da sie perfekt gewesen sei, habe er eben einen Antrag gestellt. Die Immobilienfirma leitete diesen an die MA 50 weiter, die lehnte ab. "Ich musste Unterlagen vorlegen, die andere nicht vorlegen müssen", sagt Ellensohn. Wäre seine Frau nicht Bezirksrätin, hätte die Familie allerdings gute Chancen auf die Wohnung gehabt.

Die Obergrenze für geförderte Wohnungen liegt bei einer fünfköpfigen Familie nämlich bei einem Jahreseinkommen von 65.000 Euro. "Gefühlsmäßig ist das zu hoch, aber wir müssen das parteiintern noch diskutieren", meint der Grüne Stadtrat. (Martina Stemmer, DER STANDARD - Printausgabe, 19. Oktober 2007)

  • David Ellensohn fühlt sich ungerecht behandelt.
    foto: standard/heribert corn

    David Ellensohn fühlt sich ungerecht behandelt.

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