"Für alle jungen Mädchen"

24. Oktober 2007, 13:57
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Der Präsident der Öster­reichischen Krebs­hilfe fordert Auf­nahme in Impf­programm - Sevelda: "Mit Vakzinen könnten 70 Prozent der Erkrankungen verhindert werden"

Wien - Die Österreichische Krebshilfe (ÖKH) lässt nicht locker. "Zum ersten Mal gibt es die Möglichkeit, eine Krebserkrankung wie Gebärmutterhalskrebs durch die HPV-Impfung weitgehend zu vermeiden. Die ÖKH fordert die Aufnahme der Immunisierung in das Impfprogramm für Kinder und damit die kostenlose Impfung aller Mädchen zwischen neun und 14 Jahren", erklärte der Präsident der Vereinigung, der Wiener Gynäkologe Paul Sevelda.

Abstrichuntersuchung - nur 30 Prozent Beteiligung

Der Hintergrund: Fast alle Erkrankungen an Gebärmutterhalskarzinomen sind auf bei den Betroffenen anhaltend bestehende Infektionen mit dem Human Papilloma-Virus (HPV) zurückzuführen. Zwar gibt es in den westlichen Industriestaaten etablierte Früherkennungsprogramme mit Abstrichuntersuchungen. Doch beispielsweise nur elf Prozent der britischen Frauen nehmen daran teil. In Österreich liegt die Beteiligung bei 30 Prozent.

Todesursache Gebärmutterhalskrebs

Das traurige Resultat: Alle 18 Minuten stirbt in Europa eine Frau an Gebärmutterhalskrebs, weltweit sind es pro Jahr 270.000 Todesfälle, in Europa etwa 30.000. In Österreich erkranken pro Jahr etwa 550 Frauen, etwa 180 erliegen der Krankheit. Rund 5.000 Patientinnen bekommen nach der Abstrichuntersuchung einen verdächtigen Krebsbefund und müssen sich einem Eingriff unterziehen. Durch die neuen Vakzine könnten zumindest 70 Prozent der Erkrankungen verhindert werden.

Studien zu Impfstoff

Sevelda: "Seit einem Jahr ist in Österreich der Vierfachimpfstoff Gardasil (Sanofi Pasteur) gegen die humanen Papilloma Virenstämme 6, 11, 16 und 18 zugelassen, seit Oktober 2007 der Zweifachimpfstoff Cervarix (Glaxo Smith Kline) gegen die Stämme 16 und 18. Für beide Impfstoffe gibt es große (...) Studien an mehreren tausenden Frauen, die eindrucksvoll die hohe Wirksamkeit der Impfung zur Vermeidung der HPV 16 und 18 bedingten Krebsvorstufen zeigen konnten. Darüber hinaus haben diese Studien auch zeigen können, dass durch diese Impfung keinerlei klinisch relevanten Nebenwirkungen oder Gefahren aufgetreten sind."

Ministerium: Fachlich unrichtige Aussagen

Der Experte: "Seit Jänner 2007 haben mehrfache Gespräche mit dem Ministerium für Gesundheit und Familie stattgefunden. Doch bisher gibt es keine konkreten Ergebnisse, die zur Hoffnung Anlass geben, dass in absehbarer Zeit die HPV-Impfung allen Frauen und Mädchen zwischen dem neunten und 26. Lebensjahr zu einem sozial verträglichen Preis angeboten werden kann." Es gäbe bloß einige regional begrenzte Initiativen. Das Gesundheitsministerium hätte durch "fachlich unrichtige" Aussagen und Informationen darüber hinaus noch Verunsicherung hervorgerufen.

Aufnahme in Impfprogramm

Sevelda: "Ein Jahr nach der Zulassung des ersten HPV-Impfstoffes in Europa, sechs Monate nach der Gründung der Initiative 'Gebärmutterhalskrebs' und auf der Basis neuester wissenschaftlicher Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit der HPV-Impfung ist es an der Zeit, die konkrete Umsetzung der Impfung in Österreich, einem der reichsten Länder der Welt einzufordern und die öffentliche Hand an die Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung zu erinnern." Man sollte alles unternehmen, um die Gesundheit der Menschen zu gewährleisten. (APA)

  • Der Wiener Gynäkologe Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe
    foto: derstandard.at/simon graf

    Der Wiener Gynäkologe Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe

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