Was hat der neue One-Chef vor?

22. Jänner 2008, 12:12
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Ex-tele.ring-Chef Michael Krammer im STANDARD- Interview: "Kein Sanierungsauftrag zum Jobabbau" - Vorerst kein iPhone bei One

STANDARD: Herr Krammer, sind Sie eine kleine oder eine große Plaudertasche? (Anm.: Bezieht sich auf die One-Werbung für die Plaudertaschen-Tarife)

Krammer: (lacht) Ich bin eine große Plaudertasche, natürlich.

STANDARD: Nicht zuletzt dank Ihrer früheren Tätigkeit als Speckjäger sind unsere Gebühren unter den niedrigsten Europas, die Betreiber-Margen sinken, die fetten Roaminggebühren hat die EU kassiert, und mobiles Breitband ist auch schon fast geschenkt. Ist für Sie am österreichischen Markt überhaupt noch was zu holen?

Krammer: Da sehen Sie, wie schlecht es uns geht (lacht). Gegenüber dem Preisniveau von 2002 sind Mobilfunkpreise auf 60 Prozent gesunken, während Strompreise auf 120 Prozent, der Verbraucherpreisindex auf 110, Löhne auf 111 Prozent gestiegen sind. Wir waren der größte Inflationsdämpfer der letzten Jahre.

Der Mobilfunk ist jetzt in Österreich in der Phase, in der es wertmäßig kaum noch Zuwachs gibt und sich die Unternehmen Umsatz und Profitabilität gegenseitig wegnehmen.

Lange Zeit war es möglich, "cost-based pricing" zu machen (Kosten bestimmen die Preise, Anm.), jetzt machen wir "price-based costing", also die Preise bestimmt der Wettbewerb, und die Kostenstruktur eines Unternehmens muss sich danach ausrichten.

STANDARD: Das klingt jetzt wie die Ankündigung Ihres ersten Sanierungspakets.

Krammer: Nein. Es geht nicht um ein Sanierungspaket, sondern um ein paar Paradigmenwechsel. Ein Beispiel: Alle Mobilfunker gehen bei Angeboten noch ganz stark massenmarktorientiert vor, was auch entsprechende Werbeausgaben nach sich zieht. Die Zukunft ist wesentlich stärkere Marktsegmentierung und darauf abgestimmte Angebote, Werbung und Distribution.

Man kann zum Beispiel den Markt in jugendliche, musikaffine usw. Kunden segmentieren, dann kann man zielgruppendifferenzierende Angebote machen, wie SMS-Pakete oder Musikdownloads. Dann gibt es billigeres und ertragreicheres Zielgruppenmarketing.

STANDARD: Kommen wir auf die Frage zurück: Was können Mitarbeiter erwarten, wenn sich Kosten nach dem erzielbaren Preis richten müssen?

Krammer: Ich habe beim ersten Meeting gesagt: Es geht künftig nicht mehr darum, effizient zu sein, denn man kann in effizienter Weise auch Schwimmwesten aus Beton herstellen. Es geht in Zukunft darum, effektiv zu sein, also nicht die Dinge richtig zu tun, sondern die richtigen Dinge zu tun. Etwa danach zu suchen, wo es Produkte und Services gibt, die wir in Zukunft nicht mehr anbieten müssen.

STANDARD: Die Angebote sollen also simpler werden. Beispiel?

Krammer: Jeder Mobilfunker hat mindestens zwei oder drei Mobile-Office-Lösungen im Programm. Weg damit - eine, aber die dafür richtig und gut.

STANDARD: Und die Auswirkungen auf die Mitarbeiter?

Krammer: Auch das habe ich offen gesagt: Niemand kann sich in dieser Branche hinstellen und eine Arbeitsplatzgarantie auf die nächsten drei Jahre abgeben. Aber es gibt keinen Sanierungsauftrag, um Mitarbeiter abzubauen.

STANDARD: Was bringt es One-Kunden, dass Sie jetzt zu Orange gehören?

Krammer: Die Eigentümerkonstellation 35 Prozent Orange, 65 Prozent Mid Europa (Finanzinvestor, Anm.) ist das Beste zweier Welten. Auf der einen Seite haben wir einen Vertrag mit Orange, wo wir zu Orange-Konditionen Endgeräte, Netze, Content einkaufen können. Diese Konditionen und Auswahl hätten wir als kleiner Stand-alone-Player nie gehabt. Das alles haben wir aber, ohne einem Großkonzern untergeordnet zu sein - Haupteigentümer ist ein Finanzinvestor, und der erlaubt unternehmerisches Arbeiten.

STANDARD: Aber wird Mid Europa seine Anteil nicht später an Orange verkaufen?

Krammer: Das ist eine Perspektive, aber da reden wir über einen Zeitraum von fünf Jahren.

STANDARD: Werden One-Orange-Kunden Preisvorteile beim Datenroaming bekommen?

Krammer: Mein persönliches Ziel ist es, das Thema Datenroaming im Rahmen der Orange-Gruppe für unsere Kunden anzugehen. Soweit irgendwie möglich, werden wir eine Art "roam at home"-Kondition für unsere Kunden schaffen.

STANDARD: Werden Sie dabei schneller als die EU sein?

Krammer: Pffff ... ich werde alles dazu tun.

STANDARD: Was passiert mit der Marke One, für die eine Übergangsfrist von zwölf bis 18 Monaten angekündigt wurde?

Krammer: Wir sehen einen mittelfristigen Vorteil, eine international präsente Marke zu wählen. Beim Übergang müssen wir darauf achten, die kurzfristigen Nachteile beim Wegnehmen einer hervorragend bekannten Marke zu kompensieren, eventuell durch Co-Branding, damit alle Kunden mitgehen. Dafür gibt es mehrere Varianten, die wir jetzt alle prüfen.

STANDARD: Was ist Ihre Schmerzgrenze beim Verlust von Kunden beim Übergang?

Krammer: Es geht kein Kunde verloren. Ganz bestimmt nicht, im Gegenteil. Das muss einhergehen mit klaren Produktvorteilen, damit der Kunde spürt: Es ändert sich was, und zwar zu seinen Gunsten.

STANDARD: Orange wird Apples iPhone vertreiben - bringen Sie es nach Österreich?

Krammer: In den Vorgesprächen war mein Weihnachtswunsch an Orange, dass ich das iPhone bekomme, weil es im Weihnachtsgeschäft ein Garant für 15.000 bis 20.000 Verkäufe ist.

STANDARD: Und geht Ihr Weihnachtswunsch in Erfüllung?

Krammer: Nein.
(Das Gespräch führte Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 18. Oktober 2007)

  • Michael Krammer (47), seit 2. Oktober neuer CEO des drittgrößten heimischen Mobilfunkers One. Zuvor war der frühere Bundesheer-Offizier Telering-CEO, nach dem Verkauf an T-Mobile CEO von E-Plus.

"Wir sind in einer Phase, in der es kaum Zuwachs gibt und sich die Unternehmen Umsatz und Profitabilität wegnehmen."
    foto: standard/urban

    Michael Krammer (47), seit 2. Oktober neuer CEO des drittgrößten heimischen Mobilfunkers One. Zuvor war der frühere Bundesheer-Offizier Telering-CEO, nach dem Verkauf an T-Mobile CEO von E-Plus.

    "Wir sind in einer Phase, in der es kaum Zuwachs gibt und sich die Unternehmen Umsatz und Profitabilität wegnehmen."

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