Anschlag auf heimgekehrte Bhutto

19. Oktober 2007, 18:56
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Mindestens 139 Anhänger der ehemaligen Ministerpräsidentin getötet, hunderte Verletzte - Benazir Bhutto unverletzt - Unruhen in Karachi - Vorwürfe gegen Geheimdienste

Karachi - Die Jubelfeiern anlässlich der Rückkehr der früheren pakistanischen Ministerpräsidentin Benazir Bhutto aus dem Exil wurden am Donnerstagabend zum Blutbad: Bei einem Doppelanschlag auf den Konvoi Bhuttos starben in Karachi mindestens 139 Menschen. Rund 40 der mehr als 500 Verletzten schwebten in Lebensgefahr, hieß es am Freitag in den Krankenhäusern, die um Blutspenden baten. Zunächst explodierte nach ersten Ermittlungen der Polizei eine Granate. Dann habe sich ein Selbstmordattentäter neben dem Konvoi Bhuttos in die Luft gesprengt, so Karachis-Polizeichef.

Der Anschlag ereignete sich während einer Prozession, mit der Bhutto und Hunderttausende Anhänger ihre Heimkehr aus dem Exil feierten. Bhutto selbst kam bei dem Attentat nicht zu Schaden. Sie sei sofort nach den Explosionen in ihre Residenz in Karachi gebracht worden, sagte Polizeichef Azhar Farooqi. An Bhuttos Lastwagen waren lediglich Scheiben zu Bruch gegangen, ein Fahrzeug der Polizeieskorte ging in Flammen auf.

Unruhen in Karachi

Bhuttos Volkspartei PPP erhob schwere Vorwürfe gegen die pakistanischen Geheimdienste; sie hätten versagt, meinte der hochrangige PPP-Funktionär Taj Haider zum Nachrichtensender Dawn. Der Chefermittler in dem Fall, Munawar Mughal, sage: "Wir konzentrieren uns auf einige Beweise, die wir am Tatort gesammelt haben, und auf den Kopf eines mutmaßlichen Selbstmordattentäters."

In mehreren Distrikten Karachis kam es am Freitag zu Unruhen. Der öffentliche Nahverkehr wurde nahezu eingestellt, Schulen blieben geschlossen. Bhutto hält sich nach Angaben Taj Haiders in ihrer Familienresidenz in Karachi auf, um die sich zahlreiche ihrer Anhänger versammelt hätten. Der Parteifunktionär betonte, Bhutto werde sich durch Anschläge nicht vom "Kampf für die Sache der Armen" abhalten lassen.

Ban Ki Moon entsetzt

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich entsetzt über die Anschläge und verurteilte sie zutiefst, wie sein Büro in New York erklärte. Ban rief alle politischen Kräfte in Pakistan dazu auf, die nationale Einheit zu bewahren und zu stärken. Gordon Johndroe, der außenpolitische Sprecher von US-Präsident George W. Bush, betonte, es dürfte Extremisten nicht gestattet werden, freie und demokratische Wahlen in Pakistan zu verhindern. Das Volk müsse über seine Repräsentanten frei entscheiden können. Ähnlich äußerten sich auch die EU-Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel in Lissabon.

Bhuttos Volkspartei kündigt dreitägige Trauer an Indessen hat die Volkspartei (PPP) eine dreitägige Trauer ausgerufen. In dieser Zeit würden die Parteiflaggen in ganz Pakistan auf Halbmast gesetzt und schwarze Flaggen als Zeichen der Trauer gehisst, berichteten pakistanische Medien am Freitag.

Bhutto war am Donnerstagmittag nach acht Jahren im Exil nach Pakistan zurückgekehrt. Die ehemalige Ministerpräsidentin will bei den Wahlen im Jänner als Spitzenkandidaten ihrer Pakistanischen Volkspartei (PPP) antreten. Der Anfang des Monats vom Parlament wiedergewählte Präsident Pervez Musharraf sieht sich einer wachsenden Opposition gegenüber. Zur Stärkung seiner Position führte er mit Bhutto Gespräche über ein mögliches Bündnis. Im Gegenzug erhielt Bhutto die Zusage, dass sie nach ihrer Rückkehr nicht mit einer Strafverfolgung wegen Korruption zu rechnen habe. Die Politikerin genießt nach zwei Regierungszeiten in weiten Teilen der pakistanischen Bevölkerung hohes Ansehen. (APA) (Reuters)

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    Benazir Bhutto wird nach dem Anschlag aus ihrem Fahrzeug in Sicherheit gebracht

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