Zum schönen Wirtshaus

19. Oktober 2007, 17:00
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Die "Schöne Aussicht" in Wien-Heiligenstadt heißt nach Total-Renovierung "Pfarrwirt" - Das Essen ist, dem entsprechend, zum Niederknien

Ein bissl komisch ist es schon, dass ausgerechnet in Döbling, dem Bezirk mit den meisten G'stopften der Stadt, kaum ein nennenswertes Wirtshaus existiert - vom gut gepolsterten Eckel einmal abgesehen. Offenbar tragen die Leute ihr Geld immer noch am Liebsten zum Heurigen, ganz egal wie schwindlig die Qualität des Gebotenen da sein mag. Jetzt ist Hans Schmid, einst Werbe-Tycoon und Verleger, nun Eishockey-Clubpräsident (Vienna Caps) und Grinzing-Winzer (Mayer, Rotes Haus) dabei, beides gründlich zu ändern. Sein "Mayer am Pfarrplatz", wohl der Parade-Heurige des 19. Bezirks, wird bald einer Renovierung unterzogen, die ganz wesentlich auch das betreffen wird, was aus der Küche kommt. Das vis-à-vis gelegene Traditionsgasthaus "Zur schönen Aussicht" ließ er aufwändig rückbauen, seit vergangenem Dienstag hat der massive Uralt-Gasthof als "Pfarrwirt" wieder geöffnet. Die legendäre Veranda mit den riesigen Doppel-Kastenfenstern strahlt in altem, neuen Glanz, im "Prälatenzimmer" wurde fein ziselierter Stuck samt Wandmalerei freigelegt, gleich beim Eingang steht ein musealer Eisschrank und auch sonst ist alles mit enormem Aufwand sehr schön geworden.

Alles Gute unter 50 Euro

Küchenchef ist Alexander Mayer, der zuletzt im Theatercafé sein Talent bewies. Was er an den ersten Tagen auffahren lässt, verschlägt einem den Atem - einerseits, weil's verdammt gut schmeckt, anderseits, weil man sich sorgt, ob er das bei Vollauslastung (120 Plätze plus Garten) wohl auch so hinbekommt: Die umfangreiche Karte reicht von rührenden Tschocherl-Klassikern wie Augsburger mit Rahmfisolen über Bildungsbürger-Ikonen wie Kalbsbutterschnitzel und handfeste Macho-Schmankerl wie gebackene Schweinshaxl-Sulz mit fantastischen Weinbergschnecken und Sauce Remoulade bis zu feingliedrigen französischen Klassikern wie gebratenes Hendl mit frischen Flusskrebsen und hinreißendem Krebsenjus.

Die Weinkarten - eine fürs Inland, die andere für alles, was der Connaisseur sich sonst noch wünschen könnte - wurden von Schmids Weinmacher Willi Balanjuk geschrieben, einem der wohl profundesten Auskenner der Materie. "Ich habe geschaut, dass wir alles Gute unter 50 Euro aus Österreich vereint haben und dazu vieles, was Weinfreaks zu diesem Essen sonst noch Freude machen könnte." Das scheint eindrucksvoll gelungen, insbesondere dem Wiener Wein wurde breiter Platz eingeräumt.

Witzig: Am Sonntag geht's bereits ab zehn Uhr los, damit, so Balanjuk, "der eine oder andere Kirchgänger vielleicht doch im letzten Moment rechts abbiegt und bei uns Erbauung findet". (Severin Corti/Der Standard/rondo/19/10/2007)

Pfarrwirt
Pfarrplatz 5
1190 Wien
Tel.:(01) 370 73 73
Di 18-24, Mi-Sa 11-24, So 10-24 Uhr
VS € 3,90-14,50 HS € 6,50-22
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Koch Alexander Mayer darf aus dem Vollen schöpfen. Die Weinkarte ist ein Kompendium alles Guten zu fairen Preisen.  

Fotos: Gerhard Wasserbauer
    foto: gerhard wasserbauer

    Koch Alexander Mayer darf aus dem Vollen schöpfen. Die Weinkarte ist ein Kompendium alles Guten zu fairen Preisen.

    Fotos: Gerhard Wasserbauer

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