Die glauben, du seist Brot

19. Oktober 2007, 17:00
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Auf Ko Mai treffen sich Tagestouristen aus Europa und China und betrachten Fische. Und auch Ökotourismus hat in Thailand Einzug gehalten

Es gibt pinkrosa, picksüßen Fruchtsaft, weiße Muschelketten und einen kleinen Dschungel, vor dem man sich bei einer Bretterbude Flossen ausborgen kann. Es gibt Korallen zum Durch-die-Hände-Rieseln und diesen prospektweißen Sand in prospekttürkisem Wasser. Aber die chinesischen Freizeitlaunen sind das Schönste auf Ko Mai. In der Bucht freuen sich gelb-blaue Fische und lassen sich in Schwärmen von den wasserweichen Brotstücken nach links und nach vorn und nach rechts verführen.

Die chinesischen Besucher lieben dieses Verhalten und hören stundenlang nicht auf, die Fische zu animieren. Auch die Tiere rund um das winzige Riff vor der Insel Phuket dürften mittlerweile nicht nur das Hongkonger Toastbrot, sondern auch die Füße derer, die es mitbringen, liebgewonnen haben. Jeden Tag steigen diese Füße aus den Zubringerschiffen und waten - weiter oben haben die Besucher Schwimmwesten an - die paar Meter an Land.

Aus Fischsicht gibt es hier wohl zwei Kategorien von Touristen: die mit dem Essen und die, die jene mit dem Essen fotografieren. Aus Menschensicht gibt es hier zwei Arten von Fischen, jene, die sich mit dem Toast begnügen, und die anderen. "Die glauben, du seist Brot", erklärt ein Besucher einer Touristin, die nach einer Fischbegegnung zum Liegestuhl flieht. Vor Ko Mai in einen Fischschwarm hineinzuschwimmen ist ein bisschen wie Geisterbahn, weil man nicht abschätzen kann, wo es gleich zwicken wird, aber Geisterbahn im Paradies.

Vor der ersten Liegestuhlreihe befindet sich der Ko Maier Laufsteg. Zumindest bewegen sich die Menschen hier wie Models. Heute sehen wir in Gold eingewickelte Haarsträhnchen, schillernden Strass am Badezeug und wollene Raver-Mützchen bei 35 Grad. Erzählt wird auf dieser Bühne die Geschichte eines neuen chinesischen Mittelstands, der es sich leisten kann, in Thailand zu urlauben und weiß, was in Tokio gerade schick ist.

Ko Mai ist ein Ort, wo sich Europäer und Chinesen sehr entspannt sehr nahe sind. Weil Fischeschauen im großen Ozean verbindet. Wer hierher kommt, ist mit einem dieser gischtspritzenden Schiffe an anderen begrünten Inseln vorbeigefahren und hat die Geschwindigkeit bei jedem Aufknallen auf das Wasser gespürt. Und das war schon sehr lustig. In den Erinnerungen bleiben auch das durchsichtige Meer und die orangen Streifen der Fische, die aber doch gelblicher sind als dieser Seidenpolster im D2 und das Mönchskleid in dem Tempel in Chiang Mai im Norden Thailands.

Das D2 ist ein Hotel in Chiang Mai, wo sich das Orange nicht nur in den Gästezimmern mit einem satten Braun abwechselt. Die Dusche ist groß genug für mindestens vier Personen und steht als Glasquader in den Raum hinein. Wer will, kann aber auch im Dunklen duschen und die Jalousien zuziehen. Dann entgeht ihm aber der Blick auf den Nachtmarkt, wo man auf zwei Etagen so ziemlich alles, was an Markenware imitiert wird, kaufen kann. Weiters bekommt man gebratene Hendlhaxen und Mode für Globalisierungskritiker.

Im Wat Phra Sing, einem Tempel im Westen der Innenstadt, zählt man dann stundenlang die goldenen Buddhas, bis die Mönche kommen, leise, zuerst die jungen, manche sind nicht älter als sieben Jahre. Sie knien nieder, bewegen ihre Oberkörper nach vorn, die Handflächen berühren den Boden. Dann beginnt einer zu singen. Ein Hund kommt in den Wat, er wird mit einer sanften, aber bestimmten Geste hinausgewiesen. Das Singen der Stimmen wird eindringlicher und der große Buddha ganz vorn beginnt so richtig zu lächeln. Chiang Mai ist voller solcher Wats. Ein paar Drachen bewachen draußen vor dem Eingang in den Tempelbezirk das viele Orange und Gold und die Ruhe, die sich nach dem Singen der Mönche einstellt.

Den thailändischen Elefantenführer hat diese Ruhe noch nicht ergriffen. Er sitzt mitten auf den Haarborsten auf dem Kopf seines Tieres und wippt ungeduldig auf und nieder, so als könnte er den Elefanten damit antreiben. Die Borsten rühren sich gar nicht, wenn der Elefant sich bewegt - obwohl bewegen ohnehin nicht das richtige Wort ist, denn Elefanten schaukeln.

Zum Beispiel schaukeln sie Touristen in einem Dorf, ein paar Kilometer außerhalb von Chiang Mai. Wenn der Elefant seinen Fuß in die Höhe hebt, ist der Mensch gut beraten, die Eisenstange des Tragekorbs zu ergreifen, in dem er sitzt. Denn dann kippt der Elefant etwa einen halben Meter nach vorn rechts und gleich darauf einen halben Meter nach hinten links.

Nach einer Weile, bei dem Feld, in dem der Reis in strengen Reihen hellgrün steht, auf dem roten Lehmpfad, gewöhnt man sich an das Schaukeln. Über dem Wald liegt ein Film aus weißem Dampf. Die Blätter wuchern in alle Richtungen, und Schlingpflanzen winden sich um die Bäume. Alles Grün ist miteinander verstrickt und ab und zu blinken orange Blüten heraus.

Die Vertreter des thailändischen Tourismusverbandes haben längst die Worte "Ökotourismus" und "Nachhaltigkeit" gelernt, sie wollen Touristen mit viel Geld und Verantwortungsgefühl. An der burmesischen Grenze im Norden Thailands gibt es ein entsprechendes Angebot. In der Provinz Chiang Rai, wo ethnische Minderheiten wie die Shan oder Karen leben, hat die mittlerweile verstorbene Königsmutter in den 1980er-Jahren das Entwicklungsprojekt Doi Tung aufgebaut. Ziel war es, die Menschen vom Opiumanbau abzubringen, ihnen andere Einkommensmöglichkeiten zu bieten, den Wald aufzuforsten und Bildung zu bieten.

Zu Doi Tung gehören auch eine Hotelanlage und ein Museum zum Thema Opium. Die Mae-Fah-Luang-Stiftung, was übersetzt "Königsmutter aus dem Himmel" heißt, liegt auf 1000 Meter Seehöhe. Die Königsmutter Sangwan kam nämlich gewöhnlich mit dem Helikopter hierher, weil es keine Straßen gab.

Heute gibt es nicht nur Straßen, sondern eine Weberei mit angeschlossenem Verkaufsladen, Nuss- und Kaffeeplantagen und eine Papierschöpfanlage. Die Projektleiterin Pimpan Diskul Na Ayudhya führt vor, wie die Baumrinde zu Papier verarbeitet wird. "Wenn du Menschen eine Chance geben willst, musst du ihnen Wahlmöglichkeiten bieten", sagt sie. Nicht nur auf thailändischen Flughäfen kann man die Doi-Tung-Läden entdecken, auch auf der Mailänder Fair- Trade-Messe Macef sind die Produkte aus dem Dschungel zu bekommen. (Adelheid Wölfl/Der Standard/RONDO/19.10.2007)

Anreise:
Flug von Wien nach Bangkok mit Austrian Airlines
oder mit Thai Airways (vom 25. März bis 27. Oktober) ab Frankfurt oder München. Flug nach Chiang Rai zum Beispiel mit Thai Airways

Unterkunft:
Im Dusit Thani in Bangkok hat sogar der Bademantel ein eigenes Zimmer.
In Chiang Rai kann man in dem Hotel des Doi-Tung-Projektes übernachten
Das D2 in Chiang Mai hat ein ziemlich elegantes Spa, Türsteher mit orangen Hosenträgern und einen Pool

Allgemeine Info:
Fremdenverkehrsamt TAT


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    Einer der vielen Tempel von Chiang Mai. Hier kann man die Mönche beim Gebet sehen, manche von ihnen sind noch Kinder.

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    Das Safrangelb ihrer Kutten findet sich im ganzen Land,

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    auf den Dächern der Schreine, bei den Sonnenuntergängen an der Küste und an Pflanzen und Blumen.

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    Der Nachtmarkt von Chiang Mai.

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