Trübe Erinnerungen

22. Oktober 2007, 16:48
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Die Melancholie und Tristesse, die über Norbert Schwontkowskis Malerei liegt, gleicht dickstem, suppigem Novembernebel

... der nur müde Tropfen allerschmutzigsten Sonnenlichts durchlässt. Eine seltsame Wirkung, die sogar in seinen mit Menschen gefüllten Bildern, den Eindruck von Leere hinterlässt, etwas, das mehr der Erinnerung an Menschen gleicht.

Gut, dass die lichten Räume der Galerie Thoman die depressive Wirkung von Schwontkowskis Bildern abmildern. Der 1949 in Bremen geborene Künstler, der im Mai in der Stadtgalerie Schwaz zu sehen war, setzt seine Figuren in den nassen, aus Leinöl, Pigmenten, Metalloxyden, Wasser, Knochenleim und Binderfarben gemischten Malgrund. Eine Substanz, die die Kargheit der Kompositionen unterstreicht und obendrein, durch den weitergreifenden chemischen Prozess mit der Zeit die Farben verändert.

Dolores heißt das der Ausstellung den Titel gebende Rückenporträt einer Frau vor diffusen grauen Schattierungen. Es bleibt genauso rätselhaft wie jene Bilder, in denen Schwontkowski ostasiatische Bildformen zitiert oder seine Vorliebe für Lampen-, Laternen- oder Kerzenmotive offensichtlich wird. Auch Heiterkeit und Witz, die einigen Betrachtern in Schwontkowskis Bildwelten begegnet sein sollen, bleiben eine Illusion. Oder aber es ist jene heitere Note gemeint, die Schiffbrüchige kurz vor dem Verdursten übermannt. (kafe/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.10.2007)

Galerie Thoman, Maria-Theresien-Straße 34, 6020 Innsbruck. Bis 17. 11.

Link: www.kunstnet.at/thoman

  • In "Prozes-sion" (2007) zeigt sich Schwontkowskis Vorliebe für Lampen, Laternen und Kerzen, die er in meist melancholisch-spukhafter Umgebung zeigt.
    foto: galerie thoman

    In "Prozes-sion" (2007) zeigt sich Schwontkowskis Vorliebe für Lampen, Laternen und Kerzen, die er in meist melancholisch-spukhafter Umgebung zeigt.

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