Millionenregen in London

22. Oktober 2007, 16:48
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Vom Ansturm auf zeitgenössische Kunst profitierten vergangene Woche auch die Auktionshäuser in London

Innerhalb von fünf Tagen reichte man Kunstwerke im Wert von umgerechnet 164,77 Millionen Euro weiter.


London - Ungebrochen ist der Run auf Zeitgenössisches. Nicht nur in New York, auch in Europa. Die vergangene Woche in London erzielten Bilanzen belegen dies deutlich. Zwar hat die europäische Kunstmarktmetropole mit einem weltweiten Umsatzanteil von knapp 27 Prozent an Amerika und China verloren, in Europa ist man mit einem Anteil von satten 58,7 Prozent aber führend geblieben.

Die höchsten Zuschläge liefert mehrheitlich die USA, so auch zum Halbjahr 2007: 72,84 Millionen Dollar (51,36 Mio. Euro) brachte Mark Rothko's White Center von 1950 im Mai in New York, in London führt ein Francis-Bacon-Selbstporträt von 1978 mit 21,58 Millionen Pfund (30,95 Mio. Euro) die Liste der zehn höchsten Zuschläge an. Beide Spitzenergebnisse kamen in Auktionssälen von Sotheby's zustande. Und auf Bestseller Bacon war auch aktuell Verlass.

Allein zwischen 1997 und 2005 stieg der statistische Wert seiner Arbeiten um 175 Prozent, 60 Prozent des Anstiegs entfielen allein auf die Saison 2004/2005. Aktuell hatten sowohl Christie's als auch Sotheby's das baconsche Zugpferd gesattelt. Vorweg, beide Anbieter mussten die Maximumerwartungen der Experten des Departments leicht revidieren.

Das aus dem Besitz des Royal College of Art stammende Study from the Human Body war mit einer Taxe von sieben bis neun Millionen Pfund ins Rennen gegangen - bei etwas mehr als acht Millionen inklusive "buyers premium" fiel die Zielflagge.

Sotheby's reichte seine Studies of Isabel Rawsthorne für 1,81 Millionen Pfund an den amerikanischen Handel weiter - und der wird angesichts des Bacon-Hypes in den USA damit noch ein stattliches Sümmchen verdienen können, auch wenn es sich nicht um eine der wichtigsten Arbeiten handeln mag. Der vorläufige Künstlerrekord liegt bei 52,68 Millionen Dollar, die Sotheby's Mitte Mai in New York für sein Study after Pope Innocent X (1962) erreichten.

Übliche Anwärter

Abseits der üblichen Anwärter brachten die Evening Sales auch neue Rekordkandidaten hervor: Sotheby's Yue Minjuns Execution, für das ein privater Sammler mit 2,93 Millionen Pfund den bislang höchsten Auktionserlös für den Künstler bewilligte. Ebenfalls in Privatbesitz wechselte Raqib Shaws Garden of Earthly Delights III, für das 2003 ausgeführte Triptychon fiel der Hammer bei stolzen 2,7 Millionen Pfund.

Bislang verzeichnet die amerikanische Kunstpreisdatenbank "Artprice" nur acht Ergebnisse für den in Kaschmir geborenen Zeitgenossen. Der bisherige Rekord lag bei 120.000 Dollar, in der Vergleichswährung also bei schlappen 60.600 Pfund, die Sotheby's Mitte Mai in New York erzielte. Unter den zehn höchsten Zuschlägen bei Christie's glänzte nur ein neuer Rekord, in der Kategorie teuerstes Möbelobjekt eines zeitgenössischen Designers: Marc Newsons Lockheed Lounge, für die der Hammer erst bei umgerechnet etwas mehr als eine Million Euro fiel.

Die finalen Bilanzen: Phillips de Pury spielte 41,92 Mio. Pfund ein, Christies freute sich mit 66,56 Mio. Pfund über ein höheres Einspielergebnis als erwartet (50 Mio. Pfund), Sotheby's erreichte seine Vorgabe mit 66,25 Mio. (68 Mio. Pfund) annähernd. Noch nie waren die Ergebnisse der führenden Londoner Platzhirschen so ähnlich, der Unterschied beträgt gerade einmal 210.000 Pfund. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.10.2007)

  • Für den Künstlerrekord von umgerechnet 3,88 Millionen Euro wechselte Raqib Shaws Garden of Earthly Delights III in Privatbesitz.
    foto: sothebys

    Für den Künstlerrekord von umgerechnet 3,88 Millionen Euro wechselte Raqib Shaws Garden of Earthly Delights III in Privatbesitz.

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