Alles nicht so schlimm

17. Oktober 2007, 14:02
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Wie ist die Stimmung in Zeiten der großen Krise? Eugen Egetenmeir und Roger Barris im STANDARD-Interview

Mit Eugen Egetenmeir, dem Geschäftsführer der Messe München, und Roger Barris, dem Europachef von Merrill Lynch Global Principal Investment (GPI), sprach Gerhard Rodler.

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STANDARD: Ist in der Immobilienbranche die Krise ausgebrochen?

Barris: Es gibt keine Immobilienkrise. Was wir haben, ist eine Finanzkrise! Probleme mit internationaler Bedeutung gibt es nur bei Finanzinstituten, nicht jedoch bei den Unternehmen mit Kerngeschäft Immobilien. Nach wie vor gibt es sehr viel Kapital, das zur Veranlagung in Immobilien bestimmt ist. Die Preise waren in den letzten Monaten etwas überzogen. Nun haben sie sich wieder normalisiert.

STANDARD: Es werden heute weniger Immobilien verkauft als vor ein paar Monaten. Warum?

Barris: Weil die Käufer warten, bis die Preise noch weiter fallen. Sie wollen bei ihren Preisvorstellungen nicht weiter nachgeben. Ich gehe davon aus, dass dies bis zum Jahresende so bleibt. Wir werden heuer ein sehr ruhiges Restjahr erleben.

STANDARD: Ist damit ein Einknick bei der Expo Real verbunden?

Egetenmeir: Davon war heuer noch nichts zu bemerken. Die Zahl der Aussteller ist gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent auf mehr als 1800 gestiegen, aus dem Ausland betrug das Wachstum sogar zwanzig Prozent! Stark vertreten waren heuer Länder wie Indien, Indonesien, Island, Japan, Kanada, die Türkei oder etwa Tunesien. Was man jedoch merkt, ist, dass in wirtschaftlich anspruchsvolleren Zeiten genauer überlegt wird, wofür man das Geld ausgibt.

STANDARD: In einigen europä-ischen Hauptstädten gibt es neue Immobilienmessen - und damit neue Konkurrenten. Ich denke da nur an die Real Vienna. Werden Sie sich künftig anders positionieren?

Egetenmeir: Dazu sehen wir keine Veranlassung. Die Real Vienna konzentriert sich vor allem auf Ost- und Südosteuropa. Wenn Sie sich auf unserer Expo Real umsehen, werden Sie erkennen, dass es hier mehr Aussteller aus dieser Region gibt als in Wien. Wir gehen davon aus, dass die Entscheidung aufgrund der bisherigen Erfolge für uns fallen wird. Wir sind eine der beiden europäischen Leitmessen in puncto Immobilien.

STANDARD: Wie wird der Erfolg der Expo Real gemessen? Klassische Messeumsätze gibt es ja bei Gewerbeimmobilien nicht.

Egetenmeir: Wir messen den Erfolg dadurch, dass die Aussteller im nächsten Jahr wiederkommen werden. Und das tun sie nur, wenn es langfristig sinnvoll ist, hier zu sein. Immobilienmessen sind in erster Linie eine Netzwerkplattform, auf der Kontakte geknüpft werden.

STANDARD: Es fällt auf, dass auf den Messen immer weniger Unternehmen und immer mehr Regionen ausstellen. Woher kommt dieser Trend?

Egetenmeir: Das ist ein Trend, den wir bewusst forcieren. Investoren suchen ja in erster Linie meist eine bestimmte Region, erst in zweiter Linie geht es um konkrete Angebote. Durch Gruppenausstellungen von Regionen wird diesem Bedarf am besten entsprochen.

STANDARD: Welche Region würde Sie im Augenblick als riskant einstufen?

Barris: Das hängt von der Entwicklung der Gesamtwirtschaft, insbesondere in den USA und Großbritannien ab. Aber ich kann beruhigen: Ein Überschwappen der US-Immobilienfinanzkrise nach Europa ist nicht absehbar. Am ehesten könnte ich mir noch vorstellen, dass Großbritannien Schaden davontragen wird.

STANDARD: Wird die aktuelle Finanzkrise der Immobilienwirtschaft mittelfristig schaden?

Barris: Ich gehe davon aus, dass sich die Zinsen auf dem heutigen Niveau stabilisieren werden. Etablierte Immobilienunternehmen und gute Immobilienprojekte halten derartige Schwankungen aus. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.10.2007)

  • Roger Barris (li.) und Eugen Egetenmeir: "Von der Krise merkt man nicht viel. Nach wie vor gibt es sehr viel Kapital, das zur Veranlagung in Immobilien bestimmt ist."
    foto: messe münchen

    Roger Barris (li.) und Eugen Egetenmeir: "Von der Krise merkt man nicht viel. Nach wie vor gibt es sehr viel Kapital, das zur Veranlagung in Immobilien bestimmt ist."

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