Geistesblitz: Hohepriesterin des Hightech

16. Oktober 2007, 22:12
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Die Unternehmerin und Wissenschafts- Kommunikatorin Margit Malatschnik informiert und vernetzt

"Kinder spielen mit dem Handy oder dem Gameboy und wissen eigentlich nicht, was drin ist." Das Interesse für die "kreative Welt der Technik" möglichst früh zu wecken ist eine der Triebfedern für Margit Malatschnik. Die Wissenschaftskommunikatorin, die sich der Verankerung von Hightech im österreichischen Selbstbewusstsein verschrieben hat, wurde im Rahmen des Förderprogramms FEMtech des Infrastrukturministeriums (BMVIT) zur "Expertin des Monats" Oktober gekürt.

Mit ihrer 2005 gegründeten Firma "Techkonnex - Hightech Promotion" geht es ihr nicht nur darum, Unternehmer über Nanotechnologie, Mikrosystemtechnik und Biotech zu informieren und mit Forschungseinrichtungen zu vernetzen, sondern durch Lehrer-Schulung letztendlich die Jüngsten ("die Keimzellen zukünftiger Innovationen") zu erreichen und davon zu überzeugen, wie wichtig das Wissen um komplexe Hochtechnologien für den Alltag ist und sein wird.

Als sie selbst ein Kind war, hat die 1962 in Bruck an der Mur geborene Wirtschaftsingenieurin am liebsten mit Matador gespielt - und damit den Grundstein für ihre Laufbahn gelegt. Aus dem Antrieb heraus, ihr eigenes Geld zu verdienen, ging sie nach der Pflichtschule auf Lehrstellensuche und entschied sich für "Technischer Zeichner Maschinenbau". Nach Abschluss der Lehre blieb sie bei den Vereinigten Edelstahlwerken Kapfenberg, dem späteren Böhlerit, und war bei der computerunterstützten Werkzeugentwicklung und -konstruktion vorn dabei.

"Technik ist eine Herausforderung des kreativen Potenzials", erklärt Malatschnik ihre Begeisterung für Herstellungsverfahren wie das Programmieren von Präzisionsfräsmaschinen. Auch dass sie im Jahr 1981 ein Ansuchen an die hiesige Handelskammer richten musste, ob es denn als Frau möglich wäre, den berufsbegleitenden Werkmeisterlehrgang Maschinenbau zu besuchen, konnte sie nicht abschrecken.

Erste und einzige Frau

"Ich war die erste und einzige Frau in diesem Lehrgang. Im ersten Jahr war ich die einzige mit lauter Einsern. Im zweiten Jahr schlossen viele auf einmal mit Auszeichnung ab", vermutet Malatschnik, dass sie einige Kollegen zu mehr Engagement anstacheln konnte. Es folgten die Studienberechtigungsprüfung und die - ausgezeichnete - Absolvierung des Studienlehrgangs Wirtschaftsingenieur an der Fachhochschule Wiener Neustadt, wo sie auf die neuen Hochtechnologien stieß.

Bei der Arbeit an einer Studie zur Verbreitung von Mikrosystemtechnik in österreichischen Unternehmen stellte sich heraus, wie gering der Wissensstand über und die Scheu vor Hightech war. Seitdem ist Malatschnig, die sich als "spirituell" bezeichnet und nach jahrelanger Computerarbeit in Forschung und Entwicklung "das Zwischenmenschliche" suchte, erpicht, Österreich zu einem Hightech-Land zu machen. Mit Fachveranstaltungen, Workshops und Kongressen tingelt sie durchs Land, um über das Potenzial und die Chancen von Mikro- und Nanotechnologien zu informieren.

"Im gegenseitigen Kennenlernen bahnen sich Kooperationen an", ist die 45-jährige Steirerin mit Lebensmittelpunkt in Wien überzeugt, dass es darum geht, Vertrauen zu schaffen. Sie selbst ist "immer wieder verblüfft", wie Innovationen, wie etwa Zahnimplantate zur automatischen Medikamentenabgabe, die Lebensqualität steigern können. (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2007)

  • Die Wirtschaftsingenieurin Margit Malatschnik ist "Expertin des Monats".
    foto:der standard/ techkonnex

    Die Wirtschaftsingenieurin Margit Malatschnik ist "Expertin des Monats".

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