Ein Sensor für Herausforderungen

16. Oktober 2007, 21:08
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Das Linzer Unternehmen Nanoident gewann den "Entrepreneur of the Year Award" - der Firmengründer Klaus Schröter im STANDARD-Interview

Das Linzer Unternehmen Nanoident gewann in der Kategorie Start-ups den "Entrepreneur of the Year Award" von Ernst & Young. Margarete Endl sprach mit Firmengründer Klaus Schröter über die Forschung und den österreichischen Umgang mit Privatheit.

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STANDARD: Was macht Nano- ident?

Schröter: Wir drucken Halbleitersensoren. Wir arbeiten mit konjugierten Polymeren. Das sind flüssige Kunststoffe, die halbleitende Eigenschaften haben - vergleichbar mit Silizium, dem Grundbaustein der Computerchips. Das Fläschchen mit der orangefarbenen Flüssigkeit, das Sie in der Hand halten, reicht für 5000 Quadratmeter gedruckte Fläche.

STANDARD: Woraus wird die Flüssigkeit erzeugt?

Schröter: Die Grundmaterialien stellen Chemieunternehmen her. Wir formen sie um und mischen sie so zusammen, dass sie durch die feinen Düsen eines Inkjetdruckers passen und homogene Oberflächen erzeugen. Die Materialien werden in sehr dünnen Schichten aufgetragen. Sie sind hundert Nanomillimeter dick - 500-mal dünner als ein menschliches Haar. Wir drucken mehrere Schichten übereinander. Daraus entstehen, je nach Art der verwendeten Materialien, unterschiedliche elektronische Bauelemente. Sie können für Displays oder Sensoren eingesetzt werden, aber auch für organische Solarzellen.

STANDARD: Welche Vorteile hat Ihrer Ansicht nach gedruckte Elektronik im Vergleich zu Chips aus Silizium?

Schröter: Gedruckte Elektronik ermöglicht neue Anwendungen: großflächige Bauelemente zu realisieren und auf unterschiedliche Materialien, etwa biegsame Folien, zu drucken. Die Herstellung ist außerdem viel billiger.

STANDARD: Wo werden Ihre Produkte verwendet?

Schröter: Wir stellen biologische und chemische Sensoren für den Umweltschutz, die Sicherheit und die medizinische Diagnostik her. Unser US-Tochterunternehmen Bio- ident bietet Tests an, um chemische und bakteriologische Verunreinigungen in Lebensmitteln und Trinkwasser aufzuspüren. Oder biologische und chemische Kampfstoffe zu erkennen. Das ist Hochsicherheitsforschung für das US-Militär, die wir mit einem US-Partner machen.

Im diagnostischen Anwendungsfall verhält sich das folgendermaßen: Mit dem Labor-auf-einem-Chip kann man vor Ort Blut testen und sofort erkennen, ob jemand Grippe oder nur eine Erkältung hat - oder ob jemand HIV-positiv ist. Ein weiterer Bereich ist Biometrie. Wir arbeiten daran, mehrere Merkmale einer Person gleichzeitig zu erfassen, etwa Gesicht und Iris oder Fingerabdruck und die Blutbahnen und Gewebestruktur des Fingers. Das macht die Identifizierung sicherer.

STANDARD: Good-bye Privacy - wie nicht nur das Ars Electronica Festival heuer feststellte.

Schröter: Wir nehmen Privatheit - Datenschutz und Datensicherheit - sehr ernst. Bei den von den USA forcierten elektronischen Ausweisen ist eine Chipkarte mit biometrischen Daten in einem Papierausweis integriert. Die Amerikaner speichern diese Daten nicht nur im Chip, sondern in großen Datenbanken. Die Gefahr ist, dass solche Datenbanken nicht kontrollierbar sind. Amerikaner sind bei persönlichen Daten nicht so sensibel. Deutschland und Österreich haben eine andere Geschichte und deswegen mehr Verständnis für Datenschutz.

STANDARD: Was machen Sie anders?

Schröter: Wir integrieren Sensorik in eine Chipkarte. Dann besteht keine Notwendigkeit, die biometrischen Daten aus der Karte herauszulesen. Die Datenschutzbeauftragen in Deutschland sind von unserer Technologie begeistert. Ich möchte nicht in einem Überwachungsstaat leben. Vieles, was unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung gemacht wird, halte ich für sehr bedenklich.

STANDARD: Bekommen Sie in Österreich eigentlich genügend qualifizierte Leute für Ihre Arbeit?

Schröter: Das ist ein echtes Problem. Es gibt nicht genügend Elektroniker. Dazu kommt das zweite Problem: Wir kriegen wegen der Zuwanderungsbestimmungen keine Spezialisten aus dem nichteuropäischen Ausland. Wir haben für Leute aus den USA ein halbes Jahr mit den Behörden gefightet. Für hochqualifizierte Leute, die bei der NASA Kameraentwicklung machten.

STANDARD: Darüber, aber auch über die Entwicklungen von Nanoident gibt es keine Medienberichte. Warum agieren Sie unterhalb der Wahrnehmungsgrenze?

Schröter: Weil wir nicht die Endnutzer ansprechen. Unser Marketing ist Business-to-Business-Kommunikation. Sie werden den Namen Nanoident nie auf einem Produkt sehen. Unsere Partner vermarkten die Technologie unter ihrem Namen.

STANDARD: Ihre Zukunftsvision?

Schröter: Wir stehen am Beginn einer neuen Halbleiterindustrie. Bei gedruckten Halbleitersensoren sehen Investoren das Unternehmen schon als ein zweites Intel - wie Intel vor vierzig Jahren. Eine große Herausforderung - die größte, seit ich unternehmerisch tätig bin. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2007)

Zur Person
Klaus Schröter (54) stammt aus Bayern und lebte insgesamt dreißig Jahre in Berlin, mit Zwischenstationen in Frankreich, Taiwan und den USA. Er studierte Elektronik und ist seit 25 Jahren als Manager und Unternehmer tätig. 2004 gründete er das Unternehmen Nanoident in Linz, seit Anfang des Jahres läuft die Produktion.

Im September erhielt die US-Tochter Bioident den Technologie-Innovationspreis 2007 der Zeitung Wall Street Journal in der Kategorie Halbleiter für ein Gerät, das die Entdeckung chemischer biologischer Erreger ohne Analyse im Labor ermöglicht. Schröter, der von sich behauptet, etwa 80 Stunden in der Woche zu arbeiten, hat ein ausgeprägtes Faible für moderne Kunst, Design und Mode. (me)
  • Klaus Schröter, Gründer des Linzer Unternehmens Nanoident.
    foto: nanoident

    Klaus Schröter, Gründer des Linzer Unternehmens Nanoident.

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