"Midsummer Madness": Auf dem Holzweg durch Lettland

Die Filmkomödie scheitert trotz heimischer Starbesetzung

Wien - Es gibt viele Wege, ein Land zu erkunden. Midsummer Madness, eine österreichisch-britisch-lettische Koproduktion unter der Regie von Alexander Hahn, bietet fünf Routen an, die alle in den kleinen baltischen Staat Lettland führen, und keine davon möchte gewöhnlicher Natur sein. Ein junger Mann sucht seine verschollene Halbschwester, ein etwas zwielichtiges Duo einen Geschäftsabschluss; eine Frau will ihren Eltern ihren neuen japanischen Lover vorstellen, eine andere ihren Mann begraben - aber eigentlich in Litauen.

Anders als in neueren Filmen aus osteuropäischen Ländern, in denen längst (durchaus auch humoristisch) die jeweilige Vergangenheit aufgerollt wird, ist der Osten in der (west-)europäischen Mainstreamkomödie immer noch ein zeitloser Tummelplatz für exzentrisches Volk. Die Taxler fahren alle schwarz, in weiträumigen Limousinen. Die Bestattungsunternehmer sind heimliche Dichter, und Geschäfte werden mit vollem Körpereinsatz abgewickelt.

Nur wenig wird hier also das Andere entdeckt, eher sind es die eigenen Stereotype von der Fremde, die in kulinarischer Form dargeboten werden. Dem könnte man zwar entgegen, dass das jede Komödie in Maßen tut, doch so unoriginell wie hier wurde auf diesem Prinzip schon lange nicht mehr beharrt.

Womit man bei der Produktionsidee und vermutlich dem eigentlichen Problem dieses Films wäre: Eine Reihe von durchaus verdienten österreichischen und internationalen Schauspielern (u. a. Tobias Moretti, Birgit Minichmayr, Detlev Buck, Dominique Pinon) auf verschiedene Erzählstränge aufzuteilen, um damit die internationale Rentabilität zu sichern, ist zumindest noch eine durchschaubare Strategie. Warum man für ebendiese Darsteller dann allerdings nur Figuren übrig hat, die aus sattsam bekannten Klischees zusammengesetzt sind, und warum man sie in Szenen verheizt, die die abgestandene Komik von gespielten Witzen verbreiten, das versteht man schon viel weniger.

Die kürzeste Nacht im Jahr, in der ein jeder schlussendlich ein anderes Ziel ansteuert, als er oder sie im Sinn hatte, sie wird in Midsummer Madness tatsächlich zur Begegnung mit all den folkloristischen Wiedergängern, die man in der komischen Annäherung an den Wilden Osten überwunden glaubte. (Dominik Kamalzadeh/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 10. 2007)

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21 Postings
Köstlich amüsiert

Ich hab mich sehr amüsiert über diesen Film. Sicher nicht jedermanns Sache, unbedingt die O-Version ansehen!!!

es gibt nur drei filme, bei denen ich

das kino verlassen habe und dieser ist einer davon. nicht aus protest. einfach weil sogar nasebohrend eine kahle wand anschauen herzerfrischender ist.

Kult!

Geniale Komödie im Trashstil der 70er Jahre! Frisch und kraftvoll. Ein Kinoerlebnis der besonderen Art. Must see!!!

Einziges Highlight: Roland Düringer

Ein Film der zwar ein Film ist, allerdings ein sehr schlechter. Verschieden Handlungen diverser Personen die die Midsommernacht in Lettland verbringen. Das war es dann auch schon was es zu sagen gibt über diesen Film.
Diesen Film sollte man gesehen haben...
Wenn:
...sonst sämtliche TV-Stationen außer Betrieb sind.
...man an Durchfall leidet und sowieso alle fünf Minuten auf das Klo rennt.
...man gerade 43 Grad Fieber hat, dann bekommt man sowieso nichts mit.
...man gerade ein paar harte Drogen konsumiert hat und die Haluzinationen mit irgendwas übermalen möchte.

Einziges Highlight im Film: Drei Sprüche von Roland Düringer.

Wenn man auf Düringer steht, dann ist man in diesem Film definitiv falsch.

Stimme mit Ihnen überein,

außer dass ich finde, dass Düringer alles andere als ein Highlight war. Im Gegenteil: Er fügt sich mit seiner schauspielerischen Leistung in die katastrophale Qualität dieses Filmes völlig unauffällig ein. Für den schlechten, nein, eigentlich fehlenden Witz des Drehbuches kann man ihn ja nicht verantwortlich machen.
Alles in allem der schlechteste Film seit Slumming.

Unsinn!

Das ist ein völliger Schwachsinn! Der Film ist sicher nicht für jeden Geschmack. Aber mit einer qualifizierter Kritik hat das hier nichts zu tun. Mich hat er unterhalten, als das getan, was ein guter Unterhaltungsfilm tun sollte.

truely european

Mir hat der Film gut gefallen, auch wenn ich dafür keine Erklärung habe.

Midsummer Madness - einige lachten, einige gingen ...

Wie immer man zu diesem Film stehen mag, aber er vermittelt ein Bild eines Nachbarn, den wir nicht so kennen. Vielleicht ist es ein zutiefst europäischer Film, an den wir noch nicht gewöhnt sind. Und er zeigt uns vertraute Schauspieler in einem noch vertrauterem Stück. Ich habe oft lachen müssen in diesem Film und war im selben Moment auch wieder tief berührt. Einige haben mitgelacht, andere wiederum den Kinosaal verlassen.

das Bundesministerium für Unterricht und Kunst meint...

"Alkoholmissbrauch, sexuelle Anspielungen und eindeutige Szenen sowie die anzügliche Sprache machen eine Einschränkung nötig. Dazu kommt die übertrieben klischeehafte Zeichnung der Charaktere. Insgesamt ein nicht alltäglicher Film, mit dem Kinder und Jugendliche vermutlich wenig anfangen können."

ab 12!!!

Und dann geben sie den Film ab 12 frei?

anders... aber ned schlecht!

Die schrägen Situationen im Film haben uns oft zum schmunzeln gebracht - und die Ästhetik war teilweise sehr schön. Lediglich die Syncronisation war nicht toll.

Ein guter Film, wenn man einen nicht ganz normalen Abend verbringen will.

kann dieser kritik nur zustimmen

ich hab den film gestern gesehen und kann dieser leider ziemlich negativen kritik nur zustimmern. es reicht einfach nicht viele hervorragende schauspielerInnnen in einen film zu packen, man braucht auch ein halbwegs gelungenes drehbuch.

europäische Komödie

diese europäische Komödie werde ich mir nicht entgehen lasse. Ich sehe mir überhaupt gerne Standard-Verrisse an, Folks.

Jedem seine Meinung - oder ?

Das ist ein sehr guter Film, der unterhält und Lebensfreude vermittelt. Wenn man die nicht will dann mag man auch den Film nicht.

andere denken anders

Habe schon viele Meinung gehört über den Film und alle finden etwas anderes gut oder schlecht daran. Muss wirklich ein interessanter Film sein. Ich werde ihn mir am Wochenende ansehen.

was denn nun???

Also, vor einige Tagen las ich in Ihrer Zeitung so etwas wie "amüsante Komödie, unbedingt ansehen". Heute ist es plötzlich der totale Mist. Was denn nun??? Wenn Sie sich selbst nicht entscheiden können, muss ich mir den Film halt doch selbst ansehen.

the reality is very different ;-)

Osteuropa

Mein lieber Herr Kollege, ich schreibe auch Filmkritiken für eine große polnische Tageszeitung. Auch ich habe den Film gesehen und ich habe sehr positiv darüber berichtet. Ich fand sehr lustig das Spiel mit die Klischees. Das Spiel von Tobias Moretti ist wirklich toll, ich hätte mir nicht vorstellen können, dass er so lustig spielen kann auch. Aber das ist nur meine, polnische Meinung.

Kritiker sind...

...sexuell zu kurz gekommene Menschen. Osteuropäische Filmkritiker ausgenommen. :)))

Ich bin nicht Ihrer Meinung

Ich hab den Film gestern im Tuchlauben mit Freunden gesehen. Wir haben uns alle sehr amüsiert und möchten uns bei Tobias Moretti und Roland Düringer für diesen vergnüglichen Abend bedanken. Sicher, der Film übertreibt etwas. Aber tun das nicht alle Filme? Was sie da schreiben ist einfach nur böse. Das kann ich nicht verstehen. Da kommt mal ein österreichischer Film daher, der nicht depremierend ist, schon wird er verrissen. SUPER FILM. KANN ICH NUR EMPFEHLEN!!!!

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