Aids in Afrika: Nur 60 Prozent nach zwei Jahren noch in Behandlung

16. Oktober 2007, 14:45
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Viele der PatientInnen sterben bald nach Therapiebeginn - Von 25 Millionen Infizierten werden nur 1,3 Millionen behandelt

London - In westlichen Ländern setzen nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 80 Prozent der Aids-Patienten ihre Behandlung auch nach zwei Jahren noch fort. In Afrika liegt dieser Wert wesentlich niedriger, wie eine aktuelle Studie zeigt. Nur 60 Prozent aller Aids-Patienten werden demnach zwei Jahre nach Therapiebeginn noch mit den nötigen Medikamenten behandelt. Viele seien in diesem Zeitraum bereits gestorben.

Von denjenigen Erkrankten in Afrika, die nach zwei Jahren nicht länger antivirale Medikamente einnehmen, sei in diesem Zeitraum fast jeder zweite (40 Prozent) gestorben, heißt es in der Studie, die in der Fachzeitschrift "Public Library of Science Medicine" veröffentlicht wurde. Die übrigen Patienten würden Behandlungstermine nicht wahrnehmen, ihre Medikamente nicht abholen oder seien an andere Krankenhäuser überwiesen worden. Einige seien auf andere Behandlungsmethoden umgestiegen.

Die Zahlen spiegelten ein bedrückendes Ergebnis wider, sagte Charlie Gilks von der WHO-Aids-Abteilung, der an der Studie nicht beteiligt war. Angesichts der enormen Herausforderungen sei eine Quote von 60 Prozent allerdings ein ziemlich guter Wert.

25 Millionen Infizierte, 1,3 Millionen in Behandlung

Die WHO wollte bis zum Jahr 2005 drei Millionen HIV-Infizierten in Afrika antivirale Medikamente zur Verfügung stellen. Tatsächlich wurden 1,3 Millionen Menschen behandelt. Bisher bräuchten weitere 4,8 Millionen die Mittel, insgesamt leben rund 25 Millionen in Afrika mit der Immunschwächekrankheit.

Für die Studie wurden 32 Veröffentlichungen zu Aids-Patienten in 13 afrikanischen Ländern zwischen 2000 und 2007 ausgewertet. In der Regel werden Patienten in Afrika erst mit antiviralen Medikamenten behandelt, wenn sie schon wesentlich kränker sind als Patienten in westlichen Staaten. Sie würden die Mittel vermutlich länger einnehmen, wenn sie nicht dafür bezahlen müssten, sagte WHO-Sprecher Gilks. Außerdem sei der Betrieb in großen Kliniken mit langen Wartezeiten für die Patientenbindung nicht förderlich, erklärte Gilles van Cutsem von der Organisation Ärzte ohne Grenzen. (APA/AP)

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