Die Publikums-Jury und Viennale-Blogger stellen sich vor

22. Oktober 2007, 19:19
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Mario Döberl, Ülkü Ocak, Philipp Schlögl und Philip Waldner im Selbstporträt

Wir haben die STANDARD-Publikumsjury für die Viennale '07 und zukünftigen derStandard.at-Viennale-Blogger gebeten, sich kurz vorzustellen:

Mario Döberl, Historiker und Kunsthistoriker (34), Wien:

Foto: privat
Studium in Wien und Cagliari, Forschungen zur Geschichte Italiens, des Kutschenbaus und des Wiener Hofes

Wien im Herbst?
Zu kalt, zu nass. Habe definitiv andere Lieblingsjahreszeiten! Doch zum Glück gibt's die Viennale. Denn spätestens wenn im Saal das Licht erlischt, die Streicher der Festivalsignation einsetzen und sich auf der Leinwand acht Buchstaben quietschend zu drehen beginnen, sind die unwirtlichen Seiten des Wiener Herbstes vergessen.

Meine Kinovorlieben
Ich mag Filme, ...die nicht bloß ein Thema haben, sondern auch eine passende ästhetische Form dafür finden ...denen man ansieht, wo sie gedreht wurden ...die mich überraschen ...die nicht versuchen, jeden Zweifel auszuräumen ...die verbrauchte Bilder meiden ...die nicht schwatzhaft sind ...die verantwortungsvoll mit dem Thema Gewalt umgehen ...denen deutlich anzumerken ist, dass sie für die große Leinwand und nicht fürs Fernsehen produziert wurden ...die sich stärker dem Leben als der Kinogeschichte verpflichtet fühlen ...deren Bilder oder Grundton mich noch lange Zeit begleiten.

Etwas konkreter
In den vergangenen Jahren bescherten mir unter anderem folgende Festivalfilme schöne oder verstörende, auf jeden Fall aber denkwürdige Momente: "Ana y los otros", "Capturing the Friedmans", "Tarnation", "Arna's children", "Man push cart", "Glue".

Ülkü Ocak, Romanistin, Wien:

Foto: privat
studium transkulturelle kommunikation + doktoratsstudium an der romanistik (todo sobre mi madre auf spanisch sehen... dafür bin ich dankbar). papier - fetischistin...nomadin...kaltes klares wasser. großstadt nachts. untertitelleserin. müzik ve sinema. oh là là



Philipp Schlögl, Schüler (17), Wien:

Foto: privat

Seit jeher übte diese magische Kunstform, die wir Cinematographie nennen, eine hypnotische Faszination auf mich aus. Die alles durchdringende Universalität des Films, der sich sämtlicher Kunstgattungen bedient, um aus dieser Synthese etwas zu schaffen, das in seiner Wirkung über die Kraft seiner einzelnen Bestandteile (weit) hinausgehen kann, beeindruckt mich als baldigen Maturanten, der sich in der Schule zwar erfolgreich aber eben filmwissenschaftlich unterfordert mit vielen anderen Dingen beschäftigen muss, nach wie vor.

Da ich sowohl Vorbilder (D. Lynch, S. Kubrick) als auch praktische Erfahrung im Filmemachen (Teilnahme bei den wienervideo&filmtagen) habe, kann ich mir - meine anderen Interessen wie die Literatur eimal außer Acht lassend - eine Zukunft im Reich der bewegten Bilder (oder Im Reich der Sinne, nach Nagisa Oshima) durchaus vorstellen.

Die Viennale betrachte ich (gerade als junger Mensch) als eine fantastische Gelegenheit, Film in all seinen Facetten kennenzulernen. Denn schließlich geht es immer um die mannigfaltigsten künstlerischen Visionen, die allein die Subjektivität ihrer Sichten auf die jeweils behandelten Themen gemeinsam haben; und in diesem Sinne möchte ich noch ein passendes Zitat (aus Lost Highway) anfügen, das David Lynch Bill Pullman in den Mund legt, das aber auch allgemein auf den Film und die Kunst übertragen werden kann und zu einem meiner Lieblingszitate geworden ist: "I like to remember things my own way, not necessarily the way they really happened".

Foto: privat

Philip Waldner, Maturant (18), Klagenfurt

Ich stamme aus Klagenfurt, wahrscheinlich einem jener Orte in Österreich bei dem Filme am längsten brauchen bis sie anlaufen – und dennoch: seit einigen Jahren bin ich ein großer Filmfan (und immer dafür zu haben, wenn es darum geht sich drei oder vier Filme auf einmal anzusehen). Als ich dann die STANDARD-Anzeige in meinem Lieblingsfilmmagazin RAY sah, wo von Mitgliedern einer V-Publikumsjury die Rede war, habe ich mich gleich beworben... und jetzt bin ich tatsächlich dabei!

Ich habe heuer maturiert (mit einer Arbeit über den "Film noir"), bevor ich mit dem Studium (vermutlich in Wien, Mathematik, Philosophie…?) beginnen kann, hat der Staat jedoch noch andere Pläne mit mir (Bundesheer). Interessen: neben Film vor allem (klassische) Musik (ich spiele seit 11 Jahren Klavier, Kärntner Landeskonservatorium + Oberstufenprüfung) und Literatur.

Bernhard Studlar, das ursprünglich fünfte Publikumsjurymitglied, ist aus familiären Gründen kurzfristig ausgefallen.

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    montage: derstandard.at/feßler fotos: privat
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