"Richtige Kenner spezialisieren sich"

17. Oktober 2007, 09:57
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Beim Bierfestival in Salzburg soll man an die 250 Biere verkosten können, erzählt Hubert Hanghofer vom Bierkonsumentenverein BierIG

Der Bierkonsumentenverein BierIG bringt sein Bierfestival erstmals in die Landeshauptstadt Salzburg – zum Nationalfeiertag soll man im ehemaligen Gusswerk an die 250 Biere verkosten können. Plus den Bieren einer Microbrewery, die dort eröffnet wird, erzählt Hubert Hanghofer von der BierIG.

derStandard.at: Herr Vorsitzender, dauert Ihr Bierfestival heuer wieder 24 Stunden?

Hanghofer: Rechnerisch ja, denn es ist vom 25. bis 27. Oktober jeweils von 17 Uhr abends bis ein Uhr früh geöffnet. Wir sind aber von dem Begriff 24-Stunden-Bierfestival, den wir jetzt viermal in Hallein hatten, abgegangen – wir wollen nicht, dass die die Leute glauben, das wäre ein Marathon-Trinken.

derStandard.at: Es geht also nicht darum, möglichst lang Bier zu trinken, sondern möglichst viel Bier zu kosten?

Hanghofer: Wir geben die Möglichkeit, viele Biere zu kosten – aber wir raten, nicht zu viel davon zu trinken. Es ist ein Festival der Biervielfalt. Das heißt: Wir haben im Vorjahr in Hallein zwischen 180 und 190 verschiedene Biere gehabt, wir hoffen, dass wir heuer rund 250 haben werden. Darunter etwa einen Schwerpunkt belgischer Biere, wo wir versuchen, die Biere aus allen Trappistenabteien zusammenzubringen.

derStandard.at: 200 bis 250 Biere an einem Festival, das ist ja auch eine ziemliche Herausforderung. Kann man sich da überhaupt durchkosten? Wie sollte man da als Besucher herangehen?

Hanghofer: Erstens einmal darf man sich nicht vorstellen, dass man da Liter um Liter in sich hineinkübelt. Es gibt bei uns keine großen Gebinde, kein Halbliter- und Seidelgläser. Wir wollen keine Bierzelt-Atmosphäre. Die hatten wir ja auch bisher nicht – wir waren in Hallein in einer alten Saline und in einem Ziegelstadel, also in alter Industriearchitektur. Ähnlich wird es in Salzburg sein: Das Gusswerk ist eine ehemalige Gießerei, eine bereits etablierte Location für Events – und es wird dann sogar eine kleine Brauerei dort geben. Aber man trinkt aus kleinen Gläsern, die Kostgläser werden 1/8 Liter fassen und die Leute spezialisieren sich halt.

derStandard.at: Das heißt: Man geht an einem Abend hin, um beispielsweise nur Weizenbiere zu kosten und an einem anderen, um nur Pils oder nur Starkbier zu kosten?

Hanghofer: Wer ein Bier beurteilen und professionell verkosten will, braucht zwei, drei kleine Schlucke, da ist ja schon ein Achtel sehr, sehr viel. Wenn jemand zehn Biere aus dem Achtelliterglas trinkt, dann ist das mengenmäßig weniger als einer trinkt, der an einem Abend vier 0,3-Liter-Seideln trinkt. Und die richtigen Kenner spezialisieren sich auf Biere, die sie normalerweise schwer bekommen oder normalerweise schwer vergleichen können.

derStandard.at: Das gilt ja selbst für Märzen- oder Pilsbiere: Selbst in einem guten Bierlokal bekommt man da ja nicht mehrere nebeneinander, auf dem Bierfestival aber schon?

Hanghofer: Und erst recht gilt das für Trappistenbiere! Wir beschaffen die über eine Einkaufsgemeinschaft – übrigens gemeinsam mit einem Wirt, der wirklich großes Angebot hat, nämlich Karl Schiffner mit seinem Biergasthaus in Aigen im Mühlviertel. Der kann fast alles besorgen, was wir sonst nicht bekommen. Deswegen können wir am Donnerstag einen Schwerpunkt Belgien und am Freitag einen Schwerpunkt England anbieten. Und der – jetzt nicht abwertend gemeint – „normale“ Konsument wird halt verschiedene regionale österreichische Biere durchkosten. Und wir halten generell an dem Ziel fest: Den Genuss fördern, nicht den mengenmäßigen Konsum – in die Ecke, wo junge Leute das viel zitierte Koma-Saufen betreiben, wollen wir uns nicht begeben.

derStandard.at: Was macht eigentlich die BierIG im Rest des Jahres, wenn gerade kein Festival ist?

Hanghofer: Also die Vorbereitung des Festivals ist schon ein großer Teil unserer ehrenamtlichen Tätigkeit. Aber wir informieren und schulen unsere Mitglieder auch während des Jahres – durch unser Mitgliedermagazin, in dem ja auch der Peter Berger von der Kampagne für Gutes Bier etwa über Kochrezepte mit Bier schreibt. Wir haben eine sehr aktive Gruppe in Salzburg, wo Michael Stockinger einmal im Monat einen Stammtisch organisiert – auch da geht es nicht nur um das gemeinsame Trinken, sondern um Fachvorträge zum Bier, zu dessen geschmacklichen Feinheiten und zum Brauen…

derStandard.at: Stichwort Brauen: Sie selber sind engagierter Heimbrauer und haben schon viele interessante Sude selber gebraut. Wie viele Homebrewer gibt es denn in Österreich?

Hanghofer: Das ist schwer zu sagen. Wenn man die Zahl der Teilnehmer an der Staatsmeisterschaft mal zwei nimmt, wird es vielleicht 200 Leute geben, die regelmäßig Maische herstellen, also mit Malz brauen. Oft trifft man da bei Heimbrauer-Stammtischen Leute, die 200 Liter, also zwei Hektoliter pro Sud brauen. Dazu kommen noch viele, die mit Kits brauen, wo man einfach und mit wenig Aufwand Biere aus Extrakt herstellen kann.

  • Hubert Hanghofer, Vorsitzender des Bierkonsumentenvereins BierIG
    foto: conrad seidl

    Hubert Hanghofer, Vorsitzender des Bierkonsumentenvereins BierIG

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