Putin in Teheran: Versuch der Vermittlung

25. Oktober 2007, 15:13
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Russland will seinen Einfluss am Kaspischen Meer sichern - Präsident bietet sich als Vermittler im Atomstreit an

Hatte Moskau Wladimir Putins Reise in den Iran überhaupt erst am Samstag angekündigt, so wusste der Kreml- Pressedienst am Montagnachmittag nicht, ob der Präsident letztlich auch fahren würde. In der Zwischenzeit nämlich sickerte in die russischen Medien die Information durch, dass im Iran ein Anschlag auf Staatsoberhaupt Putin vorbereitet würde. Die Informationsquelle blieb erwartungsgemäß anonym, der Iran dementierte und schrieb die Meldung den Feinden der russisch-iranischen Beziehungen zu. Schließlich bestätigte Putin in Deutschland, doch wie geplant am Montagabend nach Teheran zu reisen.

Seit Jahrzehnten war kein sowjetischer bzw. russischer Präsident im Iran. Und seit Jahren kein Staatsoberhaupt aus dem Kreis der G8. Um nicht als Verbündeter des Iran dazustehen, hat Russland das Präsidententreffen der Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres zum Vorwand für die Reise genommen. In der Tat steht die Aufteilung der Öl- und Gasressourcen des Kaspischen Meeres aus. Die fünf Anrainerstaaten – Russland, Kasachstan, Turkmenistan, Iran und Aserbaidschan – konnten sich schon beim letzten Treffen 2002 nicht einigen.

Für Russland geht es aber weniger um die Rohstoffe, die nur einen Bruchteil der russischen ausmachen, als vielmehr um den Transit der kasachischen und turkmenischen Gasvorkommen nach Europa. Kasachstan und Turkmenistan wiederum liebäugeln auch mit einer transkaspischen Pipeline, um Gas teurer direkt nach Europa zu verkaufen. Durch die – von den USA forcierte – Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan wird Öl aus Aserbaid-schan ohnehin schon unter Umgehung Russlands exportiert. Und was die überreichen Uranvorkommen in Kasachstan betrifft, so befürchtet Moskau zu Recht westliche und chinesische Konkurrenz.

Bitte von Berlin, Paris

Vor allem freilich wird Putin eigenen Worten zufolge „Fragen des iranischen Atomprogramms diskutieren“. Anders als die USA, Deutschland und Frankreichs behauptet Russland, es lägen keine Daten vor, dass der Iran den Bau von Atomwaffen plane. Beobachter vermuten, dass Putin als Vermittler auftreten und den Iran zu mehr Transparenz animieren will. Der russische Iran-Spezialist Georgi Mirski meint, dass Frankreich und Deutschland Putin um diesen Druck gebeten haben: „Putin hat einst geglaubt, dass der Iran nachgeben werde, aber Teheran stimmte einer Urananreicherung auf russischem Territorium nicht zu. Moskau hat das nicht vergessen.“

Russland selbst hat ja die Fertigstellung des eine Milliarde Dollar teuren Atomreaktors im iranischen Busher – angeblich wegen iranischer Zahlungsverzögerungen – auf Eis gelegt. Man geht davon aus, dass gerade Busher ein entscheidendes Objekt für die iranische Urananreicherung ist. Russland versucht den Spagat, winken ihm doch angeblich Aufträge zur Errichtung weiterer Atomreaktoren. (Eduard Steiner aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2007)

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