"Energiepreise so hoch wie für Haushalte"

26. Oktober 2007, 18:22
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Die Papierindustrie schaltet sich in die Energiediskussion ein: Die EU-Initiativen zu mehr Wettbewerb werden begrüßt

Wien - Die Energieversorgung wird für das energieintensive Geschäft der Papierindustrie immer mehr zur Standortfrage, erklärt Ferdinand Fuhrmann, Generaldirektor der Smurfit Kappa Nettingsdorfer und Energiesprecher der Österreichischen Papierindustrie: "Es gibt in Österreich keinen Wettbewerb. Deshalb zahlen wir praktisch dasselbe wie private Haushalte, obwohl die in erster Linie Strom zu Spitzenzeiten benötigen."

Mehr Wettbewerb am Energiemarkt fordert die Branche deshalb. Ein Unbundling - die Entflechtung von Erzeugung und Netz - sei auf EU-Ebene dringend notwendig, da durch ihre Marktmacht die großen Energieerzeuger in der Lage sind, "die Preise künstlich hochzuhalten", so die Austropapier, die Vereinigung der österreichischen Papierindustrie. "Wir agieren am globalen Markt und können einseitige Kostenbelastungen nicht im Produktpreis unterbringen", so Fuhrmann.

Ein Drittel wird zugekauft

Doch wird nur rund ein Drittel des Strombedarfs der Papierindustrie am Markt zugekauft. Für den großen Rest kommt die Branche selbst auf - etwa indem Abwärme energetisch genutzt wird oder Abfallstoffe wie Lauge verbrannt werden. Damit sei die Papierindustrie größter industrieller Ökostromerzeuger, falle aber trotzdem nicht unters Ökostromgesetz, so Oliver Dworak, Geschäftsführer der Austropapier: "In anderen EU-Staaten ist die Papierindustrie bei der Ökostromförderung dabei. Das ist für uns in Österreich ein Standortnachteil." Die Belastung aus der derzeitigen Systematik sei trotzdem gegeben, führt Fuhrmann aus: "Wir müssen jährlich rund zwölf Millionen Euro Ökostrombeitrag zahlen."

Stattdessen, kritisieren Fuhrmann und Dworak, würden im Ökostromgesetz derzeit ineffiziente Anlagen gefördert, die einen Effizienzgrad von nur 25 bis 40 Prozent haben - "wir haben über 80 Prozent", sagt Fuhrmann, der deshalb bei der anstehenden Novellierung des Ökostromgesetzes die Einführung von Effizienzkriterien fordert. Auch müsse die Laugenverbrennung der Papierindustrie mit ihren 27 österreichischen Werken (24 Unternehmen) in der kommenden neuen Gesetzesfassung berücksichtigt werden.

Standortnachteil

Trotzdem, erklärt Dworak, "schwingt die Papierindustrie nicht die Standortkeule. Eine Papierfabrik kann man nicht so einfach auf- und wieder abbauen. Aber es werden dann halt geplante Investitionen aufgeschoben oder erst gar nicht gemacht." Als Beispiel dafür führt Dworak die Zellstoff Pöls AG an, deren Ausbauprojekt Pöls 500 Plus von der kommenden Fassung des Ökostromgesetzes abhängig gemacht wird. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.10.2007)

  • Fordern eine Weiterentwicklung des Ökostromgesetzes auch unter industriellen Gesichtspunkten: Oliver Dworak...
    foto: standard/hendrich

    Fordern eine Weiterentwicklung des Ökostromgesetzes auch unter industriellen Gesichtspunkten: Oliver Dworak...

  • ...und Ferdinand Fuhrmann.
    foto: standard/hendrich

    ...und Ferdinand Fuhrmann.

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