Krimischiene: Ausgekocht und ausgespielt

19. Oktober 2007, 14:29
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Eva Rossmann: "Millionenkochen" - Peter Zeindler: "Der Mauersegler" - Monika Geier: "Schwarzwald" - Gabriel Trujillo Muñoz: "Erinnerung an die Toten"

Ausgekocht

Beim Kochen zuzuschauen ist in. Kochen bringt Quote. Der Gewinnspiel-Sender, der sich in Niederösterreich etabliert hat, lebt von einer Kochshow mit Prominenten und Amateuren, die durchs Los gezogen werden. Man lässt die Leute gegeneinander antreten, kürt die Sieger durch SMS-Voting der Zuseher und verteilt dann sehr viel Geld. Klar, dass sich die Kandidaten nicht gerade grün sind. Aber die Konkurrenten umzubringen geht etwas zu weit. Die Journalistin Mira Valensky gerät wieder einmal in ärgere Schwierigkeiten, als sie eine Reportage über die Sendung machen soll und mitten in einen merkwürdigen Selbstmordversuch und dann in einen Mordfall gerät. Eva Rossmann erzählt in ihrem neuen Krimi Millionenkochen (€ 19,50, Folio Verlag) allerlei Hintergründiges aus der Welt der Gastronomie und der scheinbaren "Realität", die die Fernsehkameras konstruieren.

Ausgespielt

An die Tage in Ostberlin, als er noch ein Angestellter der Schweizer Botschaft und von Spitzeln umgeben war, wird Felix Mangold überfallsartig erinnert, als er einen anonymen Anruf erhält. Ein einziger Satz informiert ihn vom Tod eines ehemaligen Mitarbeiters, der angeblich ertrunken ist. Gleich darauf erhält Felix den Auftrag, die Grabrede zu konzipieren. Beim Begräbnis tauchen falsche Verwandte auf. Felix wird beschattet. Die kurzzeitige Bettgenossin benimmt sich seltsam, eine andere junge Frau sucht seine Bekanntschaft und behauptet schließlich, seine Tochter zu sein. Der Schweizer Peter Zeindler legt mit Der Mauersegler(€ 19,-, Arche) einen spröden Text über Spionage und Gegenspionage vor, in dem die Protagonisten fiktive Lebensläufe haben, das Urvertrauen in die Welt erodiert und einer andauernden Paranoia Platz macht. Q

Ausgegraben

Dieser Ausflug ist ein Fiasko. Die schwangere Marie hat keine Lust auf die Wanderung mit einem befreundeten Paar, aber was tut frau nicht alles dem Partner zuliebe. Als Marie an einem Wildschweingehege vorbeikommt, bildet sie sich ein, dort im Matsch einen Menschenknochen liegen zu sehen. Entnervt vom Wetter kehrt sie allein zur Jausenstation zurück. Die Freundin verirrt sich im Wald und bleibt verschwunden. Eigentlich ist Bad Dürkheim ja ein Kurort, aber was da im Wald und auf der Wiese passiert, ist überhaupt nicht erholsam. Schon gar nicht, wenn eine Frau ihren Liebhaber erschießt und sich auf Notwehr ausredet. Monika Geier schreibt anschaulich und boshaft über das Leben am Land und die Geheimnisse des Waldes. Das hat fast was Märchenhaftes, aber bekanntlich sind Märchen oft ganz schön grausam (Schwarzwild, € 11,-, Argument Verlag).

Ausgesucht

40 Jahre ist es her, dass der Gouverneur von Baja California mitten in einem erotischen Abenteuer mit einem viel zu jungen Mädchen an einem Herzinfarkt verstorben ist. So klingt die halboffizielle Version. Doch die Tochter Bertha will die Wahrheit wissen. Sie heuert den Anwalt Morgado an, und der stößt auf Widersprüche. Wie ein Archäologe vergräbt er sich in die Schichten der politischen Intrigen und erkennt zu spät, dass er als Jagdhund missbraucht wird, der Zeugen zum Sprechen bringen soll. Das ist die eine Geschichte. In der zweiten, die in dem Band Erinnerung an die Toten von Gabriel Trujillo Muñoz (Deutsch: Sabine Giersberg, € 14,90, Unionsverlag) enthalten ist, versucht Morgado einen Biologen aufzuspüren, der bei der Bestandsaufnahme seltener Kakteen verschwunden ist. Eine spannende Hommage an das Grenzland zwischen Mexiko und den USA.

(Ingeborg Sperl, DER STANDARD/Printausgabe, 13.10.2007)

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    cover: unionsverlag
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