Wohnen mit Feuer und Flamme

13. Oktober 2007, 15:00
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Heim-Feuerstätten sind nicht nur behagliche Wärmespender, sondern auch schmucke Möbelstücke. Vor dem Einbau ist gute Beratung unerlässlich

Wenn sich der Herbst einschleicht und der Gedanke an den Winter nicht mehr verdrängt werden kann, steigt ganz automatisch auch das Bedürfnis nach wohliger Wärme – und da liegt es nahe, sich an ein kuschelig-romantisches Kaminfeuer zu träumen. Bei einer Umfrage des Marktforschungsinstituts market stand der Kachelofen auf der Liste der Wünsche für ein optimales Wohnhaus auf Platz 9 und stach damit andere Kandidaten wie Terrasse, Balkon und eine eigene Garage aus. Laut Österreichischem Kachelofenverband erwärmen sich ungezählte Österreicher an 480.000 klassischen Kachelöfen, jährlich werden 15.000 neue errichtet.

Wer kein Haus sein Eigen nennt, sondern nachträglich einen Kamin in die Wohnung einbauen lassen möchte, sollte zuallererst einen Rauchfangkehrer zurate zu ziehen. Je nachdem, ob der Rauchfang gemauert, aus Metall oder Kunststoff gefertigt ist und abhängig vom Durchmesser kommen verschiedene Ofentypen infrage. Voraussetzung für die Einrichtung einer Feuerstätte ist jedenfalls ein feuerpolizeiliches Gutachten des Rauchfangkehrers, eine Abklärung mit der Hausverwaltung ist ebenfalls ratsam.

Zweck und Raumgröße entscheidend

Sollte der Kamin älteren Baujahres sein, sind undichte Stellen keine Seltenheit. Dann sind Experten an der Reihe, die den Rauchfang versiegeln oder notfalls mit einer so genannten Rohr-in-Rohr-Konstruktion wieder zum Qualmen bringen.

Bei der Wahl des feurigen Wärmespenders sind vor allem Zweck und Raumgröße ausschlaggebend. Soll der Ofen vorrangig heizen, ist ein klassischer Kachelofen die heißeste Lösung: Die Strahlungswärme wird langsam an Luft und Wände abgegeben und bis zu 24 Stunden gespeichert – das macht sogar großräumiges Heizen möglich. Mittlerweile sind aber auch kompakte Kleinkachelöfen erhältlich, die im Fall eines Umzugs wieder abbaubar sind. Ab 6000 Euro ist man dabei. Der Nachteil des klassischen Kachelofens: Das Lodern des Feuers bleibt unsichtbar.

Behagliche Wärme und einen beruhigenden Blick auf das Spiel der Flammen bietet ein eingebauter Heizkamin, in dem das Feuer hinter Glas gebannt ist. Noch ursprünglicher ist ein offener Kamin, der allerdings viel Brennmaterial braucht und nur 20 Prozent der verbrauchten Energie als Wärme abgibt. Diese Lösung dient vornehmlich der Romantik und eignet sich nur schwer als Heizquelle.

Wohlfühl-Ambiente

"Das Atmosphärische steht im Vordergrund", erklärt Harald Fux vom Architekturbüro Raumkunst den Trend zum Feuer, "der Kamin ist ein Wellnesselement." Für einen Kompletteinbau muss man mit rund 10.000 Euro rechnen. Als Alternative für all jene, die sich aus Platz- und Kostengründen keinen Heizkamin oder offenen Kamin einbauen lassen wollen, bleibt noch der günstige, im Baustoffhandel erhältliche Schwedenofen, der bei bei geringem Schadstoffaustoß einen verhältnismäßig hohen Wirkungsgrad von bis zu 70 Prozent hat.

Zu achten ist beim Kauf vor allem darauf, dass ein Typenschild angebracht ist, das über technische Daten wie etwa Schadstoffemission Auskunft gibt. Ohne dieses Prüfungszertifikat ist ein Anschluss nicht zulässig, wie Josef Rejmar, Innungsmeister der Wiener Rauchfangkehrer, betont.

Häufigster Brennstoff für Kamine ist nach wie vor Holz, gefolgt von Gas, das auch optisch nah ans Holzfeuer heranreicht. Erst seit Kurzem erhältlich sind Pellets-Einzelöfen, die halb- oder vollautomatisch beheizt werden können.

Ufos und Attrappen

Weil die Heim-Feuerstätte längst vom Wärmespender zum schicken Möbelstück avanciert ist, sind den Designern keine Grenzen gesetzt. Von der Decke hängende, an Ufos erinnernde Öfen, wie Bilder an der Wand angebracht oder frei stehend mitten im Raum – exquisite Kamine werden von Designern und Hafnern maßangefertigt. "Voraussetzung ist guter Wille, technisch ist fast alles möglich", sagt Felix Pemberger, der die vom französischen Designer Dominique Imbert entworfenen Focus-Kamine vertreibt und montiert. Zwischen 3500 und 35.000 Euro kosten die werten Einzelstücke.

Ist kein Schornstein vorhanden, kann man immer noch auf Kaminattrappen zurückgreifen. Mit Wasserrohren beheizte Kamine, Elektroöfen mit Echtfeuer-Effekt oder Feuerschalen, die mit speziellen Brenngel zum Leuchten gebracht werden – und der Schein bleibt gewahrt. (Karin Krichmayr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.10.2007)

  • Das offene Kaminfeuer kann klassisch elegant sein – oder schwerelos von der Decke baumeln. Möglichkeiten gibt es genug.

    Das offene Kaminfeuer kann klassisch elegant sein – oder schwerelos von der Decke baumeln. Möglichkeiten gibt es genug.

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