Bauch und Kopf

13. Oktober 2007, 17:00
13 Postings

Zwei Drittel Kopf und ein Drittel Bauch: In diesem Verhältnis treffen Führungskräfte laut aktuellem Top-Management-Survey Entscheidungen

Die Frage nach der richtigen Information für jeweils anstehende Entscheidung ist zentral. Nur: Wo zwischen zu viel und zu wenig davon liegt das angemessene Maß? Diese Frage werde, so der aktuelle Top Management Survey der Beratergruppe Neuwaldegg zum Thema der Unternehmenssteuerung sinngemäß, im Bauch beantwortet.

Die in Österreich, Deutschland und der Schweiz unter 300 Führungskräften durchgeführte Umfrage kam zu dem Ergebnis, dass Manager zu rund einem Drittel Bauchentscheidungen treffen und die größte Herausforderung darin sehen, aus der Informationsflut, die tagtäglich auf sie einschwappe, die richtigen herauszufiltern. Laut Umfrage stellt sich dieses Problem die Hälfte aller befragten Führungskräfte – dabei falle Männern die Selektion der Informationen schwieriger (56 Prozent) als Frauen (44 Prozent). 14 Prozent leiden „unter zu wenig“ Information, nur zwei Prozent gaben an, sie bekämen „falsche Informationen“. Grundsätzlich sei es so, dass rund zwei Drittel der Steuerungsaktivitäten durch Führungskräfte auf bewusste, reflektierte Aktionen erfolgen – durchschnittlich werde zu 36 Prozent spontan entschieden, wobei Frauen spontaner als Männer seien (42 Prozent zu 32 Prozent).

Klar sei, so die Studienautoren, dass sich die Manager vor Entscheidungsfindungen wohler fühlen, wenn sie sich gut informiert fühlen. Das entspreche auch dem grundsätzlichen „Zustand“, wenngleich dem jeweiligen subjektiven Empfinden eine bedeutende Rolle zuzuordnen sei. So gaben laut Studie immerhin 11 Prozent der weiblichen Führungskräfte an, nicht immer über die notwendigen Informationen zu verfügen. Unter den befragten Männern nimmt sich die Zahl derer, die ähnlich empfinden, mit rund drei Prozent eher gering aus. Nicht dass weibliche Führungskräfte weniger Informationen bekommen oder benötigen, so die Studienautoren – sie seien an diesem Punkt, also im Zugeständnis des einen oder anderen Unsicherheitsfaktors, der naturgemäß bei Entscheidungsfindungen meist vorhanden ist, einfach ehrlicher als ihre männlichen Kollegen.

Kulturelle Maßnahmen fokussieren

Noch, so die Studie, werden von den Führungskräften die „klassischen Steuerungsinstrumente“ am häufigsten eingesetzt. An der Spitze der Beliebtheitsskala Strategie und Pläne (65 Prozent), gefolgt von Ressourcen- und Budgetplanung (47 Prozent) sowie strukturellen (45 Prozent) und personellen (43 Prozent) Maßnahmen.

Österreichische Manager bevorzugen laut Umfrage die Steuerung über Strategien und Pläne sowie Personalmaßnahmen eher als ihre deutschen und Schweizer Kollegen. In Sachen Kommunikation setzen die Österreicher stärker auf das Informelle. Deutsche und Schweizer glauben stärker an die „Kraft der Regeln“, so die Studienautoren: 46 Prozent der befragten Manager setzen im Bereich der Unternehmenskommunikation auf Richtlinien – in der Schweiz sind es 58 Prozent, in Deutschland 52 Prozent, in Österreich ist dieses Instrument deutlich unwichtiger (22 Prozent). Hierzulande setze man eher auf Schulungen und Trainings (41 Prozent).

Eindeutigen Nachholbedarf sehen die Studienautoren im Bereich der kulturverändernden Maßnahmen zur Steuerung (16 Prozent). Weibliche Führungskräfte tendieren deutlich stärker in diese Richtung (27 Prozent), während ihre männlichen Kollegen aktuell nur zu neun Prozent auf Instrumente dieser Ausrichtung setzen. (Heidi Aichinger, Der Standard, Printausgabe 13./14.10.2007)

  • Wie viel Prozent Ihrer Steuerungsaktivitäten sind...
    grafik: der standard

    Wie viel Prozent Ihrer Steuerungsaktivitäten sind...

  • Wodruch steuern Sie Ihren Verantwortungsbereich?
    grafik: der standard

    Wodruch steuern Sie Ihren Verantwortungsbereich?

Share if you care.