Aussichtsreiche „Kampagne“

    12. Oktober 2007, 17:00
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    Von oben betrachtet sind die Schlingen des Waldviertler Kamp am schönsten. Beeindruckend: die Sicht auf Stift Altenburg und zum Öden Schloss

    Zwischen Steinegg und Rosenburg wird der Kamp seinem Namen vollauf gerecht. Dieser leitet sich vom keltischen „cambos“ ab, was „gekrümmt“ bedeutet. Der Fluss hat sich dort in mehreren Schlingen tief in das Urgestein eingegraben, die nur von Paddlern erkundet werden können, denn für einen Fußweg ist kein Platz zwischen Wasser und Felsen. Obgleich der Wanderer nur zeitweise direkt am Ufer des Kamp bleibt, erlebt er eindringlich die Schönheit des Gewässers, denn er kommt immer wieder auch an Plätzen vorbei, die einen herrlichen Tiefblick ermöglichen.

    Öde Erfindung?

    Vor allem das in der größten Flussschlinge liegende „Öde Schloss“ ist hier hervorzuheben. Die Burg war Sitz der Grafen des Poigen-Reiches, die Rot-Weiß-Rot als Wappenfarben hatten. Es gibt plausible Hinweise, dass die Babenberger diese Farben – die der heutigen österreichischen Fahne – übernommen haben und die Geschichte von Leopold dem Glorreichen bei der Erstürmung von Akkon im Jahre 1191 eine Erfindung der Chronisten ist. Auf dem kleinen Plateau mit den Resten der einstigen Festung fanden Archäologen Spuren menschlicher Besiedlung aus der Eisenzeit, was die herausragende und strategisch wichtige Lage auf dem Umlaufberg unterstreicht.

    Nicht weniger interessant und beeindruckend ist die Sicht auf den Kamp von einigen Felskanzeln auf der Bründlleiten, hoch über dem südlichen Ufer. Von dort schaut man natürlich auch zum Öden Schloss und erblickt auch das Stift Altenburg, das im Jahre 1144 von den Poigen-Grafen gegründet worden ist. Zum Schluss führt die Route am markanten Hängenden Stein vorbei, der mittlerweile als Klettergarten Furore gemacht hat.

    Der Weg ist gut beschildert und markiert, er weist keine Schwierigkeiten auf. Der Abstecher zum Öden Schloss ist mit einem Wegweiser gekennzeichnet und mit einer dürftigen roten Markierung. Durch das ständige Bergauf und Bergab summieren sich die zu _absolvierenden Höhenunterschiede. Die Runde lässt sich nicht verkürzen, denn zwischen Steinegg und dem Kraftwerk Rosenburg gibt es keinen Übergang über den Fluss. Wenn der Kamp Hochwasser führt, ist von der Wanderung abzuraten.

    Die Route: Man fährt von Rosenburg auf dem linken Kampufer bis knapp vor das Kraftwerk und wählt dann die rote Markierung mit der Nummer 620. Nach etwa einer Stunde gelangt man zur Abzweigung vom Öden Schloss, welches dann in wenigen Minuten erreicht werden kann. Zurück zur roten Markierung und auf dieser weiter nach Steinegg. Gehzeit ab Ödem Schloss 1½ bis 1¾ Stunden.

    Nun wechselt man auf das rechte Ufer des Flusses und steigt auf der roten Markierung zur Bründlleiten mit etlichen Aussichtskanzeln an. Schließlich senkt sich der Weg, man passiert den Hängenden Stein, schneidet eine Flusswindung ab und quert knapp oberhalb des Kraftwerks auf das linke Ufer zum Ausgangspunkt. Gehzeit ab Steinegg 2 Stunden. (Bernd Orfer/Der Standard/Printausgabe/13./14.10.2007)

    Gesamtgehzeit 4½ bis 4¾ Stunden, Höhenunterschied rund 500 Meter. Gasthaus in Steinegg (Dienstag Ruhetag). Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 20 (Gföhl) und 21 (Horn); Karte „Wandern im Herzen des Waldviertels“, Maßstab 1:40.000.

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    • Stift Altenburg.
      foto: österreich werbung/simoner

      Stift Altenburg.

    • Die Bibliothek im Stift Altenburg.
      foto: österreich werbung / trumler

      Die Bibliothek im Stift Altenburg.

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