"TÜV-Pickerl" für Privatunis

16. Oktober 2007, 13:56
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Qualitätssiegel soll StudentInnen vor unseriösen Anbietern schützen - Derzeit wird nur jeder siebente Projektbetreiber zugelassen

Wien - Die derzeit elf österreichischen Privatuniversitäten dürfen sich ab sofort mit einem Qualitätssiegel schmücken. Durch das "akademische TÜV-Pickerl" sollen etwa Studenten vor unseriösen Anbietern geschützt werden, betonte Wissenschaftsminister Johannes Hahn bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Chefin des für die Zulassung von Privatunis zuständigen Akkreditierungsrats, Hannelore Weck-Hannemann, hob die besonders strengen Prüfkriterien in Österreich hervor - bisher sei nur jeder siebente Projektbetreiber akkreditiert worden.

"Wildwuchs" an Privatunis

Österreich habe dabei eine Sonderstellung in Europa, so Weck-Hannemann. In anderen Staaten gebe es einen "Wildwuchs" an Privatunis, die sich aber zum Teil keinerlei Qualitätsüberprüfung oder -sicherung unterziehen müssten. Der achtköpfige weisungsfreie Akkreditierungsrat sehe sich dagegen als "Gatekeeper", der den Markt vor billigen und zum Teil unseriösen Anbietern schütze.

Qualitätssiegel

Das Qualitätssiegel trägt das Staatswappen und darf nur für die Dauer der Akkreditierung verwendet werden. Es dient nicht zuletzt dazu, "auch durch optische Ausweisung die Spreu vom Weizen zu trennen", meinte Hahn. Seit seinem Start vor rund siebeneinhalb Jahren wurden vom Akkreditierungsrat nur 14 Prozent aller interessierten Projektbetreiber positiv beschieden. 66 Prozent gaben ohne spätere Antragstellung auf, jeweils sieben Prozent zogen ihren Antrag zurück bzw. nach einer negativen Entscheidung zurück, sechs Prozent wurden abgewiesen.

Hahn attestierte dem Rat, der sich derzeit selbst einer Evaluierung unterzieht, hervorragende Arbeit. Dies schließe aber nicht aus, künftig über eine Art "Dachmarke" für die verschiedenen Räte im tertiären Sektor nachzudenken. Zuletzt hatten sich die Sozialpartner für einen einheitlichen Hochschulrat stark gemacht.

Elf Privatuniversitäten

Derzeit gibt es mit der mit der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, der Webster University Vienna, der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik, der PEF Privatuniversität für Management, der Sigmund Freud Privatuniversität, der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, der Anton Bruckner Privatuniversität, der Privatuniversität Konservatorium Wien, der TCM Privatuniversität LI SHI ZHEN, der Privatuniversität der Kreativwirtschaft und der MODUL University Vienna Privatuniversität elf Privatunis. Letztere wird erst Ende Oktober offiziell eröffnet. Vom Rat bereits akkreditiert wurde darüber hinaus jüngst die U:M Private Wirtschaftsuniversität Salzburg in Seekirchen - diese Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

4.000 StudentInnen

An diesen Einrichtungen studieren derzeit rund 4.000 Personen und damit rund zwei Prozent aller Uni-Studenten in Österreich. 2006 wurden insgesamt ca. 1.200 Studienanfänger gezählt, 500 Personen haben bereits ein Studium an einer Privatuni abgeschlossen. Die Akkreditierung der Privatunis erfolgt zunächst zweimal für je fünf Jahre, dann ist ein zehnjähriger Zyklus vorgesehen. Genehmigt werden müssen darüber hinaus auch die einzelnen Studiengänge dieser Unis. (APA)

  • Das Siegel des Österreichischen Akkreditierungsrates.
    foto: oer

    Das Siegel des Österreichischen Akkreditierungsrates.

  • Richtlinien für die Verwendung des Qualitätssiegels des Akkreditierungsrates.

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