Metaller: Kalte Füße kurz vor dem Vierer

30. Oktober 2007, 11:14
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Einem Verhandlungserfolg offenbar sehr nahe, wurde die Metallerlohnrunde spätnachts vertagt

Der Vierer vor dem Komma war die Latte, die Arbeitnehmer- und -gebervertreter in der Nacht auf Freitag rissen. Um 2 Uhr wurden die Verhandlungen für die Lohnrunde der 181.000 Metallarbeiter und Industrieangestellten ohne Ergebnis abgebrochen, nächster Verhandlungstermin ist am 29. Oktober (ab 11 Uhr).

Nun ist die Stimmung gespannt und der Druck merklich angestiegen, wächst doch die Erwartungshaltung betreffend den für alle anderen Branchen richtungsweisenden Abschluss.

Dabei war man sich in der Nacht recht nahe gekommen. Kurz nach Mitternacht lautete die Einschätzung noch, ein Ergebnis sei in wenigen Stunden absehbar. Die Arbeitgeber boten eine Lohnerhöhung von knapp vier Prozent. Allerdings passte den Gewerkschaftern die Zusammensetzung nicht. Denn von der Anhebung wären nur 2,9 Prozent nachhaltig - also eine Istlohnerhöhung, die auch in den Folgejahren wirkt.

Betriebsratskonferenzen am Montag

Zusätzliche 0,4 Prozent sollten nach innerbetrieblichen Kriterien verteilt werden. Weitere bis zu 200 Euro pro Beschäftigten würden abhängig vom Ertrag des Unternehmens an die Belegschaft ausgeschüttet, so das Angebot der Arbeitgeberseite. Unter dem Strich würde dies eine Erhöhung um 3,95 Prozent bedeuten. Das wäre für die Arbeitnehmer prinzipiell ausreichend, allerdings müsste die Istlohnerhöhung höher ausfallen, hieß es. Am Montag werden die Mitarbeiter in den Firmen im Wege von Betriebsratskonferenzen verständigt, von Streiks oder Betriebsversammlungen, wie dies gerüchteweise kursierte, ist keine Rede.

Offiziell kommentieren wollten die Verhandlungsunterbrechung beide Seiten nicht. "Wir haben Stillschweigen vereinbart", sagte Arbeitgeber-Chefverhandler Hermann Haslauer am Freitag zum Standard. Nur so viel: "Wenn man beim Rahmenrecht so viele Wünsche hat, dann bleibt für das Geld eben nur wenig Zeit übrig."

Flexibilisierung

GPA-Verhandler Karl Proyer, der keine Details aus den Verhandlungen preisgeben wollte, pochte angesichts der prächtigen Konjunktur einmal mehr auf nachhaltige Lohnerhöhungen. Angesichts der guten Ertragslage der Betriebe seien ausreichend Verteilungsspielräume vorhanden. Die "Standpunkte sind noch zu weit auseinander", stellte Metallgewerkschafts-Chef Erich Foglar klar.

Zu Informationen, es spieße sich auch noch bei der Arbeitszeit, gab es unterschiedliche Angaben. Haslauer stellte aber klar: "Wir kriegen mit dem neuen Arbeitszeitgesetz ab 2008 eine Flexibilisierung und die schränken wir über die Kollektivverträge sicher nicht wieder ein." Andere Firmenchefs meinten, es gehe um ein "unnötiges Ritual" der Gewerkschafter, das nur davon ablenken solle, dass man bereits in der zweiten Runde handelseins gewesen wäre. (Andreas Schnauder, Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.10.2007)

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    Verhandelt werden die Löhne von 104.000 Arbeitern und die Gehälter von 60.000 Angestellten der Metallindustrie.

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