Schweiz ausgeprägt selbstbewusst

13. Oktober 2007, 22:31
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Die Eidgenossen haben sich von der Nach-WM-Depression erholt, Personalfragen sind zu lösen

Zürich/Basel - Die goldfarbenen Trikots sind verschwunden. In einer Asservatenkammer oder in der Altkleidersammlung. Jene Hemden, die die Schweizer vor Jahresfrist in Innsbruck trugen und in denen sie eine Niederlage gegen Österreich kassierten. Dieses 1:2 gilt als Tiefpunkt einer wenig überraschenden Nach-WM-Depression und gleichzeitig als unfreiwillige Aufbauhilfe für den Nachbarn und EURO-2008-Mitorganisator. Und in der angeberischen Trikotfarbe kam den Eidgenossen der Ausrutscher noch ein bisschen peinlicher vor.

Deshalb wurden neue Jerseys geschneidert, die heute in der feudalen Unterkunft der Schweizer Nationalmannschaft hoch über dem Zürich-See als Auswärtstrikots präsentiert werden. Und weil die Schweiz und Österreich den gleichen Ausrüster haben, gibt es auch für den ÖFB ein neues Outfit zu besichtigen. Dessen unbenommen steht fest, dass die Schweizer die bessere Figur abgeben. Der Effekt des Goldenen Oktobers 2006 ist bei den Österreichern ebenso schnell verpufft, wie sich die aufkeimende Skepsis in der Schweiz verflüchtigt hat.

Gute Vorstellungen und Ergebnisse gegen Argentinien (1:1) und vor allem die Niederlande (2:1), der erste Sieg gegen einen "Großen" seit 1993 und der erste Prestigesieg der Ära Jakob Kuhn, haben die Nationalmannschaft wieder ins Lot gebracht. Und jenes Reservoir aufgefüllt, aus dem die Schweizer seit der WM-Kampagne schöpfen: Das Vertrauen in die eigene Stärke und ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein.

So wundert es auch nicht, dass vor dem neuerlichen Kräftemessen mit dem Team von Josef Hickersberger selbst die Absenzen von Leaderfiguren wie Alex Frei (Hüftarthrose) nicht für große Aufregung sorgen. Auch wenn der beste Stürmer inzwischen schon so lange fehlt, wie ihm nun noch Zeit bleibt, bis zur EURO wieder zu alter Form zu finden.

Zu den Schlüsselpersonalien gehört die Besetzung der Nummer 1 im Tor. Am Samstag wird Fabio Coltori eine weitere Chance erhalten. Er hat zwar einen spektakulären Wechsel vor anderthalb Monaten von den Grasshoppers Zürich zu Real Racing Santander hinter sich, in der Primera Division jedoch seither keine Minute gespielt. Vor dem letzten großen EM-Test Ende März gegen Deutschland will sich Kuhn zwischen Pascal Zuberbühler, Coltori und Diego Benaglio entscheiden.

Dann wird es auch nicht mehr weit hin sein, ehe die Schweiz erfährt, wer nach der EURO der Nationaltrainer sein wird. Noch vor der Endrunde will sich der SFV festlegen. Außer Michel Pont, Kuhns langjährigem Assistenten, drängt sich derzeit keiner auf. Und ob der, wenn es um diesen Posten geht, omnipräsente Ottmar Hitzfeld zur Verfügung stehen wird, scheint angesichts der Hausse, die der Ex-Basler derzeit in München erlebt, mal wieder unwahrscheinlicher.

Kuhn staunt übrigens darüber, wie in Österreich "selbst ehemalige Teamchefs über die Mannschaft herfallen. Stilvoll finde ich das nicht." Obwohl er den österreichischen Auswahlfußball im Vergleich zur Schweiz in Rückstand sieht, weil dort die Ausbildungskonzepte später in Gang gesetzt worden seien, plädierte er doch für den Angeklagten: "Man darf die Grenze zwischen dem Schweizerischen und dem österreichischen Team nicht zu weit ziehen. Hickersbergers Mannschaft ist nicht so schlecht, wie sie dargestellt wird." (Christoph Kieslich*, Basler Zeitung, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 12. Oktober 2007)

*Christoph Kieslich ist Redaktor der "Basler Zeitung", mit der der Standard im Hinblick auf die EURO 2008 kooperiert.
  • DER STANDARD kooperiert in Hinblick auf die EURO 2008 mit der Basler Zeitung.

    DER STANDARD kooperiert in Hinblick auf die EURO 2008 mit der Basler Zeitung.

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