Ex-RAF-Terrorist: "Befreiung war nur gewaltsam möglich"

Redaktion, 11. Oktober 2007, 19:09
  • Artikelbild
    foto: getty images

    Karl-Heinz Dellwo wurde am 20. Juli 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt und kam im Frühjahr 1995 frei.

Karl-Heinz Dellwo erklärt im STANDARD-Gespräch, warum er damals zur Waffe gegriffen hat

Der „Nazifaschismus“ habe bis zum letzten Tag gehalten und musste daher gewaltsam niedergeschlagen werden. So erklärt Karl-Heinz Dellwo, ehemaliger Terrorist der RAF, warum er damals zur Waffe gegriffen hat und sich der Roten Armee Fraktion anschloss.

* * *

Militärattaché Oberstleutnant Andreas von Mirbach und Wirtschaftsattaché Heinz Hillegaard starben am Abend des 25. April 1975. Stunden zuvor waren sie vom „Kommando Holger Meins“ in der deutschen Botschaft in Stockholm als Geiseln genommen worden. Die sechs RAF-Terroristen, darunter auch Karl-Heinz Dellwo, wollten mit dieser Aktion die Freilassung von 26 Gesinnungsgenossen erpressen. Zu diesen zählten auch die RAF-Gründer Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe, die damals schon im Gefängnis saßen.

Doch der Plan ging nicht auf, auch zwei RAF-Terroristen starben, als Sprengstoff explodierte. Warum die RAF damals überhaupt zu den Waffen gegriffen hat, beschreibt Dellwo im STANDARD-Gespräch heute so: „Unsere grundlegende Erfahrung war: Der Nazifaschismus hat bis zum letzten Tag gehalten und musste mit aller Gewalt niedergeschlagen werden.“ Er selbst wollte ein „unumkehrbares Verhältnis“ zur „herrschenden Klasse der Nachkriegszeit, die zum großen Teil von Alt-Nazis gestellt wurde“.

Ausschlaggebend, so Dellwo, sei aber auch der Blick über Deutschlands Grenzen gewesen: „Nirgendwo ist der Imperialismus freiwillig aus seinen Kolonien verschwunden. Algerien, Vietnam, Angola, Südamerika – überall in der Welt gab es bewaffnet Kämpfe um eine eigenständige Entwicklung. Links und Militanz schienen eine Einheit zu sein, die Befreiung von der alten Ordnung war nur gewaltsam möglich.“ Dellwo wurde am 20. Juli 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt und kam im Frühjahr 1995 frei. Da war die RAF schon auf dem Weg zur Selbstauflösung, die dann 1998 erfolgte. Warum scheiterte das Projekt? Dellwo: „Unser revolutionärer Wille entsprach nicht der Reife der Zeit. Irgendwann haben wir gemerkt, wir können uns zwar reproduzieren. Aber das, was die RAF ursprünglich sein wollte – Initiatorin einer großen Bewegung – trat nie ein.“

"Kampf verlor sozialen Gehalt"

Die anfängliche Sympathie der Bevölkerung für die RAF und deren Versuch, die alte Ordnung zu durchbrechen, war dahin. „Man sah, dass der Kampf immer militaristischer wurde. Er verlor seinen sozialen Gehalt und seine emanzipatorische Bedeutung. Deswegen musste man das beenden“, sagt Dellwo, der jetzt als Filmemacher in Hamburg lebt und am heutigen Freitag auf der Frankfurter Buchmesse seine Geschichte mit der RAF präsentiert (Das Projektil sind wir, Edition Nautilus).

An die Opfer der RAF denkt der 55-Jährige noch und meint 30 Jahre danach: „Wenn der Kampf vorbei ist, muss man alle Toten bedauern.“ (bau)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 68
1 2
Josef A.
66
19.12.2008, 16:57
Wie Klar ein Verbrecher, Mörder und Trottel

jan miron11
13
ach Josef A.

es gibt menschen die hötten die welt gerne so einfach erklärt, gell.

peter schmidt
 
03
Ich glaube der grundfehler

war das man in deutschland die linksextremen nicth zu wahlen zugelassen hat. Als staatschutz müsste man in solchen situationen mit geld und personal diskret helfen damit eine partei mit diesen zielsetzungen sich formieren kann.

wenn dann die zu erwartenden resultate von unter einem prozen oder 1-2 prozent eintreten werden die akteure belehrt das sie eben nicht die avantgarde eines volksaufstandes sind und daher nicht jedes mittel gerechtfertigt ist.

vielleicht gabs deswegen in ö. so wenig terror von links und rechts weil beide ihre verankerung bei wahlen überprüfen konnten.

Jürgen Rembremerding
00
13.10.2007, 10:19
Kassengestell, oder?

cybermen
 
00
Fielmann

franz mann
1323
12.10.2007, 11:55
sauerei

dieser kerl dreht munter seine filmchen, redet totalen schwachsinn daher, dieser aufgesetzte anti-faschismus, der sich durch nichts von den nazi mordbanden vor der machtergreifung unterscheidet. ekelhaft einfach. seine opfer liegen unter der erde und können sich nicht mehr wehren und dieser kerl verprüht seine dumm-dreiste ideologie und diese pseudo-rechtfertigungen ncoh immer. keine interviews mehr mit unbelehrten mördern!

Poster -Weil Ich nix zum Sagen habe
910
12.10.2007, 11:46
Manche PosterInnen sind wohl froh ...

... dass so ein Mensch Terrorist wurde ... Jetzt fuehlen sie sich wenigstens moralisch ueberlegen - was Sie intellektuell NIE geschafft haetten ... (Ohne Ihn besser zu kennen scheint er mir sympathischer und vernuenftiger als viele dieser absurden PosterInnen) ...

Timagoras
 
14
17.10.2007, 23:59
Sie finden Dellwo sympathisch, ...

... etliche andere sympathisieren aber eher mit Andreas Baader.
der trug ja nur teure klamotten (seidenhemden) und fuhr Porsche und Mercedes ...

jan miron11
00
ja, dieser herr ist sympathisch und ehrlicher und offener als mancher poster hier

noch was, baader war vielleicht sexy, sympathisch war der nicht, ausserdem fuhr er ohne führerschein und liebte es knarren dabei zu haben....zu der zeit als die raf aufkam, wurde man in meinem heimatort noch, übrigens in ö, fürs zu-dritt-tanzen, verhaftet. kein wunder, dass ich mit der raf symphatisierte......

fibiundchillie
01
teure klamotten

baader war der klassische typ für eine kriminellen-karriere, verzogenes söhnchen eines reinen frauenhaushaltes, auffällig, ich nehme an, Sie kennen die Vita.
im ggsatz zu meinhof u ensslin, die hätten genausogut, sag ich mal, als studienrätinnen oder pastorinnen (hm, zeitlich zu früh?) sozialisiert werden können.
war eine schwierige zeit damals.

PegasusNbW
29
12.10.2007, 13:34
sorry

mir scheint ein mann, der an ermordungen beteiligt war (ohne dass ich ihn näher zu kenne) a priori unsympathisch. und dass er als anhänger derjenigen ideologie, die im letzten jahrhundert die meisten opfer forderte, kleine, de facto unbeteiligte menschen, die keine macht hatten, dinge zu änderen, ermordert hat, weil sie seiner meinung nach für das abstrakte "system" standen, macht ihn auch nicht gerade sympathischer.

jan miron11
01
@pegasus

also da muss ihnen jetzt aber ein kleiner denk-fehler unterlaufen sein.
die meisten unschuldigen opfer im letzten jahrhundert hat dann doch so ein kleiner mann mit viereckigem schnurrbart auf dem leider schon toten gewissen.
bei der wahrheit sollte man auch als neo-ideologe
bleiben. und in der heutigen zeit ist es wie man allerorts sieht und spürt, kein problemchen mehr diesem viereckigen schnurrbart zu huldigen.....nicht gerade heil-bringend....

Luky Pozzo
22
23.10.2007, 11:36

"Anhänger derjenigen Ideologie, die im letzten Jahrhundert die meisten Opfer forderte" - Sie verwechseln offenbar Dellwo mit Horst Mahler, der zum Nazi geworden ist.

NONE
00
24.5.2008, 23:24

Ein Unrecht wiegt nicht ein anderes Unrecht auf.

povoa de varzim
 
64
also die Ideologie, die im 20. Jhd. die meisten Menschenopfer gefordert hat, nämlich ca. 100 Mill., war der Kommunismus.

das nur so am Rande.

Alexei Pavlov
40
24.11.2008, 22:50

Sie luegen.

Versuchen Sie mal, Ihre Behauptungen zu begruenden.

In der Wirklichkeit nahmen die "westlichen Dermokratien" bei weitem mehr Menschen das Leben -- und zwar, brutaler und unbegruendeter, als die Kommunisten.

solodiver
00
30.9.2010, 09:11
Bitte nachschlagen unter "Stalin", "Mao" (Tse Tung/Zedong)

Zitat Maos: >>Es kann gut sein, dass halb China sterben muss<< (im Zusammenhang mit "dem grossen Sprung", den Industrialisierungsbestrebungen des Dritte-Welt- u. Bauernstaates China der Jahre 1958-1961).
Tatsächlich kamen "kalkulierterweise" "bloss" aufgrund der damit zusammenhängenden Misswirtschaft mehr Menschen durch Verhungern, nämlich geschätzte 30-45 Mio. (je nach Bertrachtung der Folgewirkungen wie Seuchen etc.) als in den beiden Weltkriegen insgesamt ums Leben.

Legibus solutus
01
24.11.2008, 12:58

der kommunismus als ideologie an sich hat keine menschenopfer gefordert; es waren jene verbrecher die sich unberechtigterweise als kommunisten bezeichneten und in dessen namen grösstes unrecht begangen wurde - dieser grundlegende unterschied sollte endlich begriffen werden

theres mallinger
00
29.8.2009, 21:40
Selten so einen Quatsch gelesen

Würden Sie dasselbe auch über die Ideologie eines von Ö. nach D. ausgewanderten Postkartenmalers sagen?

completeunknown
00
20.9.2008, 18:01

ein unrecht wiegt das andere nicht auf

povoa de varzim
 
00
20.9.2008, 18:13
das stimmt, nur ...

gings hier darum, eine falsche Behauptung richtigzustellen.

NONE
01
24.5.2008, 23:26

Das ist eine Form der Diktatur.

Die Grundidee eines Kommunismus ist nicht schlecht. Er ist aber Leistungsfeindlich und pauschalisierend, selbst ohne der praktischen Form (der Diktatur).

Auch die jetzige indirekte Demokratie ist eine schwache Form der Diktatur, z.Bsp wenn die Parteifirmen beschliessen, das ihre Machtperiode von 4 auf 5 Jahren ausgedehnt wird, und dies den Wählern nicht einmal mehr zur WAHL stellen.

K Anderl
01
22.7.2008, 21:28
"Die Grundidee eines Kommunismus ...

ist nicht schlecht. Er ist aber Leistungsfeindlich ..."

Diesen Konversationsbaustein aus der Mottenkiste des Technischen Zeitalters habe ich aber jetzt schon lange nicht mehr gehört.

Die Demokratie als eine schwache Form der Diktatur ebenso. Erinnert ein bisschen an: Die Demokratie ist die Staatsform in der das Volk seine Herrscher unblutig abwählen kann.

Wenn wir es uns gefallen lassen, dann haben wir das eben so. Daran wird sich nichts ändern, solange unsere Minister in unseren Schlössern auf goldenen Barock-Sessel sitzen. Da wird ja selbst ein Grüner zum Monarch.

Alexei Pavlov
00
24.11.2008, 22:53

"Die Demokratie ist die Staatsform in der das Volk seine Herrscher unblutig abwählen kann"???

Na dann war wohl die Tschechoslowakei im Jahre, sagen wir mal, 1974, eine Demokratie, oder?

Jeff Lebowsky
30
12.10.2007, 16:27
Insofern...

muss dir dann ja der deutsche Bundeskanzler (oder Präsident) genauso unsympathisch sein...

Oder ist "versteckt" morden dann eh ok?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 68
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.