Von Negerküssen und Mohrenköpfen

Redaktion, 24. Oktober 2007, 20:14
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    foto: matthias cremer

    Was hier angebissen auf einer Sachertorte thront, hieß im Bundesdeutschen bis vor einiger Zeit noch "Mohrenkopf" oder "Negerkuss" - heute korrekterweise "Schokokuss". Im Österreichischen ist es ohnehin eine "Schwedenbombe" ... und im Bayerischen ein "Bumskopf".

Wer bestimmt, was politisch korrekte Sprache ist? Eine Wortschatzanalyse aus der Sprachwissenschaft

Wie kommt es, dass Worte, die noch die Elterngeneration ohne Probleme in den Mund nehmen konnte, heute verpönt sind? Dieser Frage widmete die Sprachwissenschafterin Ulrike Kramer ihre Diplomarbeit. Schon der Titel macht Lust aufs Weiterlesen: "Von Negerküssen und Mohrenköpfen". Im Untertitel wird dann erklärt, worum es in dieser Arbeit tatsächlich geht: Begriffe wie "Neger" und "Mohr" im Spiegel der Political Correctness. Wörter wie "Nigger", "Neger", "Mohr", "Farbiger", "Schwarzer", "Afrikaner" und "Schwarzafrikaner" werden einer Wortschatzanalyse unterzogen. Darüber hinaus wird der Bedeutungswandel, den diese Lexeme im Lauf der Jahrhunderte erfahren haben, ausführlich behandelt.

Die Autorin spannt einen gelungenen Bogen vom ersten Teil der Arbeit, der sich mit Geschichte und Theorie beschäftigt, zum zweiten Teil, der die ausgewählten Begriffe analysiert.

Kultivierte und primitive Exoten

Kurz zum Inhalt: "Im Lauf der Geschichte wurde die dunkle Hautfarbe des Afrikaners immer wieder zu seinem Nachteil ausgelegt." (Zitat S.9). Auch die Tatsache, dass vor allem die Nordafrikaner keine Christen, sondern Muslime waren, was für europäische Christen das selbe bedeutete wie Ungläubige, wurde ihnen als Nachteil ausgelegt. Die erstmalige Begegnung mit Westafrikanern, die unbekleidet waren, hat die Europäer in ihrem Glauben bestärkt, dass Afrikaner ungebildet und kulturlos seien. Im 18. Jahrhundert wurden die Schwarzen zunehmend als "Neger" bezeichnet, "was im Gegensatz zu dem kultivierten Exoten eine primitive Kreatur zeichnete, der die menschlichen Eigenschaften abgesprochen wurden" (Zitat S. 11). Im Zuge der Aufklärung entstehen die ersten Rassentheorien, die dann gegen Ende des 19. Jahrhunderts, vor allem jedoch während des Nationalsozialismus ihre furchtbare Wirkung entfalteten.

Politisch korrekt

Die Kapitel drei und vier sind der Political Correctness gewidmet. Es wird sowohl die Bedeutung im anglo-amerikanischen als auch im deutschen Sprachraum beleuchtet, da der Terminus im deutschen Sprachraum eine eigenständige Entwicklung genommen hat. Gemeinsam ist dem deutschen und dem amerikanischen Political Correctness-Begriff, dass sie mit einer linksorientierten Gesinnung in Beziehung gebracht werden. Die linguistischen Grundlagen von Political Correctness werden sehr ausführlich dargelegt. In der Analyse der lexikalischen Einheiten "Nigger", "Neger", "Mohr", "Farbiger", "Schwarze" und "Afrikaner" benützt Ulrike Kramer eine repräsentative Anzahl an Wörterbüchern als Untersuchungsgrundlage, um den Bedeutungswandel darzustellen. Das Lexem "Neger" wird inzwischen in jedem von ihr untersuchten Wörterbuch als abwertend gekennzeichnet. Sie weist jedoch darauf hin, dass das Wort "Neger" sogar im Schimpfwörterbuch (!) verzeichnet ist.

Sprachalltag

Im Kapitel "Ausblicke und Konsequenzen" wirft die Autorin noch einmal die Frage auf, wie mit dem Wort "Neger" (und auch den anderen hier behandelten lexikalischen Einheiten) im Alltag umgegangen werden soll.

Die Diplomarbeit ist sehr ausführlich und umfassend ausgearbeitet. Ulrike Kramer hat hervorragend recherchiert und auch den gendergerechten Sprachgebrauch der Lexeme untersucht.

Die Ausblicke und Konsequenzen scheinen mit etwas zu kurz beziehungsweise einseitig beleuchtet, da die Autorin nur die Schule als Stätte für Sensibilisierung für den Sprachgebrauch vorschlägt. Es stellt sich die Frage, wie man bildungsferne oder auch ältere Menschen erreichen kann, um sie ebenfalls für dieses Thema zu interessieren. Diese Problematik würde zugleich den Rahmen der Diplomarbeit sprengen, deshalb ist es wünschenswert, über dieses Thema populärwissenschaftliche Bücher zu schreiben, um es so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen.

Die Arbeit "Von Negerküssen und Mohrenköpfen. Begriffe wie Neger und Mohr im Spiegel der Political Correctness - Eine Wortschatzanalyse" (Ulrike Kramer, 2006) ist im Volltext nachzulesen.

Die Autorin
Ulrike Kramer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Die Rezensentin
Ingeborg Lux ist Mitarbeiterin beim Verein textfeld.

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füllhornkäfer
00
28.6.2010, 13:25
Der Hund heißt Kontextverschiebung...

Schwarzafrikaner war einmal als positives Wort gemeint, um der Diskriminierung von "Neger" oder "Schwarzer" entgegenzuwirken, lang ists her.

Element Dawn Productions
00
19.10.2007, 14:51
Die Kultur der Wissensgesellschaft

Tatsächlich entstammt der Begriff PC ursprünglich der Motivation, diffamierende Begriffe durch einen neutral-positiven Wortschatz zu ersetzen. Alsdann schert der Begriff transatlantisch aus: So verwendet Noam Chomsky (Wirtschaft und Gewalt) vom MIT den Begriff fortan für das journalistische mainstream establishment, welches offizielle Sprachregelungen der US-Administration perpetuiert und sämtliche kritische Aspekte ausspart.
Hierzulande hingegen ist PC die Methode der dem Nazi-Deutsch entlehnten "Gutmensch"-Akrobaten à la "Henry" M. Broder oder Josef Joffe (Die Achse des Guten) und der Zukunfts- und Trendforschungsindustrie etwa eines Matthias Horx, dem Stellvertreter Heide Schmidts im IOGE, dem "Institut für eine offene Gesellschaft".

ragna
30
19.10.2007, 13:58
ich finde das ganze...

ehrlichgesagt auch lächerlich.. sprache macht sowieso eine natürliche entwicklung mit, wörter wie "neger" werden viel wehniger benutzt als früher.. das ist ein ganz natürllicher prozess.

Die einzigen die diese wörter benutzen sind lt. tarrentino filmen die schwarzen selber, was ich mir auch nicht vorstellen kann... will man diese filme dann auch auf den index bringen?

per verser
00
19.10.2007, 12:10

schokostich.

flaumig aber knusprig doch zugleich
02
19.10.2007, 18:06

das heißt analverkehr, sie schwe*n !

;)

Nachtwerker
 
00
30.10.2007, 15:17
Warum heissen aber bei uns ...

... die Schwedenbomben grad Schwedenbomben, Hast Du ne Ahnung???

Die Vermutung "Schokostich" ist schon originell, da hast Recht *breitgrins* ...

tatzelwurm
00
19.10.2007, 08:43
Mohr

In Gsibergien leben viele Menschen mit dem schönen Nachnamen Mohr. Und eine Telefonbuchsuche nach dem Nachnamen Neger ergibt österreichweit 71 Treffer. Müssen die jetzt alle eine Namensänderung beantragen?

Jack Lemberg
02
18.10.2007, 20:07

Nichts war soooo gut wie das Negerbrot vom Heller.

saibot
00
10.10.2008, 15:52

gibt's das noch?

gustav gans42
01
15.10.2007, 12:13
beim Blick...

...in mein Börserl mußte ich feststellen: ich bin neger.

backstein werfer
12
15.10.2007, 11:24
schei..e, was machen wir jetzt blos mit...

...dem "zigeunerbraten"?
umbenennen in "roma & sinti-braten" ?

alles bullshit, m.m. nach kommt es wohl eher darauf an, wie man diese wörter benutzt!

meine oma sagt (altersbeding, weil so gelernt und 80 jahr gelebt) "neger" - und meint es aber sicher nicht böse/rassistisch/beleidigend.....

Laura Hansen
02
18.10.2007, 22:35

Roma und Sinti?? Gibts da noch eine dritte Gruppe? Die Lowara? die fühlen sich dann aber sicher ausgeschlossen....jössas, die PC-ness

Urfahraner Auge
10
15.10.2007, 16:30
Linzer Torte, Wiener Schnitzel, Salzburger Nockerl -

eine Beleidigung für Linzer, Wiener und Salzburger?

Evangelista
10
14.10.2007, 20:44
Darf man jetzt am Ende sogar zum Bosniakerl

auch nur mehr "schmales, dunkles Weckerl" sagen???

Laura Hansen
00
21.10.2007, 00:51

..und kein Wienerbrød mehr bei den Wikingern :-(

Dagmar Rehak
 
00
21.10.2007, 16:39

Wie schaut denn das aus?

Evangelista
10
14.10.2007, 20:29
Pablo de Sarasate

"Roma-und-Sinti-Weisen"

lele11
41
13.10.2007, 08:05
MOHR

Auffallend finde ich,dass bei dieser ganzen 3 Seiten Posterei keiner einen menschenfreundlichen Ausdruck als Ersatz fuer Neger findet wie waers mit:afrikastaemmiger Mitbuerger???? :-)

Eustreptospondylus
01
2.11.2007, 08:30

Also ich kenne viele weisse Afrikaner! ;)

solandre
 
01
18.10.2007, 21:36
wozu benötigen sie eine explizit menschenfreundlichen begriff?

in welchen situationen im alltag benötigen sie einen solchen, mit dem alle menschen dunkler hautfarbe jedoch wieder - auf "freundliche" art (?) - über einen kamm geschoren werden?

meiner meinung nach gibt es keinen, ausser der einer personenbeschreibung. dann können sie von heller über brauner und dunkler bis zu schwarzer hautfarbe variieren und es wird völlig neutral - weder freundlich noch unfreundlich - bleiben.

ich ziele darauf ab zu zeigen, dass diese gesamte begriffsucherei einfach unsinnig ist. ein gefundener begriff kann nur verallgemeinernd sein und ist damit per se anfällig für vorurteile.

Martha B.
10
Österreicher - abschaffen.

pirat2
 
13
16.10.2007, 23:02

Wie schaut´s dann mit dem Heurigen "Mohrenberger" in Perchtoldsdorf aus :)) ?
Es lebe die Unkorrektness.
Besser ein Mohr im Hemd als ein Nazi im Hirn.

Vlatka Frketic
10
16.10.2007, 13:21
Rassistische Begriffe in Titel

Das N*-Wort und das M*Wort ausgeschrieben im Titel sagt schon sehr viel aus, über den Respekt Minderheiten und deren Selbstbezeichnungen gegenüber, die hier total ausgeblendet werden. Mit der Verwendung dieser Begriffe wird der Rassismus (nicht nur auf sprachlicher Ebene) weiter reproduziert und verfestigt.

blumentopferde
02
18.10.2007, 21:46
sprachpolizei?

ich habe als kind nerger(innen)brot und mohr(innen) im hemd gegessen, und habe erstaunlicher weise noch keine rassistische karriere hinter mir...

ich sehe keinen grund dafür, allseitsbekannte bezeichnungen für Süßspeisen nicht mehr aussprechen zu dürfen. diese bezeichnungen bieten in diesem kontext keinen platz für negative assozitionen oder auslegungen... es handelt sich um süßigkeiten, vedammt noch mal!

überhaupt ist mir ihr sprachpolizeilicher ansatz zu wider... es gibt also tabuworte, über die man nicht einmal diskutieren darf... wunderbar... halten sie uns auf dem laufenden, damit wir wissen worüber wir in zukunft nicht mehr reden dürfen!

Caput Femoris
01
15.10.2007, 13:00

Was halten Sie von "Schwarzer"?

Das reduzierts aufs wesentliche. Und ich glaub nicht, dass man das herabwertend auffassen kann...

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