Neue Wege in der Pflege

16. Oktober 2007, 14:58
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Ausbildungsangebote im Bereich Pflegewissenschaft und Gesundheitsmanagement sind im Umbruch - neue Angebote entstehen, andere laufen aus

In anderen Ländern ist sie schon eine Selbstverständlichkeit, in Österreich noch Verhandlungssache: Die Ausbildung der Pflegewissenschaft in Kombination mit Krankenpflege- Diplom. Neben der Pflegewissenschaft gilt Pflegemanagement als aussichtsreiches Berufsfeld. Öffentliche, private Universitäten und Fachhochschulen bieten Studiengänge an - ein Überblick.

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"Wir sind gemeinsam mit Deutschland und Luxemburg Schlusslicht in Europa. Unsere langjährige Forderung ist es, die Ausbildung auf ein tertiäres Bildungsniveau anzuheben", meint Gerda Mostbauer, Vorsitzende der ÖGB-Fachgruppenvereinigung für Gesundheitsberufe. Die Ausbildung ist quasi von der Krankenpfleger- Grundausbildung abgekoppelt. "Das ist die Lücke. Man muss neben oder nach dem Studium den Quellenberuf zusätzlich erlernen", so Mostbauer.

Gesetzliche Rahmenbedingungen fehlen

Das Problem sei laut Mostbauer, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen noch nicht gegeben sind: "Die Unterstützung von Seiten der Bildungspolitik war bislang gering hier etwas zu schaffen." Es gäbe Bewegungen, aber der Durchbruch wurde noch nicht erreicht. "Ein Lehrstuhl für Pflegewissenschaften steht zumindest im Regierungsprogramm", meint Mostbauer.

Keine Pflegewissenschaft mehr an der Uni Wien

"Geplant war Bakkalaureat mit Diplom an der MedUni Wien. Das scheiterte konkret noch bei den Budgetverhandlungen. Das individuelle Studium Pflegewissenschaft ist ausgelaufen, das kann nicht mehr inskribiert werden", informiert Institutsvorständin Hanna Mayer über den Stand der Dinge an der Universität Wien.

Reguläres Hochschulstudium in Graz

Die Medizinische Universität Graz bietet derzeit das einzige reguläre Hochschulstudium der "Gesundheits- und Pflegewissenschaft" an einer öffentlichen Universität an. "Bereits seit 1984 hat Graz im Rahmen des Studiums der Pädagogik pflegewissenschaftliche Vorlesungen in der Fächerkombination angeboten", informiert Christine Foussek, Vorsitzende der Grazer Gesellschaft der Pflegewissenschaft.

Seit Wintersemester 2004 hat Graz das erste Studium der Pflegewissenschaft in Österreich als Vollstudium an der MedUni fest verankert. Seit diesem Semester wird auch ein Masterstudium geführt. "Studierende können nach Abschluß des Studiums, wenn sie noch kein Pflegediplom haben und in der Gesundheits- und Krankenpflege arbeiten möchten, eine ergänzende oder verkürzte Ausbildung anschließen", informiert Foussek.

UMIT bietet Kombistudium

Mit dem "Kombistudium Pflege" bietet die Privatuniversität UMIT den einzig direkten Weg an, sowohl das Berufsdiplom, als auch das Bakkalaureat der Pflegewissenschaft zu bekommen. Möglich ist das durch Zusammenarbeiten mit Ausbildungszentren und Spitälern in Tirol, Linz und Wien.

"Das Modell auf der UMIT ist eine typisch österreichische Lösung. Vorerst ist das interessant, aber hoffentlich kein Endergebnis. Im Moment läuft die Diskussion, die Pflegegrundausbildung an den Fachhochschulen anzusiedeln", so Elisabeth Rappold, Vorsitzende der Gesellschaft der Pflegewissenschaft.

Paracelsus

Seit Oktober wird an der Paracelsus Privatuniversität Salzburg neben dem Studium der Humanmedizin nun erstmalig ein Studium der Pflegewissenschaft angeboten. Die Einbettung der Universität in die Salzburger Landeskliniken unterstützt den Praxisbezug. Die Studiengebühren betragen jährlich 4.000 Euro, die Studiendauer für das Bakkalaureat beträgt sechs Semester.

Gesundheitsmanagement an FHs

Gesundheitsmanagement konzentriert sich auf Organisieren von gesundheitsbezogenen Dienstleistungen. Das bedeuted, dass der Arbeitsbereich in zahlreichen sozialen oder gesundheitsbezogenen Institutionen, von Selbsthilfegruppen über Kranken-, Unfalls- und Pensionsversicherung liegt. Im Studium werden Schwerpunkte wie Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Humanbiologie und Gesundheitswissenschaften oder Technik verbunden. In Österreich bieten zum Beispiel die Fachhochschulen in Krems, Kärnten oder Pinkafeld Studiengänge an. (jus, derStandard.at/ 16.10.2007)

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    foto: standard/ christian fischer
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