Meister des Bodens

Redaktion, 11. Oktober 2007, 15:50
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    foto: weingut prager

    Weingut Prager, 3610 Weissenkirchen 48, Tel. 027 15/ 22 48;

Weingut Prager Grüner Veltliner Achleiten 2006 von Toni Bodenstein

Der Lage und nichts als der Lage ist Toni Bodenstein verpflichtet, der mit seiner Heirat mit Ilse Prager Mitte der 80-er Jahre vom Weinviertler sozusagen zum Wachauer wurde. Mit der Geschichte, Philosophie und Kultur dieses jetzt im Herbst einmalig schönen Gebiets hat er sich derart intensiv auseinander gesetzt, sodass er sogar zum Bürgermeister von Weissenkirchen gewählt wurde. Wer Prager sagt, muss auch Achleiten sagen. Das ist jene rund 19 Hektar große Lage hinter Weißenkirchen, die, fährt man flussaufwärts kurz, vor der Ortstafel beginnt und sich hinter Weißenkirchen hinaufzieht, wo sich das Donautal wie die Sitzränge eines Stadions zu einem Becken zu erweitern beginnt. Etwa zweieinhalb Hektar auf Achleiten gehören zum Pragerschen Weingut, auf denen vor allem Riesling steht, der auch die Hauptsorte Bodensteins ist. Die Besonderheit der Achleiten ist ein äußerst karger steiniger Boden aus drei verschiedenen Typen Gneis, der sich im Wein als typische zart rauchige Note widerspiegelt. Bodenstein ist ein großer Experimentierer vor dem Herrn und ein Meister darin, das Terroir einer Lage herauszuarbeiten. Um die Möglichkeiten der Sorte auszuloten, pflanzte er zu Beispiel eine Minifläche Veltliner, 25 ar, in der mühsam zu bearbeitenden Stockkultur, einer Erziehungsform, die in der Wachau bis in die 1950-er Jahre üblich war, die zwar weniger Ertrag, aber höhere Pflanzdichte bringt.

Bodenstein arbeitet seit Anfang der 1990-er Jahre mit Stahltanks, um die Finesse der Weine zu betonen. „Auf meinen Böden sind Powerweine einfach nicht möglich“, erklärt er dazu. Vergoren wird „kontrolliert spontan“: Ein ganz kleiner Teil des zu lesenden Weingartens wird vorab gelesen und spontan vergoren. Damit „impft“ er die Haupternte und setzt so die Vergärung in Gang. . Unter Pragers prächtiger Riesling-dominierter Serie einen Veltliner herauszuheben, mag schräg erscheinen. Aber der Grüne Veltliner Achleiten 2006 spielt derzeit in beeindruckender Weise mit seinen Facetten, was er im Frühling zu Zeiten der Smaragdpräsentation um den 1. Mai herum, selten macht (gilt ebenfalls für Riesling). Er ist ein Musterbeispiel für einen Veltliner, der unter extrem kargen Bodenbedingungen wächst. Während die Rebsorte auf Löss gewachsen vor allem mit würziger Power glänzt, entwickelt er auf Stein unter Bodensteins Behandlung Eleganz und Sehnigkeit. Genau damit glänzt Veltliner Achleiten und beeindruckt durch Zartheit. Feine Fruchtaromen nach Quitte und Grapefrucht, ausgeprägte Mineralität und Geradlinigkeit bei hoher Komplexität zeichnen diesen Wein aus, dem man durchaus Lagerzeit gönnen sollte. Ihn allzu jung zu trinken, würde bedeuten, dass man sich das große geschmackliche Vergnügen nimmt, die ungeheure Vielschichtigkeit und Terroir voll auszukosten. (Luzia Schrampf, derStandard.at)

Der Wein ist über den Fachhandel zu beziehen und kostet z.b. bei Wein & Co 31,24 € (Einzelflasche)
  • Glückliche Fügung [12]

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