Ausgestottert

16. Oktober 2007, 13:12
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Schöner sprechen: Logopädie umfasst Sprach-, Sprech- und Stimmtherapie von der Wiege bis zur Bahre und lässt sich im Rahmen einer FH-Ausbildung erlernen

Logopädie gilt weithin als ein Traumberufsfeld, was sich auch in den Zahlen der Bewerbungen für diesen Fachhochschulstudiengang bemerkbar macht: "Rund 300 Studenten bewerben sich für die Aufnahmeprüfung, von denen wir letzten Endes 20 nehmen", erzählt die Studiengangsleiterin Eveline Wild derStandard.at. "Genommen werden kontakt- und kommunikationsfreudige Menschen, die sozial engagiert sind und einwandfrei sprechen" fährt Wild fort. Da dieser Kommunikationsberuf sehr nahe am Patienten ist, sei er "stark persönlichkeitsbezogen". Die aufgenommenen Klassen bestehen laut Wild aus einem "bunten Mix": Quer durch die Altergruppen sei alles vertreten, die Studierenden kommen aus ganz unterschiedlichen Richtungen.

Über Umwegen zur richtigen Ausbildung

Eine von denen, die es geschafft haben, ist Katharina Kneidinger (24). Vor Beginn des Logopädiestudiums hat sie schon viele Erfahrungen im Ausbildungsbereich gesammelt: Nach einem Studium der Musikwissenschaft ist sie durch eine Sprechausbildung auf die Idee gekommen Logopädie zu studieren, denn: "Sprecher sein allein reicht mir nicht, dafür ist mir die Arbeit mit Menschen viel zu wichtig."

"Geregeltes System ist wichtig für die Entwicklung"

An der Fachhochschule schätzt Katharina "das geregelte System", denn dieses sei "wichtig für die Entwicklung". Dieses strukturierte Leben möchte sie später einmal an ihre Familie weitergeben, weil Rituale und wiederkehrende Abläufe ihrer Meinung nach von der Gesellschaft benötigt werden. Sie genießt hier neben dem Fachlichen die Klassengemeinschaft, den festen Stundenplan und das Lernen in Kleingruppen. Dennoch ist Katharina froh, dass sie nicht gleich nach der Matura mit einer Fachhochschule begonnen hat, denn dann hätte sie dieses geregelte System sicher nicht so gut hätte annehmen können.

Die Männer fehlen

Trotz vieler verschiedener Persönlichkeiten in der Klasse, liegt Wild ein Thema besonders am Herzen: Die Männer fehlen. In der Klasse von Katharina sind 19 Frauen und ein Mann. "Mit 95 Prozent Frauen ist dieser Beruf stark weiblich dominiert" erläutert Wild. Gerade in diesem Bereich würden aber Männer dringend benötigt werden. Denn beispielsweise bei Stotterern, wo eine männliche Häufung zu verzeichnen ist, würden sich viele mit einem männlichen Therapeuten leichter tun, so die Studienprogrammleiterin.

Umstellung Akademie-FH

Auch die Logopädie-Phoniatrie-Audiologie wurde im Zuge der allgemeinen Umstellungen von Akademien zu Fachhochschulen mit diesem Jahr umgestellt. Wild wertet diesen Schritt grundsätzlich positiv: "Durch die Umstellung vom Akademiebetrieb zur Fachhochschule kommt es zu einer Akademisierung der Logopädie. Das heißt nach dem Bachelor-Studium ist es den Studenten möglich noch einen Master und dann noch einen Doktor dranzuhängen." Die Selbstverantwortung der Studierenden wurde durch die Umstellung verstärkt. Es kam zu einer starken Entschulung, erläutert Wild.

"Studium ist die Basis der Arbeit"

Eine, die schon mittendrin ist im Bereich der Sprach-, Sprech- und Stimmtherapie ist Angelika Wiesinger (23). Seit zwei Jahren ist sie Logopädin auf der Hals-, Nasen-, Ohren-Abteilung (HNO) im Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel. Auch sie hat drei Jahre lang Logopädie studiert und sagt rückblickend über ihre Schule, dass das "Studium die Basis der Arbeit stellt, mit der du dann zu tun hast". Somit bereite das Studium sowohl theoretisch als auch praktisch gut auf den zukünftigen Beruf vor. Trotzdem müsse man sich gerade in diesem Job ständig weiterbilden.

"Von der Wiege bis zur Bahre"

Was Angelika an ihrem Beruf besonders schätzt, ist die große Abwechslung: "Die Arbeit mit den Kindern hier erfordert ganz andere Kompetenzen als die Arbeit mit erwachsenen Patienten." Kinder müsse man spielerisch motivieren können, dürfe keine Minute abwesend sein, wohingegen sich bei Erwachsenen die Therapie ruhiger gestalte, dafür müsse man hier fachlich mehr punkten. Die Logopädin betreut neben kleinsten Kindern auch sterbende Menschen: "Wenn man erst einen Patienten, der am Ende seines Lebens steht, betreut und danach eine Therapie mit einem dreijährigen Kind hat, dann reißt einen das wieder richtig zurück ins Leben." (Sophie Leitner, derStandard.at, 15.10.2007)

  • Angelika Wiesinger mit ihrem Patienten Iram Nebosis (4). Die beiden machen mundmotorische Übungen gegen eine Schluckstörung.
    foto: a. wiesinger

    Angelika Wiesinger mit ihrem Patienten Iram Nebosis (4). Die beiden machen mundmotorische Übungen gegen eine Schluckstörung.

  • Angela Ruf (5) lernt gerade eine Übung zur F-Laut-Anbahnung. Sie hat teilweise phonologische Störungen.
    foto: a. wiesinger

    Angela Ruf (5) lernt gerade eine Übung zur F-Laut-Anbahnung. Sie hat teilweise phonologische Störungen.

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