Spitzenforscher Josef Broukal? Umfrage liefert skurrile Ergebnisse

Redaktion, 22. Oktober 2007 12:38
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    Foto: matthias cremer

    Rien ne va plus: Österreich hat sein "Pin-Up der Forschung" gewählt.

Für Wahl zum "Pin-Up der Forschung" wurden 1.000 wahlberechtigte Österreicher befragt - ein Teil sah auch Staatsoperndirektor Holender in der Wissenschaft

Wien - Es müsse mehr getan werden, um die Forschung zu popularisieren - das schloss Wissenschaftsminister Johannes Hahn umgehend aus den skurrilen Ergebnissen, die eine im Auftrag des Ministeriums erstellte Umfrage lieferte. Für die Wahl zum "Pin-Up der Forschung" wurden im August telefonisch 1.000 wahlberechtigte Österreicher befragt - unter den "Nominierten" fanden sich dann neben Anton Zeilinger auch Namen wie Josef Broukal oder Staatsoperndirektor Ioan Holender ...

Zwei Drittel der Befragten konnten überhaupt keinen österreichischen Forscher (beziehungsweise - der offenen Fragestellung gemäß - wen sie für einen solchen hielten) nennen - den übrigen fiel so mancher Name ein, der nicht immer ins Schwarze traf.

Das Ranking

Quantenphysiker Anton Zeilinger landete mit elf Prozent auf Platz eins, immerhin - gefolgt aber bereits von der ersten Themenverfehlung in Form von SPÖ-Wissenschaftssprecher und Ex-"Modern Times"-Präsentator Josef Broukal. Platz drei belegte der Unterwasserforscher Hans Hass (beide knapp über sechs Prozent), auf Rang vier landete Staatsoperndirektor Ioan Holender (5,5 Prozent).

Anschließend folgten die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, der Molekularbiologe Josef Penninger, die Wissenschaftstheoretikerin Helga Nowotny, der Philosoph Konrad Paul Liessmann, der Mathematiker Rudolf Taschner und der schon lange verstorbene Verhaltensforscher Konrad Lorenz.

Noch skurriler die Ergebnisse der ebenfalls durchgeführten gestützten Abfrage, bei der Namen vorgegeben wurden: "Absolutes Pin-Up der Forschung" wurde laut Hahn dabei Broukal vor Holender, Hass, Zeilinger und Nowotny. Die Nennung Broukals als ehemaliger "Mr. Forschung des ORF" und von Hass konnte sich der Minister noch erklären - "aber Holender?" Die prominente Platzierung Nowotnys führte Hahn auf die Namensgleichheit mit dem Bawag-Chef zurück, Konrad Lorenz ("dem tut auch schon einige Jahre nichts mehr weh") und Hass seien offenbar vor allem Älteren ein Begriff gewesen.

Flache Eindrücke

Auch auf anderen Gebieten zeigten die Österreicher Lücken: Auf die Frage nach einem Forschungsergebnis, das sie besonders fasziniert oder beeindruckt hat, konnten 60 Prozent keine Antwort geben. Der Rest gab laut Hahn vor allem "diffuse Antworten": Am häufigsten wurden "Medizin allgemein" (5,6 Prozent) und "Krebsforschung bzw. Onkologie" (fünf Prozent) genannt, vier Prozent benannten diverse Teilgebiete der Medizin. Immerhin 3,3 Prozent war die Quantenphysik bzw. "Beamen" ein Begriff.

Insgesamt fühlen sich die Österreicher von den Medien nicht ausreichend über Forschung informiert: 64 Prozent meinten, dass eher zu wenig darüber berichtet wird, 28 Prozent halten die Berichterstattung für ausreichend, acht Prozent gaben keine Antwort.

Ich kann den Leuchtturm noch nicht sehn ...

Für Hahn zeigt die Umfrage, dass man in der Wissenschaft Personen brauche, die auch "Forschungsverkäufer" sind und der Forschung ein Gesicht geben. In der Bevölkerung gebe es nur ein "vages Grundverständnis, was Forschung bewirken kann". Er hoffe, dass Österreicher in den nächsten zehn Jahren wieder einen Nobelpreisträger hervorbringt - "wir brauchen so einen Leuchtturm".

Broukals Reaktion

SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal reagierte auf seine Kür zum "Pin-Up der Forschung" mit Kritik an der Umfrage selbst: "Es gibt nicht den geringsten Grund, einen Wissenschaftsjournalisten auf eine Liste zu setzen mit Menschen, die diese Öffentlichkeit nicht haben, sich dafür aber tagtäglich in der Forschung einsetzen." Der Titel sei "ehrenvoll, aber unverdient", die Umfrage des Ministeriums "sehr skurril". Broukal weiter: "Ich kann nur hoffen, dass diese Menschen, die diese Art von Studie gemacht haben, künftig von der Formulierung von Umfragen ferngehalten werden". (APA/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 94
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F G
15.10.2007 12:16
Hahn tritt die Nachfolge Gorbachs an.

smea_gol
14.10.2007 11:43

dieses wissenschaftsministerium ist ein armutszeugnis für die österreichische Republik.

Ne Vim
12.10.2007 16:59
"Pin-up der Forschung"

ist ein dummer Ausdruck

bobsetten
12.10.2007 15:28
ich brich nieda

collector1
12.10.2007 14:50

Außerdem stellt sich die Frage, welche Wissenschafter-Forscher sind wirklich aus Österreich und nicht eingebürgerte Deutsche etc. um "in" zu sein muß ein Forscher-Professor aus dem Ausland kommen, da "Hausberufungen" nichts gelten. Das sollte man auch bedenken.

Nicko68
12.10.2007 15:19
Hausberufungen gelten vor allem in Deutschland ...

als verpönt ... deshalb werden Forscher auch oft zB in Österreich "zwischengeparkt" und ziehen dann nach ein paar Jahren hier wieder ab. In Österreich spricht meiner Erfahrung nach nichts gegen Hausberufungen bzw. sind hier eher üblich (als zumindest in Deutschland).

Nicko68
12.10.2007 14:28
Die Namensgleichheit von ...

Ewald und Helga Nowotny hat einen Grund. Sie sind verheiratet und ... manchmal wird ein Untersuchungsdesign in der (ministerialen) Bürokratie so verfremdet, dass das Ausgangsdesign nichts mehr mit der Enduntersuchung gemein hat. Das sollte allerdings ein hochverdienter (sic!) Wissenschaftsjournalist, der noch dazu jahrelang beim ORF gearbeitet hat wenn schon nicht wissen so doch vermuten können.

berti russell
12.10.2007 13:53

"forschungsverkäufer"
"nobelpreisträger in den den nächsten zehn jahren"

ach, gio, wärst du nur in deiner alten branche geblieben.

vor allem haben wir ahnungslose wissenschaftsministerInnen.

mikromalist
 
12.10.2007 13:48
Wenn ich ein Kabinett aufstellen dürfte.

Bundeskanzler: der von "... das ist meine Bank"
Forschungsminister: "der Zahnpasta Dr."
usw.

Absolute Mehrheit gesichert.
Teutates sei Dank, darf ich nicht..

AlBundyFan
 
12.10.2007 12:03
kann mich broukal nicht anschliessen

die umfrage hat doch eines eindeutig gezeigt: die österreich sind dumm und uninformiert und es ist ihnen alles wurscht.

und für diese studienaussage war die fragestellung perfekt.

Liam N.
12.10.2007 16:36
na ja...

...wenn ich da an Umfragen in Amerika denke...

btw. die Österreicher (mit er am Ende)

interessant ist auch die Formulierung - damit schließt sich der Schreiber selber von den "Dummen" aus... meißt ist das Gegenteil der Fall...

Schäferhund vom Pavillon E
12.10.2007 11:40
Ich HOFFE dass wir einen Nobelpreisträger haben werden???

1. War die flotte Elfi vor nicht allzulanger Zeit Nobelpreisträgerin.

2. Sollte Hahn statt "hoffen" auf "Tun" umsatteln und das Budget der Unis anheben bzw. dies der ÖVP zu vermitteln. Weil Nobelpreisträger fallen nicht vom Himmel - schon gar nicht in den naturwissenschaftlichen Disziplinen.

Grenzfall
12.10.2007 11:39
Aus dem Ausland schallt es laut:

"Hahahahahahaahahahahahahahahahaa!!!!!!!!!!"


Anaxagoras
12.10.2007 10:57
Ein makabres Schlaglicht auf die österreichische.....

....Forschungslandschaft.

Spaceman Spiff
12.10.2007 10:36

Die Krone und die Gratisblaetter haben keine Wissenschaftsseite.

trollvottel
12.10.2007 10:32

Da zeigt sich mal wieder, was der typische Österreicher so von Bildung hält ... TV-Sprecher als Spitzenwissenschaftler, ein Quark-Scharlatan als Österreichs Topforscher, eine Häkellehrerin als Vernichterin der Unis und ein fesch grinsender Autoverkäufer, der vom Versagen im Finanzministerium zum Scheitern an simplen Börsenregeln übergeht. Ois suppa, her mit dem Numerus Clausus .. Eine Schande.

adebar
12.10.2007 12:34
Sie haben Ihren Nick falsch geschrieben!

Naja, einen Wissenschaftler, der soeben die Isaac Newton Medal bekommen hat als Quark-Scharlatan zu bezeichnen, wirft schon etwas Licht auf Ihren wissenschaftlichen Horizont...

uni kum
12.10.2007 10:12

Für einen Nobelpreis brauchen wir aber ein hahnbrechendes Ergebnis.

Flann O'Brien
12.10.2007 10:08

Kein Wunder, dass die Österreicher so desaströs informiert sind. Der ORF z. B. beschränkt seinen Bildungsauftrag auf Religion, Sport und Volksmusik.

zampano 1000
14.10.2007 20:51
Wie soll man sonst die Leute im Wachkoma halten?

buschmanns
12.10.2007 12:23

schon mal wochentags zwischen 19.05 und 19.30 ö1 gehört? oder vermissen sie wissenschaftliche sendungen auf ö3?

Tobias Freibel
12.10.2007 14:31

ORF steht da!

Easy Rawlins
12.10.2007 15:56

Und wo gehört Ö1 wohl dazu, wenn nicht zum ORF?

Tobias Freibel
12.10.2007 16:39

bedauerlicherweise hört das hald kaum jemand, wie man sieht. Im allgemeinen wir unter ORF schon das Fernsehen gemeint.

Flann O'Brien
12.10.2007 12:29
Hab mich unpräzise ausgedrückt.

Meinte des Österreichers allerliebstes Medium, das Fernsehen.
Ö1 nehm ich explizit aus.

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