Für Wahl zum "Pin-Up der Forschung" wurden 1.000 wahlberechtigte Österreicher befragt - ein Teil sah auch Staatsoperndirektor Holender in der Wissenschaft
Wien - Es müsse mehr getan werden, um die Forschung zu
popularisieren - das schloss Wissenschaftsminister
Johannes Hahn umgehend aus den skurrilen Ergebnissen, die eine im Auftrag des Ministeriums erstellte Umfrage lieferte. Für die Wahl zum "Pin-Up der Forschung" wurden im August
telefonisch 1.000 wahlberechtigte Österreicher befragt - unter den "Nominierten" fanden sich dann neben Anton Zeilinger auch Namen wie Josef Broukal oder Staatsoperndirektor Ioan Holender ...
Zwei Drittel der Befragten konnten überhaupt keinen
österreichischen Forscher (beziehungsweise - der offenen Fragestellung gemäß - wen sie für einen solchen hielten) nennen - den übrigen fiel so mancher Name ein, der nicht immer ins Schwarze traf.
Das Ranking
Quantenphysiker Anton Zeilinger landete mit
elf Prozent auf Platz eins, immerhin - gefolgt aber bereits von der ersten Themenverfehlung in Form von SPÖ-Wissenschaftssprecher und
Ex-"Modern Times"-Präsentator Josef Broukal. Platz drei belegte der
Unterwasserforscher Hans Hass (beide knapp über sechs Prozent), auf
Rang vier landete Staatsoperndirektor Ioan Holender (5,5 Prozent).
Anschließend folgten die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, der
Molekularbiologe Josef Penninger, die Wissenschaftstheoretikerin
Helga Nowotny, der Philosoph Konrad Paul Liessmann, der Mathematiker
Rudolf Taschner und der schon lange verstorbene Verhaltensforscher
Konrad Lorenz.
Noch skurriler die Ergebnisse der ebenfalls durchgeführten
gestützten Abfrage, bei der Namen vorgegeben wurden: "Absolutes Pin-Up
der Forschung" wurde laut Hahn dabei Broukal vor Holender, Hass,
Zeilinger und Nowotny. Die Nennung Broukals als ehemaliger "Mr.
Forschung des ORF" und von Hass konnte sich der Minister noch
erklären - "aber Holender?" Die prominente Platzierung Nowotnys
führte Hahn auf die Namensgleichheit mit dem Bawag-Chef zurück,
Konrad Lorenz ("dem tut auch schon einige Jahre nichts mehr weh") und
Hass seien offenbar vor allem Älteren ein Begriff gewesen.
Flache Eindrücke
Auch auf anderen Gebieten zeigten die Österreicher Lücken: Auf die
Frage nach einem Forschungsergebnis, das sie besonders fasziniert
oder beeindruckt hat, konnten 60 Prozent keine Antwort geben. Der
Rest gab laut Hahn vor allem "diffuse Antworten": Am häufigsten
wurden "Medizin allgemein" (5,6 Prozent) und "Krebsforschung bzw.
Onkologie" (fünf Prozent) genannt, vier Prozent benannten diverse
Teilgebiete der Medizin. Immerhin 3,3 Prozent war die Quantenphysik
bzw. "Beamen" ein Begriff.
Insgesamt fühlen sich die Österreicher von
den Medien nicht ausreichend über Forschung informiert: 64 Prozent
meinten, dass eher zu wenig darüber berichtet wird, 28 Prozent halten
die Berichterstattung für ausreichend, acht Prozent gaben keine
Antwort.
Ich kann den Leuchtturm noch nicht sehn ...
Für Hahn zeigt die Umfrage, dass man in der Wissenschaft Personen
brauche, die auch "Forschungsverkäufer" sind und der Forschung ein
Gesicht geben. In der Bevölkerung gebe es nur ein "vages
Grundverständnis, was Forschung bewirken kann". Er hoffe, dass
Österreicher in den nächsten zehn Jahren wieder einen
Nobelpreisträger hervorbringt - "wir brauchen so einen Leuchtturm".
Broukals Reaktion
SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal reagierte auf seine Kür zum "Pin-Up der Forschung" mit Kritik an der Umfrage selbst: "Es gibt nicht den geringsten Grund, einen
Wissenschaftsjournalisten auf eine Liste zu setzen mit Menschen, die
diese Öffentlichkeit nicht haben, sich dafür aber tagtäglich in der
Forschung einsetzen." Der Titel sei
"ehrenvoll, aber unverdient", die Umfrage des Ministeriums "sehr
skurril". Broukal weiter: "Ich kann nur hoffen, dass diese Menschen, die diese
Art von Studie gemacht haben, künftig von der Formulierung von
Umfragen ferngehalten werden".
(APA/red)