So wurden die USA zur internationalen Telefonzentrale

31. Oktober 2007, 10:01
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Geheimdienst NSA belauscht Gespräche aus Europa und dem Rest der Welt - Neue Technologien nehmen Behörde Vorteil bei Terrorbekämpfung

Die Vereinigten Staaten von Amerika spielen in der Geschichte des Internets eine wichtige Rolle. Dort wurde die neue Form der interkontinentalen Kommunikation nicht nur erfunden, nach wie vor verläuft ein Großteil der Internet- und Telefonleitungen durch das Land der Bush-Administration. Experten stellen dabei allerdings einen Rückgang fest und machen immer weiter darauf aufmerksam, dass Anrufe - welche durch die USA geleitet werden - schon seit einiger Zeit nicht mehr sicher sind. Auf diese Missstände wies nun das US-Magazin Wired hin.

Erfolgsgeschichte

Wirtschaftliche Gegebenheiten sorgten in der Vergangenheit dafür, dass ein Großteil der Leitungen heutzutage nach wie vor durch die USA verläuft. Umso bedenklicher ist es, dass sich die National Security Agency (NSA) seit rund einer Woche per Gesetz in der Position befindet, Telefonate - auch jene aus Europa und dem Rest der Welt -, abzuhören. Auch der Internetverkehr würde durch die NSA in diversen Zentralstellen überprüft. Grünes Licht dafür gaben die im US-Kongress mehrheitlich vertretenen Demokraten, die den sogenannten RESTORE Act verabschiedeten.

Weiter berichtet Wired, dass die Bush-Administration der Welt glaubend machen will, dass der internationale Datenverkehr in den USA zunehme. Realistischer und vor allem glaubwürdiger sind allerdings die Meinungen von Experten, wonach dieser in den vergangenen Jahren signifikant gesunken sei.

Rückblick

Zurückzuführen ist der vergleichsweise hohe Traffic durch die Vereinigten Staaten auf über hundert Jahre alte Preismodelle der Internationalen Telekommunikation Union. Nach der damaligen Preispolitik gilt es für Entwicklungsländer und kleine Länder höhere Gebühren zu bezahlen als etwa von den USA. Dies hat unter anderem zufolge, dass es billiger sein kann Telefonate in Nachbarländer an die Vereinigten Staaten zu koppeln.

Zentrale Stellen

Begonnen hat die weite Verbreitung von Internetverkehr in den 1990er Jahren. Damals wurde etwa auch der Internetverkehr aus Asien von der Westküste bis zu Ostküste geleitet, sagt Bill Woodcock, Forschungsdirektor von Packet Clearing House.

Zentrale Stellen des grenzüberschreitenden Internetverkehrs fremder Länder bieten die Städte Miami, Los Angeles, New York und San Francisco Bay Area. Den meisten Datenverkehr zwischen Südamerikanischen Ländern und Europa würde Miami sehen. Um die Kosten geringer zu halten senden Nachbarländer Daten an die USA welche diese wiederum nach Europa umleiten. Den selben Weg wandern die Pakete auch zurück, wie Bill Manning, ein Partner von ep. net., erklärt.

Woodcock hingegen führte aus, dass der Internetverkehr aus Asien nach wie vor die gesamten Vereinigten Staaten durchkreuze, beginnend in Los Angeles. Dieser verlasse die Staaten anschließend in New York und verlaufe durch Unterseekabel nach Europa.

Beckert erklärte des weiteren, dass es für die NSA ganz simpel wäre spezifische Telefonate abzuhören, man müsse dafür lediglich die richtige Einrichtung wählen. "Es gibt drei oder vier Gebäude die abgehört werden müssen", so Beckert. Eines davon befände sich in Los Angeles, die beiden anderen in Miami und New York.

Demokraten

In den 1990er Jahren war es aufgrund mangelnder Technologie schwierig Abhörungen von Internetverkehr und Telefonaten zu tätigen, anders sahen die Begebenheiten allerdings im Jahr 2001 aus. Der Terrorangriff der El Kaida am 11. September veranlasste die NSA dazu internationalen Verkehr und Auslandsgespräche von US-Bürgern abzuhören. Damals wie heute ist es Teil des Programmes zur Bekämpfung von Terrorismus. Nachdem die Demokraten den US-amerikanischen Kongress dieses Jahr für sich gewinnen konnten, unterstellten sie das Abhörprogramm der National Security Agency - welche von der Bush-Administration veranlasst wurde - unter Obhut geheimer Spione. Im August wurde ein NSA "Notfallsantrag" genehmigt wodurch diverse Abhörprogramme zum Schutz von US-Bürgern fortgesetzt werden konnten. Mit dem RESTORE Act (the Responsible Electronic Surveillance That is Overseen Reviewed and Effective Act of 2007) bemühen sich die Demokraten darum, dass die NSA ihre Macht nicht missbraucht, erlaubt aber gleichzeitig die Überprüfung des gesamten Datenverkehrs in den USA.

Trotzdem das Weiße Haus den Plänen der Demokraten diesbezüglich vorrangig zustimmt, betonte Präsident Bush am vergangenen Mittwoch erneut, dass er alles daran setze die Immunität der Telefonkonzerne weiter zu wahren, die bereits vor der Gesetzesänderung mit der NSA kooperierten. Unter anderem droht etwa dem AT&T-Konzern eine Sammelklage wegen illegaler Überprüfung von Datenverkehr auf Drängen der NSA.

Rückgang

Experten sind der Meinung, dass der National Security Agency in Zukunft die - bislang - heimischen Vorteile verloren gehen könnten. Schuld daran sei das internationale Wachstum von Kommunikationsnetzwerken. "Die Schaffung von alternativen Wegen beginnt die dominante Position der Vereinigten Staaten herauszufordern", so Manning wörtlich. Lokale Hubs in Hong Kong und London sind mittlerweile für den Datenverkehr zwischen Europa und Asien zuständig. Außerdem sollen neue Glasfaserkabel in Japan den hiesigen Verkehr über die USA ersetzen.

Auch in Zukunft wird der Datenverkehr über die USA und der dahinterstehende Markt weiter schrumpfen, zumal sowohl Länder aus Afrika als auch Asien den Ausbau an Kommunikationsnetzwerken immer weiter vorantreiben. (drex)

  • Artikelbild
    nsa.gov
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