Symbole der Franco-Ära verschwinden

31. Oktober 2007, 16:35
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Gesetz gegen Diktatur-Denkmäler richtet sich vor allem an die Kirchen, in denen noch immer Gedenktafeln zu finden sind

Spanien räumt mit seiner Vergangenheit auf. Alle Symbole aus der Zeit der Franco-Diktatur müssen aus dem Straßenbild verschwinden. So sieht es ein Gesetz zum Historischen Gedenken vor, das im Parlament diskutiert wird. Damit ist Schluss mit Straßennamen und Denkmälern die 32 Jahre nach dem Tod des Diktators noch immer Francisco Franco gewidmet sind.

Privaten Einrichtungen, die der Aufforderung zur Entfernung nicht nachkommen, können Subventionen gestrichen werden. Diese Drohung richtet sich vor allem an die Kirche. Denn an so manchem Gotteshaus und auf vielen Friedhöfen sind noch immer Gedenktafeln zu finden, die jene ehren, die im Bürgerkrieg "für Gott und Vaterland" gefallen sind.

Das größte Symbol der dunklen Jahre, das Valle de los Caídos - Tal der Gefallenen - 40 Kilometer außerhalb von Madrid, soll bestehen bleiben. Hier ist der Diktator beerdigt. Künftig soll dieser Ort "alle Menschen würdigen, die im Bürgerkrieg gefallen sind und Opfer der Repression, die darauf folgte, wurden, mit dem Ziel, die Kenntnisse über diese Zeit zu vertiefen und den Frieden und die demokratischen Werte zu stärken". Faschistische Aufmärsche, wie sie bisher am Todestag Francos die Regel waren, sollen künftig im Valle de los Caídos verboten werden.

Illegitime Urteile

Das Gesetz, das noch vor den Wahlen kommenden März verabschiedet werden soll, erklärt alle Urteile, die unter der Diktatur von Franco gefällt wurden, für illegitim. Außerdem wird die Diktatur verurteilt und alle repressiven Gesetze aus der Zeit aufgehoben. Der Gesetzesentwurf wird von den Sozialisten von Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero sowie mehreren linken und nationalistischen Parteien getragen.

Der nationalistischen Republikanischen Linken Kataloniens (ERC) geht der Text aber nicht weit genug. Und die konservative Partido Popular (PP) ist ebenfalls dagegen. "Das ist der Höhepunkt des Angriffes auf das, was der Übergang zur Demokratie bedeutete", erklärt PP-Generalsekretär Angel Acebes. Das Gesetz würde alte Wunden wieder aufreißen und die eine Hälfte Spaniens gegen die andere aufbringen. (Reiner Wandler aus Madrid/DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2007)

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    Die meisten Franco-Statuen wurde bereits entfernt, nun sollen auch die Symbole der Diktatur verschwinden.

  • Auf der Kathedrale von Granada ist in großen Buchstaben  der Name von Falange-Gründer José Antonio Primo de Rivera zu lesen.
    foto: jan marot

    Auf der Kathedrale von Granada ist in großen Buchstaben der Name von Falange-Gründer José Antonio Primo de Rivera zu lesen.

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