Das verflixte siebente Jahr

19. Oktober 2007, 01:18
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"Hello Gerhard, how are you?" fragt Julius Deutschbauer im Trennungstaumel in der Galerie Steinek nach

Um die Trennung von seinem langjährigen Partner Gerhard Spring zu verarbeiten, hat sich Julius Deutschbauer klassischer Bewältigungsstrategien bedient. In seiner Ausstellung in der Galerie Steinek fangen diese beim Zerstören gemeinsamer Erinnerungen an und enden in einem trotzigen "Endlich allein".

"Hello Gerhard, how are you?", fragt Julius Deutschbauer im Titel seiner Ausstellung, die insofern dem klassischen Muster einer Beziehungsauflösung folgt, als dass man dort Arbeiten aus verschiedenen Leidensphasen begegnet: Zunächst sind da die Plakate, die unter dem ersten Schock des Verlassenwerdens entstanden sein dürften. Sie zeigen einige der Sujets, die das Künstlerduo in den letzten sieben Jahren erarbeitet hat: das "Widerstandl" mit Wurst und Bier, ihr Beitrag zum Mozartjahr oder das Plakat zu ihrer Tschechow-Adaption "Zwei Schwestern", die sie 2003 im Schauspielhaus aufgeführt haben.

In der emotional gesteuerten Nachbearbeitung hat Julius Deutschbauer allerdings nicht nur Gerhard Spring, sondern auch sich selbst wegretuschiert, und deswegen durchziehen nun mehrere Leerstellen die Ausstellung, in der der nunmehrige Solokünstler außerdem einige der gemeinsam produzierten Plakate im Stil aktionistischer Materialcollagen überarbeitet hat.

Dass auf die Phase ausgelebter Zerstörungsfantasien gemeinhin die Stärkung des Egos folgt, wird in der Ausstellung aber auch schön ersichtlich: Erstens zeigt sich das darin, dass Deutschbauer mit seinen Plexiglas-Installationen wieder auf künstlerische Techniken der Vor-Spring-Phase zurückgegriffen hat, und dann ist in der Galerie auch eine seiner neuen Arbeiten zu sehen, mit der er ein selbstbewusstes "Deutschbauer, endlich allein" signalisiert.

Durch die kreuzworträtselartig kodierte Form wirkt es zwar so, als traue sich der Künstler mit diesem Statement noch nicht so wirklich hinaus; aber schließlich braucht die Aufarbeitung einer Trennung ja auch seine Zeit. (cb / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.10.2007)

Galerie Steinek, Eschenbachgasse 4, 1010 Wien. Bis 3.11.

Link: www.galerie.steinek.at

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    foto: steinek
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