DesignerIn: Ein Arbeitseinblick

15. Oktober 2007, 17:00
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Arbeiten zwischen Industrie und Kunst – Was aus den AbsolventInnen einer prominenten Hochschule geworden ist, erörtert die Filmdokumentation "Karriereleiter"

"(K)eine Anleitung zur Designarbeit!" lautet der Untertitel einer Filmdokumentation von Thomas Geisler und Ingrid Mückstein über den beruflichen Werdegang von AbsolventInnen der Universität für angewandte Kunst in Wien. Sie haben vor zehn Jahren Produktdesign studiert, nun denken sie in "Karriereleiter" laut über Job, Karriere, Kreativität und Arbeitswelt nach.

Gebrauchsgrafiker, DesignerIn, Designforscher, Produktdesigner, Projektmanagerin, KünstlerIn, Allrounderin, Bildender Künstler – so unterschiedlich die Berufsbezeichnungen der 14 kreativ Schaffenden, so individuell ihre Zugänge, Ansichten und Berufswege. Der Film bietet Einblick in die Design-Arbeitswelt und in die junge österreichische kreative Szene.

Kreativität

Kreativität ist gewissermaßen die Seele der Designarbeit und hat viele Gesichter. "Zu Kreativität gehört sicherlich auch eine irrsinnige Freiheit, die man sich selber im Kopf schafft", ist im Film zu hören. Für andere ist es ein "Lebenselexier", eine Art zu denken und zu kombinieren – wie Abenteuer im Kopf, oder eine Fähigkeit Lösungen zu finden, die nicht nahe liegend sind.

Über die Art und Weise zu arbeiten

"Sich permanent auf neue Sachen einlassen", "es beginnt mit Ideen, die aus Themen kommen, die mich interessieren", "…gepaart mit Unsicherheit und Chaos", "ich brauche, um Ideen zu haben, ein ganz spezielles Umfeld, wo ich Bewegung sehe wie Autos oder Menschen", das sind einige Zitate der Mitwirkenden zu ihren Arbeitsweisen.

Es hänge auch davon ab, ob man als Designer eine fixe Anstellung in einer Firma habe und in einem speziellen Bereich tätig oder ob man selbständig sei. Da verschieben sich die nötigen Kompetenzen, als Selbständiger muss man auch verkaufen können. Verkaufstalent und Überzeugungskraft, ein bisschen Lobbying und strategisches Denken dürften da nicht zu kurz kommen. Außerdem wichtige Stichworte für Designarbeit: Genauigkeit, Disziplin, Ausdauer, Risikobereitschaft, Flexibilität, Spontanität, sauberes Arbeiten, Verlässlichkeit, Umgang mit Stress, denn oft kommen nach einer längeren Durststrecke, mehrere Aufträge auf einmal.

Kontakte

Auch zu der Wichtigkeit von den so genannten Netzwerken herrschen unterschiedliche Ansichten unter den Kreativen: für die einen positiv, gute Auftragslieferanten, eine Starthilfe, vor allem zu Beginn – für die anderen gut, wenn man nicht darauf angewiesen ist.

Karriere

Was bedeutet das Wort Karriere für die Designabsolventen? Es komme darauf an bei dem zu bleiben, was man machen will, die Karriere komme dann ganz von selbst. Irgendwann Jobs auch ablehnen zu können, auch das kann Karriere sein. Natürlich steckt auch ein gewisser wirtschaftlicher Erfolg dahinter, aber andererseits auch Freiheit, wenn auch mit finanziellen Einbußen.

Karriereleiter und Erfolg

Erfolg könne Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit bedeuten oder Glück ohne wesentlich vom Unglück anderer leben zu müssen, habe aber auch mit Freiheit zu tun. Die Sicht anderer auf die eigene Arbeit und Zufriedenheit der Kunden sind andere Erfolgsfaktoren für die Kreativen in "Karriereleiter". "Wir sitzen manchmal oben, manchmal unten, manchmal auch in der Mitte auf dieser Leiter, oben windet es manchmal zuviel", aber auch "nach oben gehen, breiter werden" sei Karriere.

Die Zukunft

Und wie sehen sie den Ausblick ihrer Arbeit? Veränderte Auftragslage, dass es besser läuft als erträumt – aber auch die Möglichkeit eines Bauernhofs mit eigener Werkstatt lauten einige der Wünsche für die Zukunft. Wie der Untertitel der Filmdokumentation schon verrät: eine Anleitung zur Designarbeit ist schwierig, kreative Karrierewege sind so unterschiedlich wie die dazugehörenden Menschen. (mat, derStandard.at, 15.10.2007)

Film

"Karriereleiter" läuft von 16. bis 28.10. in einer Installation in der alten Aula der Universität für angewandte Kunst Wien und ist auch als DVD erhältlich

Link: "Karriereleiter"

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    grafik: christoph nardin
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