Aus der richtigen Quelle Kapital für alle Fälle

11. Oktober 2006, 01:00
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Die Hausbank hat als Financier noch lange nicht ausgedient. Wer seiner Bilanz Gutes tun will, spielt aber kunstvoll auf der Klaviatur der Finanzierungsmöglichkeiten

Qentis galt als Vorzeigefirma. Millionenumsätze machte der Wiener Händler über die Internetplattform eBay. Existenzgründern machten die Superverkäufer Mut, ebenfalls ihr Business mit Hilfe des Internet aufzuziehen. Bis Europas größter Powerseller Anfang 2006 pleite ging. Letztlich hat sich das Unternehmen offenbar finanziell auf dünnem Eis bewegt. Qentis kaufte nicht nur viele Waren am Spotmarkt, sondern ließ auch zahlreiche Produkte in Asien unter verschiedenen Markennamen produzieren - ein kapitalintensives Vergnügen. Eine "geplatzte Finanzierung" hatte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge letztendlich in unüberbrückbare Schwierigkeiten und zuletzt in die Pleite getrieben.

 

Quentis erzielte 2005 mit 45 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 17 Mio. Euro. Neben dem Hauptsitz in Wien hatte man Niederlassungen in Italien, Deutschland, Frankreich, Hongkong und den USA. Ein Vorzeigebeispiel wie gesagt. Ein typisches heimisches KMU. Und die seien das Rückgrat der heimischen Wirtschaft, wie Politik und Wirtschaft in den letzten Jahren nicht aufhören zu betonen. Gleichzeitig sind die mittelständischen Unternehmen aber auch Sorgenkinder: Fast die Hälfte schreibt etwa rote Zahlen. Rund 37 Prozent aller KMU sind außerdem buchmäßig überschuldet, das heißt, diese Unternehmen verfügen über mehr Fremdkapital als Vermögen. Und was die monetäre Gebarung betrifft, so muss und kann bei Unternehmen dieser Größenordnung auch noch einiges gelernt werden. Siehe Quentis. Auslöser der überraschenden Pleite war ein Investor und Lieferant, der von seinem Recht Gebrauch gemacht hatte, 1,5 Millionen Euro zurückzuverlangen. So ein Windstoß kann einen Unternehmer schon einmal umhauen, sollte er aber nicht.

Kapital für alle Fälle

Ob nun eine Akquisition geplant wird, ein neues Produkt auf den Markt gebracht werden soll, ein neuer Markt erobert werden soll, in größerem Umfang Betriebsmittel angeschafft werden müssen, oder eine kurzfristige Finanzierung wie im eingangs angeführten Fall vonnöten ist: Kaum ein Unternehmen kann in solchen Fällen ausschließlich auf Kapitalreserven zurückgreifen. Der hier zu Lande in der Nachkriegswirtschaft erfolgreich eingeführte und seither erfolgreich praktizierte Ansatz: Man pilgert zur Hausbank und versucht einen Kredit zu bekommen. Mit der Folge, dass die Schulden mehr werden. Dass das betriebswirtschaftlich gesehen nicht gerade optimal ist, weiß man nicht erst seit der Diskussion um "Basel II".

Basel II brachte gezwungenermaßen eine Wende. "Die Bank ist nicht mehr Kreditverkäufer sondern Risikoeinkäufer. Die Preise von Krediten müssen die Preise der eingekauften Risiken widerspiegeln," sagt Christian Kontny von der BA-CA. Um selbige herauszufinden, muss eine Firma transparent werden und sich gewissermaßen durchleuchten lassen. Ein Vorgang, der zunächst einmal wenig sympathisch klingt. Die Stärken anzuführen mag ja angehen, aber wer gibt schon gerne seine Schwächen preis. Aber auch hier gilt – wenn auch umgekehrt - kein Licht ohne Schatten: "Der Kunde weiß, wo er steht." Dafür wird er gewissenhaft "vermessen". Was früher das Bilanzgespräch war, heißt heute bei der BA-CA ganz schulmeisterlich "Lerne dein Rating kennen." Die meisten KMU in Österreich stünden auf einer Skala von Eins bis Zehn auf Vier bzw. Fünf (Schulnotenprinzip) sagt Kontny und "eine gute Vier ist schon ganz ordentlich".

Eigenkapital ist wichtigster Punkt

Der wichtigste Punkt in der Bewertung ist das Eigenkapital. Das Liquiditätsrisiko werde für einen großen Konzern nicht ganz so schnell zum Problem wie für einen Mittelständler, so Kontny. Gleichzeitig sieht der BA-CA-Mann gerade in Sachen Liquiditätswirtschaft und Finanzplanung bei den KMU ein großes Manko. Eines, dem mitunter mit recht einfachen aber durchaus wirkungsvollen Maßnahmen zu Leibe gerückt werden kann. Und das fällt dann bereits in die Kategorie "Finanzierung". Was den Endkunden des Installateurbetriebs zum Beispiel freut – die Rechnung kommt erst sechs Wochen, nachdem der Handwerksbetrieb das Badezimmer zur entspannenden Wohlfühloase umgebaut hat - reißt vermutlich ein verzichtbares Loch in die Firmenkasse. Die Frage für den Betrieb lautet also laut Kontny: "Habe ich die Liquidität in der Hand?". Bilanzschonend wirkt sich auch der Verkauf offener Forderungen an so genannte Factoringbanken aus. Allerdings hafte dem "Factoring" - immer noch – wenn auch nicht mehr ganz so streng - ein schlechter Geruch an. Eine weitere, vielfach bereits etablierte, Finanzierungsalternative stellt Leasing dar. Leasen statt kaufen sei bei Kraftfahrzeugen eine bereits verbreitete Variante, ebenso bei Mobilien: Dass die Hebebühne für die Werkstatt nicht unbedingt in deren Besitz stehen muss, hat sich ebenfalls herumgesprochen. In Sachen Immobilienleasing sieht BA-CA-Mann Kontny noch Potenzial. "Für Gründer, die eine Dynastie begründen wollen, ist das nicht so leicht vorstellbar."

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Für fortgeschrittene Unternehmen stellt dann der Mittelstandsbond eine Finanzierungsalternative dar. Um den Anleihenbereich für KMU zugänglich zu machen, fassen Banken dabei mehrere KMU in einer Emission zusammen. Bonitätskriterien, Due Diligence (vertiefte Prüfung) und die Offenlegung mehrerer Jahresabschlüsse sind Voraussetzung. Dabei handelt es sich laut Investkredit-Fachfrau Rita Hochgatterer um "ein Finanzierungsinstrument für stabile mittelständische Unternehmen mit zufriedenstellender Bonität auf dem Weg zur Kapitalmarktreife." Die Voraussetzungen: Diese Unternehmen erzielen "idealerweise" einen Umsatz zwischen 40 und 500 Millionen Euro Jahresumsatz und sind schwerpunktmäßig in den Wirtschaftssektoren Industrie, Gewerbe und Handel tätig. Wer einen Finanzierungsbedarf zwischen 5 und 45 Millionen Euro hat, liegt mit dieser "Bündelanleihe" richtig. Geeignet sind sie laut Hochgatterer für mittelständische Unternehmen, die für geförderte Finanzierungen gemäß EU-Förderrichtlinien zu groß und aus Sicht von Kapitalmarktinvestoren zu klein sind.

Zuletzt bleibt die Aufnahme von Kapital durch einen Kapitalgeber (gemeinhin unter dem Begriff Risikokapital subsumiert) eine Möglichkeit. In diesem Fall stellt eine Gesellschaft, ein Fonds oder ein institutioneller Investor Geld auf eigenes Risiko zur Verfügung und will letztendlich damit natürlich auch verdienen. Bei einer Mezzaninfinanzierung beteiligt er sich nicht direkt am Unternehmen, sein Darlehen ist aber gegenüber anderen Forderungen nachrangig, erklärt BA-CA-Mann Kontny das Prinzip. Dadurch erhält das geliehene Geld fast den Rang von Eigenkapital. Der Kapitalgeber kassiert dafür hohe Zinsen, auch eine Beteiligung am Wertzuwachs des Unternehmens kann vereinbart sein. Bei Private-Equity- oder Venture-Capital-Finanzierungen steigt der Kapitalgeber auf Zeit in das Unternehmen ein, um nach ein paar Jahren – hoffentlich mit Gewinn – wieder auszusteigen.

"Risikokapital wird in Österreich von zahlreichen österreichischen und internationalen Venture-Capital und Private-Equity-Anbietern, aber auch von öffentlichen Institutionen auf Bundes- wie auf Landesebene, beispielsweise durch die austria wirtschaftsservice (AWS), zur Verfügung gestellt" zählt Christian Jauk, Vorstandsvorsitzender der Capital Bank, die Möglichkeiten, an Kapitalgeber zu gelangen, auf. KMU, die sich für das Thema Risikokapital interessieren, müssen allerdings als Voraussetzung für eine Finanzierung einen erfolgreichen Businessplan mit einer entsprechenden Rentabilität aufweisen. "Im internationalen Vergleich hinkt Österreich beim Risikokapital noch hinterher. Vielleicht sollten gezielte wirtschafts- und steuerpolitische Maßnahmen den Anreiz von Risikokapital forcieren. Kapital, das auf Sparbüchern geparkt wird, trägt nichts zum volkswirtschaftlichen Nutzen bei", gibt Jauk zu bedenken.

Für die richtige Gelegenheit

Was die Finanzierung mit Hilfe eines Private Equity-Gebers betrifft, so sei dafür eine gute "Story" notwendig, ergänzt BA-CA-Mann Kontny, den Betriebsmittelkredit könne Kapital aus dieser Quelle nicht ersetzen. Der bleibt weiterhin für die Belange des täglichen Geschäftes notwendig. Aber wer zum Beispiel davon überzeugt ist, dass der von ihm hergestellte Konsumartikel, der in Europa bereits im mittleren Segment prachtvoll funktioniert, nun in den USA im Highend-Segment reüssieren könnte, der könnte von einer solchen Idee einen Equity-Geber zu überzeugen versuchen. Der wolle allerdings sicher einen guten Finanzierungs-Mix. Eine Sache, auf die es überhaupt ganz stark ankomme, rät Kontny zur Diversifizierung.

Die Kür ist zuletzt der Börsengang. Die Basel-II-Kreditanforderungen könnten dabei vielleicht gleich als Steigbügel betrachtet werden. Die erhöhten Anforderungen an Transparenz sollten dem einen oder anderen Unternehmen vielleicht zu den notwendigen Schritten von der Pflicht zur Kür verhelfen. Denn seit der Einführung des mid market Segements an der Wiener Börse ist der Kapitalmarkt seit heurigem Jahr auch für KMU zugängig. "Eine Alternative zu der in Österreich vorherrschenden klassischen Kreditfinanzierung" so Capital-Bank-Chef Christian Jauk. Wer also schon tüchtig die Pflicht absolviert hat, könnte durchaus daran denken, sich nun der Kür zuzuwenden. (Regina Bruckner)

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